Camilla Läckberg - Die Schneelöwin
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Camilla Läckberg - Die Schneelöwin
 
Arne Dahl - Sieben minus eins
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"Mord im 31. Stock" von Per Wahlöö

Lehrstück für kritische Zeitgenossen und Kriminologen
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  Per Wahlöö und
Maj Sjöwall bei schwedenkrimi.de
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Eine säuberlich Buchstabe für Buchstabe aufgeklebte Bombendrohung verursacht in einem Verlagsimperium Millionenschäden und eine Menge Arbeit für Kommissar Jensen. Nach Ablauf des in dem anonymen Schreiben vorgegebenen und folgenlos gebliebenen Ultimatums beginnt die akribische Recherche des Kriminalisten. Geheimnisvoll unscharf bleibt ihm dabei der 31. Stock des eigentlich nur 30 Stockwerk hohen Verlagsgebäudes und was dort - von niemand auch nur geahnt - vor sich geht. Jensen vermutet schnell, welcher Personenkreis für den Drohbrief verantwortlich sein kann. Das verwendete Papier stieß ihn förmlich darauf. Mühsam, gnadenlos konzentriert und nahezu emotionslos besucht und befragt er seine ausgewählten Verdächtigen. Immer deutlicher scheint sich für ihn die Motivlage zu entblößen. Als Leserin oder Leser bleibt dennoch die Ungewissheit und lange noch offene Fragen.
Die sich mit jeder Befragung mehr und mehr abzeichnende Motivlage für die in besagten Drohschreiben angekündigte Racheaktion zieht sich als verdichtende Erkenntnisssituation immer enger zusammen. Jensen weiß am Ende Bescheid und glaubt den Fall gewaltfrei und unexplosiv gelöst. Das tatsächliche Ende scheint jedoch ganz anders zu sein.
Der Autor erzählt eine düstere Geschichte vom Verlust einer Errungenschaft demokratischer Staatsentwicklung, der Pressefreiheit. Unerträglich für einen aufgeklärten Menschen verdichtet sich die Verlagslandschaft bei gleichzeitiger Banalisierung von Themen und Inhalten der Massendruckerzeugnisse. Redakteurinnen und Redakteure verdrängen offensichtlich ihren journalistischen Ehrenkodex zunächst kaum merklich und schließlich unabänderlich zum Schaden der freien Meinungsäußerung.
Die Auswirkungen auf eine Gesellschaft deutet er weniger mit klaren Worten, denn mit eindeutig nachspürbaren Emotionen an. Das wirkt und obgleich es ein Roman, eine fiktive Geschichte ist, bleibt etwas im Denken haften, das aufrüttelt und zur steten Wachsamkeit auffordert. Auch wenn sich heutzutage die Presse- und Meinungslandschaft so ganz anders darstellt - oder vielleicht gerade deshalb - behält die Geschichte ihren kritischen Nutzen und Anspruch.

Es ist ein spannender, moralisch-politischer Roman mit Nachwirkung, der im Kleid einer spannenden, nahezu unblutigen Kriminalgeschichte daher kommt.

Vielen Dank an Uli Geißler, Freier Journalist und Autor aus Fürth / Bayern
© August 2004 Redaktionsbüro Geißler für das Literaturportal schwedenkrimi.de

