Camilla Läckberg - Die Schneelöwin
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Camilla Läckberg - Die Schneelöwin
 
Arne Dahl - Sieben minus eins

Wichtiges über den Krieg - Øystein Rottem

Donnerstag 28. Oktober 1999

Der Weltkrieg, werden wir niemals mit damit fertig? Nein, das werden wir nicht. Er wird uns immer in Anspruch nehmen, auch die Schriftsteller, so wie heute, 55 Jahre nach Ende des Krieges, sprudelt er immer noch als sei er eine unversiegbare Quelle.

Der letzte in der Reihe ist Roy Jacobsen, einer unserer führenden Schriftsteller, umsichtig in der Auswahl seines Themas, tiefgehend in seiner Menschenschilderung, scharf in der Analyse sozialer Beziehungen, ein Mann mit Fantasie, aber auch einer, der es genau wissen will, fanatisch in seiner Jagd nach tatsächlichen Geschehnissen, aus denen er Erzählungen schaffen kann.

In "Grenzen" holt er all das hervor, mischt Fakten mit Fiktion, spielt gekonnt auf der Klaviatur - einiges erscheint sogar ganz neu. Teile des Romans können als Kriegsreportage gelesen werden und Jacobsen bekleidet die Rolle des Kriegskorrespondenten mit Bravour. Als Reporter ist er nicht selbst zur Stelle, er spricht vielmehr durch die Personen, die er an die wichtigsten Frontabschnitte versetzt hat - an die Ostfront des Winters 1942/43, nachdem Hitlers siebte Armee dabei war,
zusammenzubrechen unter dem Würgegriff der Russen und in die Ardennen während des letzten Versuchs der Deutschen, sich gegen die alliierte Invasion zur Wehr zu setzen.

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Militärgeschichte

Auf diese Schilderung hat Jacobsen viel Energie verwandt. Er beschreibt die äußeren Fakten, den großen Marsch der Militärgeschichte sozusagen, so, wie wir sie kennen und zum größten Teil authentisch, soweit ich (d.i. Øystein Rottem, Anm. d. Red.) das beurteilen kann.

Der Roman zeugt von gründlichen Studien und solidem Können. Vielleicht wird mancher Leser ermüden ob der vielen Informationen über Truppenversetzungen und Pläne für den Rückzug oder Angriff.

Ich (d.i. Øystein Rottem, Anm. d. Red.) empfinde das nicht so. Denn selbst während der langen Erzählung vom Militärlager Novotjerkassk am Don-Becken, die einen der Schwerpunkte des Romans ausmacht, ist immer auch der Dichter zur Stelle - der, der am meisten am Menschen im Krieg interessiert ist, mit all seiner Hoffnung und Verzweiflung, Freude und Angst, Furcht um einen Sohn, der sich auf der anderen Seite der Front befindet, Furcht vor der Niederlage, involviert und ausgeschlossen zur gleichen Zeit.

So auch der Belgier Markus Hebel, Elektroingenieur und Offizier an der Ostfront, ein Mann, mit wenig Verständnis für Hitlers Hirngespinste über ein großgermanisches Reich. Ein Mann, der seine Pflicht tut, einer, der nicht unter die Räder der Geschichte gerät, sondern der zurückkehrt und
erzählen kann, der das aber nicht tut, jedenfalls nicht sofort, der wählt, zu schweigen, der sich blind stellt - bis in die 60er Jahre hinein, als er sein Geheimnis preisgibt und seine Geschichte dem jungen Robert erzählt, einer weiteren Hauptperson des Romans.

Auch er ist ein Produkt des Krieges, empfangen während eines heftigen Schusswechsels, eine extatische Atempause mitten im Wahnsinn des Krieges, Sohn eines kanadischen Soldaten auf der Flucht und einer belgischen Krankenschwester.


Buchtipp
Camilla Läckberg - Die Schneelöwin

Robert wohnt zusammen mit seiner Mutter. Sie wohnen in der Nähe von Hebel und seiner Frau, in Luxemburg, diesem Lilliputaner-Staat nahe der deutschen Grenze, dessen Einwohner drei verschiedene Sprachen sprechen, ein Mischstaat, der absolute Gegensatz zu den perversen
ethnischen Reinheitsidealen der Nazis.

Hier lebt man an Grenzen, ohne den Zwang, diese zu verändern, das Sinnbild der Idee von der Zufälligkeit der Grenzziehung, so wie sie in dem einleitenden Prolog über den Bauern zum Ausdruck kommt, der auf der einen Seite der Grenze wohnt und sein Eigentum auf der anderen Seite der Grenze hat und die Behörden um die Erlaubnis bittet, eine Brücke zu bauen, damit er seine tägliche Arbeit verrichten kann.

Alltag

Hier treffen wir eine Reihe Nachbarn und Zufallsbekanntschaften: Maria, Roberts Mutter Nella, Markus' Frau Léon, auch ein Opfer des Krieges, das schweigt, zwangsentlassener Soldat und Deserteur, seine "unechte" Frau Agnes, den Vater Rampart und weitere mehr.
Hier sind wir zurück im Alltag, aber in einem Alltag im Schatten des Krieges. "Grenzen" ist ein Roman über Grenzen zwischen Nationen und zwischen Menschen. Nationen sind die Summe der Menschen, die dort wohnen und Grenzen sind etwas vom Menschen geschaffene, etwas, das bestehen bleiben oder verändert werden kann, etwas, das eine Sperre sein kann, aber auch etwas, das überwunden werden kann - eine abstrakte Fiktion in einer konkreten Landschaft.

Nachwirkungen

Der Roman handelt von Menschen, die nahe einer Grenze leben, von Menschen, die in einem Krieg leben - und nach einem Krieg. Er handelt davon, was der Krieg aus den Menschen macht, welche Nachwirkungen er mit sich zieht, ein Roman über das, was man erinnert und das, was man niemals vergessen kann, über das, was man am liebsten verschweigen und vergessen will, über das, was man weiter erzählen will, damit es nie wieder Krieg gibt und über das, was man verschweigen will - aus dem selben Grund.

Übersetzung und redaktionelle Bearbeitung:
Alexandra Hagenguth/ KONTEXTE - Wissensportal für Text, PR, skandinavische Sprachen und Literaturen
© Oktober 2004 - Literaturportal schwedenkrimi.de - Krimikultur Skandinavien
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