Camilla Läckberg - Die Schneelöwin
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Camilla Läckberg - Die Schneelöwin
 
Arne Dahl - Sieben minus eins
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"Die Wahrheit über Kim Novak und den Mord an Berra Albertsson" von Håkan Nesser

Die Wahrheit über Kim Novak?

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Entweder brauchte Hakan Nesser dringend Geld oder der Verlag drängte ihn Licht ins Dunkel über den Mord an Berra Albertsson in „Kim Novak badete nie im See von Genezareth“ zu bringen.
Über keinen seiner Romane wurde so heftig diskutiert und nie waren sich Leser uneiniger, wer der Mörder war. In einem normalen Kriminalroman sind wir an eine simple Auflösung gewöhnt: Das Gute siegt, das/der Böse wird zur Strecke gebracht. Mit Unklarheiten aber lässt sich schwerlich umgehen.
Das 2008 bereits im Original und jetzt in der deutschen Fassung vorliegende Büchlein, das gerade einmal 75 Seiten umfasst, ist eine seltsame Mischung aus angeblichen Gesprächsaufzeichnungen mit dem Täter mitten in der kanadischen Wildnis, einer „Zeugin“, die Nesser höchstselbst aufsucht sowie eines Sachverständigen (Eugen G. Brahms), der eine sonderbar wissenschaftliche Abhandlung zu dem Fall liefert. Nesser selbst behauptet in seinen einleitenden Worten, er habe bei Veröffentlichung des Romans versprochen den Mörder nach 10 Jahren preiszugeben. Dies sei ihm vorher nicht möglich gewesen, liege der Tat doch eine wahre Geschichte zugrunde.
Und da sind wir auch schon beim Kern des Ganzen: Nesser spielt in seinen Aufzeichnungen geschickt mit Fiktion und Wirklichkeit. Der angebliche Wissenschaftler Brahms sei lediglich ein Pseudonym für den damals ermittelnden Kommissar, die angebliche Zeugin gar eine begeisterte Nesser-Anhängerin, die sich wichtig machen möchte. Sogar Nesser selbst wird indirekt als Täter ins Spiel gebracht.
Nichts als ein Spiel spielt er mit uns, zusammengefasst in einem Rat, den er dem Leser kurz vor Ende mitgibt:
„Vertraue niemals einem Schriftsteller.“

Ob ich diesen Schachzug als postmodernes Spiel Nessers mit Fiktion und Wirklichkeit sehe oder ob ich mich schlichtweg von ihm auf den Holzweg geführt fühle, das bleibt jedem Leser selbst überlassen.

Vielen Dank an Katja Perret
© Dezember 2010 Literaturportal schwedenkrimi.de - Krimikultur Skandinavien

"Das zweite Leben des Herrn Roos" von Håkan Nesser

Ein „Parabel-Beispiel“
Håkan Nesser schreibt (s)eine Parabel auf Per Pettersons „Pferde stehlen“


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2006 erschien der Roman „Pferde stehlen“ des norwegischen Autors Per Petterson. Der erzählt in poetischer Sprache von einem unvergesslichen Sommer, vom Ende der Kindheit, das immer auch ein Ende der Unschuld bedeutet, und wie sich die Kindheit in der erwachsenen Erinnerung in einem einzigen Augenblick oder Ort manifestieren kann. Diese Idee der Kindheit als (verlorenes) Paradies greift Nesser, der mit „Kim Novak badete nie im See von Genezareth“ bereits selbst ein großes Stück Literatur zum Thema der verlorenen Kindheit vorgelegt hat, in „Das zweite Leben des Herrn Roos“ erneut auf und schreibt damit (s)eine Parabel auf diesen großartigen Roman des Norwegers Petterson.

„Mein ganzes Leben lang habe ich mich nach einem Ort wie diesem hier gesehnt.“ Dieses Zitat aus Per Pettersons Roman „Pferde stehlen“ (vgl. Rezension) stellt Håkan Nesser seinem dritten Band um Kommissar Gunnar Barbarotti voran, und wie dieser Satz gleichsam Sentenz und Quintessenz des Romans „Pferde stehlen“ ist, so erfasst auch Nessers Paraphrase „Besser als jetzt wird das Leben nie mehr“, „Niemals besser als jetzt“, das er seinem Anti-Helden Ante Valdemar Roos beziehungsweise dessen Vater in den Mund legt, das Wesen von Nessers „Das zweite Leben des Herrn Roos“ vollkommen.