"Verschlossen und verriegelt" von Per Wahlöö/Maj Sjöwall

Sozialkritik aus Schweden
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Bis vor kurzem war ich bekennende Edgar Wallace, bzw. Agatha Christie-Leserin. Na ja, eigentlich bin ich noch heute eine, aber damals las ich ausschließlich Krimis dieser zwei Autoren, wenn's hochkam vielleicht noch Bücher von Francis Dubridge, Dorothy L. Sayers oder Elizabeth George. Den verzweifelten Versuchen meiner Eltern mein Interesse in literarisch wertvollen Kriminalromanen zu wecken hielt ich mehr oder weniger ausdauernd stand. Natürlich schlichen sich hin und wieder ein paar Ausnahmen in mein Repertoire, so kam ich nicht daran vorbei Bestseller wie Der Club Dumas, die Sneaky Pie Brown Bücher oder Die Tote im Schnee zu lesen, aber Kunstbanause wie ich war hinterließen genannte Bücher keinen all zu großen Eindruck bei mir.
Vor kurzem landete per Zufall dann das Buch "Alarm in Sköldgatan" (Originaltitel: Brandbilen som försvann) von Maj Sjöwall und Per Wahlöö bei mir auf dem Schreibtisch. Es war ein ziemlich abgewetztes Taschenbuch, bemerkenswert nur durch die Widmung: "Für meine Leseratte - damit Du erkennst das nicht alle guten Detektive auch Helden sind. L.N. 1970". Die Ironie der Situation war nicht zu verkennen: da musste jemand mit den gleichen Initialen wie meine Mutter vor 30 Jahren mit dem gleichen Problem konfrontiert gewesen sein wie sie jetzt. Auf jeden Fall machte ich mich daran das Buch zu lesen - und war begeistert.


Buchtipp
Camilla Läckberg - Die Schneelöwin

Bei den Autoren Maj Sjöwall und Per Wahlöö handelt es sich um ein Autoren-Ehepaar aus Schweden. Per Wahlöö wurde 1926 in Göteborg geboren und arbeitete ab 1946 für längere Zeit als Journalist (er war Kriminalreporter für eine Zeitschrift). In den fünfziger Jahren ging er nach Spanien, wurde jedoch 1956 vom Franco-Regime ausgewiesen. Seine anschließenden Reisen führten ihn um die halbe Welt, bevor er sich wieder in Schweden niederließ und anfing als Schriftsteller zu schreiben. Bereits bei seinen frühen Büchern handelt es sich um politisch stark angehauchte Werke. 1961 lernte er seine spätere Frau Maj Sjöwall kennen. Maj wurde 1935 in Stockholm geboren und arbeitete zu der Zeit als sie sich trafen als Mitarbeiterin des Herausgebers Wahlström und Vidstradt. Ein Jahr nach ihrer Begegnung heirateten Wahlöö und Sjöwall und entschieden sich bald dafür zusammen Bücher zu schreiben: Kriminalromane, um sich eine große Leserschaft zu beschaffen, aber mit intellektuellem Unterton und starker politischer Motivation. Sie schufen den Zyklus von 10 Bänden abends, nachdem sie ihre Kinder zu Bett gebracht hatten und ihr Ziel war (laut Wahlöö) " den Kriminalroman als Skalpell zu benutzen um den Bauch des, ideologisch verärmten und moralisch umstrittenen, sogenannten Wohlfahrtsstaat des Spießbürger Typus, zu öffnen". Das Resultat dieser Ideologie wurde die Kriminalserie um Kommissar Martin Beck und seine Kollegen von der Reichspolizei, von der insgesamt 10 Bücher veröffentlicht wurden, der letzte Band bereits nach Wahlöös Tod. Es handelt sich hierbei um gnadenlose Berichte über die schwedische Gesellschaft der Sechziger und Siebziger, die - nicht überraschend - zu der Zeit in Schweden nicht all zu großen Anklang fanden und erst Ende der achtziger Jahre wiederentdeckt wurden. International allerdings hatten die zwei Autoren großen Erfolg und erhielten 1971 sogar den Edgar Award für "Endstation für neun", den vierten Krimi der Serie.

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Bei "Verschlossen und verriegelt" handelt es sich um Band 7 aus der Martin-Beck-Saga, wir nähern uns also dem Ende, was auch an dem Stil des Buches spürbar ist. Unter dem Originaltitel "Det slutna rummet" (Der verschlossene Raum?) erschien das Buch 1972 in Schweden und wurde 1975 auch in deutscher Übersetzung vom Rowohlt Verlag herausgegeben.

Aber fangen wir am Anfang an. Bei der Story handelt es sich um zwei Fälle die parallel - und scheinbar unabhängig - zu einander laufen. Im einen Fall wird ein Bankraub verübt, am helllichten Tag, in der Mitte von Stockholm und das Sonderdezernat für die Aufklärung für Banküberfälle tappt im Dunkeln. Besser gesagt: das Sonderdezernat, unter der Leitung des hyperaktiven Staatsanwalts "Bulldozer" Olsson und mit Lennart Kollberg, Einar Rönn und Gunvald Larsson als Verstärkung, befindet sich auf der komplett falschen Fährte. Trotzdem machen sie sehr gute Fortschritte um die berühmtesten Bankräuber in Schweden (Malmström und Mohrén) zu schnappen die erst vor kurzem aus dem Gefängnis ausgebrochen sind und jetzt das "ganz große Ding" planen. Das einzige Problem - die Ermittler übersehen die Kleinigkeit von 700 Kilometern.
Bei dem anderen Fall handelt es sich um einen Toten der sechs bis acht Wochen in seiner Wohnung vermoderte bevor seine Leiche aufgrund des Verwesungsgeruchs gefunden wurde. Es dauert weitere zwei Wochen bevor die Akte Karl Edvin Svärds bei Kommissar Martin Beck auf dem Schreibtisch landet. Beck seinerseits kommt gerade nach einer schweren Schussverletzung und anschließender fünfzehnmonatiger Rekonvaleszentenzeit zum ersten Mal wieder ins Büro und wird zwischendurch von Depressionen geplagt und geht den Fall sowieso recht lustlos an, da er in seiner langen "Beurlaubung" genug Zeit hatte sich über die Macken und Fehler im schwedischen Polizeisystem klar zu werden. Überhaupt gibt's keinen Mangel an Fehlern. Der ganze Fall Svärd scheint nichts als verpfuschte Polizeiarbeit zu sein. So soll der Frührentner Svärd sich selbst eine Kugel ins Herz gejagt haben und somit Selbstmord begangen haben, eine andere Möglichkeit gibt es nicht, denn die Wohnung des Toten war von innen "verschlossen und verriegelt" und musste von der Polizei erst aufgebrochen werden bevor sie an die Leiche herankonnten. Wieso aber dann steht in den Polizeiakten nichts über eine sichergestellte Waffe fragt sich Kommissar Beck - mit Recht, wie es sich später herausstellt, denn in den Raum lag tatsächlich keine Waffe. Wie also konnte sich der Mann ohne Waffe erschießen? Und während Beck dieser Frage vom Schreibtisch aus nachgeht werden scheint der Fall immer verwirrender.

Mehr möchte ich nicht verraten, es muss allerdings gesagt werden, dass das Ende überraschend und nicht ohne jegliche Ironie ist. Überhaupt haben die Autoren in diesem Buch die Inkompetenz des politischen, juristischen und polizeilichen Systems sehr hervorgehoben und lassen es als vollkommen lächerlich erscheinen. Hier muss unbedingt meine Lieblingsszene erwähnt werden, wo das Sonderdezernat für Banküberfälle eine leere Wohnung erstürmt - mit dem Resultat, dass es hinterher fünf verletzte Polizisten und einen angeschossenen Polizeihund zu entfernen gibt. Eine dreiseitige Beschreibung bei der mir immer wieder Lachtränen die Wangen herunterkullern wenn ich sie lese. Es ist auch herrlich zu lesen, wie das Gangsterpaar das ganze Sonderdezernat überlistet, davon gar nicht erst zu sprechen, wie der Übeltäter Filip Mauritzon für zwei Banküberfälle und einen Mord verurteilt wird die er nicht begangen hat und dafür für seine einzige wirkliche Übeltat freigesprochen wird. Martin Beck verliebt sich und überkommt so seine Depressionen während er gleichzeitig seinen Fall so genial löst, dass er dadurch die gefürchtete Beförderung doch nicht bekommt.

Das Buch ist genial witzig geschrieben und ich kann es auf jeden Fall nur empfehlen, allerdings würde ich die politischen Äußerungen nicht für bare Münze nehmen, immerhin wurde das Buch vor fast 30 Jahren geschrieben ist also nicht mehr ganz aktuell. Trotzdem ist der Krimi so hinreisend wie eh und jeh und die Spannung beruht nicht nur darauf die Täter zu finden, sondern hat viel mehr Tiefe, ist viel hintergründiger.

Allen viel, viel Spaß beim Lesen und glaubt mir - dieses Buch ist ein Muss für jeden Krimi-Fan!

Vielen Dank an Uschi Symmons
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