Auf der Suche nach sich selbst und der verlorenen Kindheit

Dieser eine Sinnspruch, der immer und immer wieder auftaucht, stellt den Kern der Geschichte dar, die sich zu Per Pettersons „Pferde stehlen“ verhält wie das Negativ zum Positiv. Das „Niemals besser als jetzt“ zieht sich leitmotivisch durch den Roman, in dem der vermeintliche Langeweiler Ante Valdemar Roos im Toto gewinnt, sich heimlich eine abgeschieden Hütte im Wald kauft und fortan ein geheimes Doppelleben führt. Dann begegnet ihm Anna, die aus einem Heim für Drogensüchtige davon gelaufen ist und sich in seine Hütte flüchtet. Als dort ihr ebenfalls drogenabhängiger und gewalttätiger Ex-Freund Steffo auftaucht, eskaliert die Situation und Kommissar Barabarotti hat einen neuen Mordfall aufzuklären. Anna und Valdemar begeben sich derweil auf eine Flucht, die sie bis nach Deutschland und Maardam, der Wirkungsstätte von Nessers großem literarischen Helden Van Veeteren, führt. Doch ein Happy End ist den beiden nicht beschieden, denn der, der Regie führt, heißt Håkan Nesser, und der ist bekannt für seinen „gesunden Pessimismus“ (vgl. Interview schwedenkrimi.de 2004).

„Augenblick, verweile doch, du bist so schön!“

So umkreist Nesser diesen einen Moment, in der sich unsere Kindheit, ihre Unbeschwertheit, Sorglosigkeit und Unschuld widerspiegelt auf 524 Seiten. Es gilt, diesen einen Augenblick festzuhalten, einzufangen und für immer und ewig festzuschreiben, doch der Augenblick ist ebenso flüchtig wie Shakespeares Sommernachtsgeist Puk, sodass es im Nesser’schen Universum misslingen muss. Zwar erlebt Valdemar Roos einige unbeschwerte und schöne Wochen in seiner Hütte und mit Anna, doch es ist nicht nur Steffo, der das Idyll durch sein plötzliches Auftauchen und seinen Tod zerstört. Auch die Flucht gerät zum Fiasko; es ist, als ob Nesser seinem Helden nicht einmal das bisschen späten Glücks gönnen kann, auch wenn es erneut zu einem etwas unklaren Ende kommt, wie schon so oft bei Nesser, das eventuell hoffen lässt.

Artifiziell statt kunstvoll

Es ist jedoch so, dass „Das zweite Leben des Herrn Roos“ so sehr um dieses Leitmotiv, diese eine Idee vom Augenblick, der doch verweilen möge, weil er so schön ist, beherrscht wird, dass Nesser darüber fast vergisst eine (gute) Geschichte zu erzählen. Denn wo noch „Eine ganz andere Geschichte“ kunstvoll gestaltet war, wirkt „Das zweite Leben des Herrn Roos“ gekünstelt. Dieser dritte Barbarotti-Roman ist damit der artifiziellste aus der Reihe, und auch der am behäbigsten erzählte.

Vielen Dank an Alexandra Hagenguth
© Oktober 2009 Literaturportal schwedenkrimi.de - Krimikultur Skandinavien

"Das zweite Leben des Herrn Roos" von Håkan Nesser

Sind wir nicht alle ein bisschen Herr Roos?

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Håkan Nessers dritter Fall für Gunnar Barbarotti fängt unscheinbar an. Es gibt hier keinen Helden, eher das Gegenteil davon: Ante Valdemar Roos, eine insgesamt recht blasse Erscheinung Ende fünfzig. Er ist sich seiner Langeweile seltsam bewusst, lebt in einer ihn nicht befriedigenden Beziehung, führt einen öden Beruf aus und verzieht sich bei Geselligkeiten gerne aufs stille Örtchen. Nun schlittert ausgerechnet dieses graue Etwas in ein aufregendes Leben hinein, denn überraschend gewinnt er im Toto. Er verheimlicht es seiner Frau und kauft sich eine kleine Hütte im Wald, in der er die Tage verbringt. Dieses „zweite Leben“ hätte er endlos weiterführen können, wäre nicht eines Tages eine junge Drogenabhängige in dem Häuschen aufgetaucht, die aus einem Heim ausgebüxt ist. Anna wird nun zum Mittelpunkt seines bis dato ziellosen Lebens. Er hat nun eine Aufgabe, nämlich für sie zu sorgen. Und sie ist ihm dankbar, denn es gibt da noch eine Gefahr aus ihrer Vergangenheit. Ebendiese holt sie schließlich ein und damit auch Ante Roos. Die beiden fliehen auf einer abenteuerlichen Reise durch Europa, während die Polizei nach ihnen fahndet. Im ersten Drittel des Buches spielen die Polizei und Gunnar Barbarotti überhaupt keine Rolle. Seltsamerweise tut dies der Lektüre keinen Abbruch; der Langweiler ist gar nicht so langweilig, nur eben anders als die meisten anderen Menschen. Auch Anna ist nicht die typische Drogenabhängige, sondern ein extrem sensibles Geschöpf, dem das Leben übel mitgespielt hat. Mit diesen beiden Charakteren warnt Nesser davor, sich ein Bild von jemandem zu machen, schwarz und weiß zu malen – es gibt viele Farbtöne dazwischen.

Gunnar Barbarotti geht es gut. Zusammen mit seiner Lebensgefährtin hat er gerade ein großes Haus gekauft, das nach und nach renoviert wird. Deswegen spielt er wohl auch nicht mehr so viele Spielchen mit Gott, dem er für eingetretene Wünsche immer Punkte vergab. Während der Fahndung nach Roos ist Barbarotti einer der wenigen, der sich davor hütet ein vorschnelles Urteil über Roos zu fällen. Auch dies ein deutliches Zeichen, sich moralisch anderen gegenüber vorschnell erhaben zu fühlen.
Alles in allem ist „Das zweite Leben des Herrn Roos“ eher ein Gesellschaftsroman denn ein Kriminalroman. Für alle, die Action und Spannung brauchen eher ungeeignet. Für diejenigen, die es bedächtig und, wie immer bei Nesser, poetisch mögen, ein weiteres Kleinod in der Håkan Nesser-Sammlung.

Vielen Dank an Katja Perret
© September 2009 Literaturportal schwedenkrimi.de - Krimikultur Skandinavien

"Eine ganz andere Geschichte" von Håkan Nesser

Nichts ist wie es scheint

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Håkan Nessers zweiter Fall für Inspektor Gunnar Barbarotti lässt einem leicht über den Verlust des alten Kommissars Van Veeteren hinwegkommen. Mit Barbarotti hat Nesser einen Geniestreich geliefert, denn er kommt klug und auf sympathisch subtile Weise amüsant daher. So muten zum Beispiel seine kleinen Zwiegespräche mit Gott, dem er Punkte für erhörte Gebete verteilt, wie das britische „tongue-in-cheek“ an, Bemerkungen mit feinen ironischen Brechungen. Und so ist Barbarottis Blick auf sein gesamtes Leben, eben nicht so melancholisch-trübselig und moralisierend wie der eines Van Veeteren oder Kurt Wallander.

Diesen Blick braucht Barbarotti auch für seinen neuen Fall, der damit beginnt, dass er mit seiner Geliebten Marianne ein paar Ferientage verbringen möchte. Jedoch bringt ein an ihn persönlich adressierter Brief alle Pläne durcheinander: Jemand droht offen mit einem Mord und fordert Barbarotti und damit die Polizei zu einem Duell heraus. Die Frage ist nämlich, ob sie den Mörder aufhalten können. Wenige Tage später wird tatsächlich eine Leiche gefunden. Und es werden noch weitere Briefe an Barbarotti geschrieben- und weitere Leichen aufgefunden.

  Håkan Nesser bei schwedenkrimi.de
Autorenbiografie
Autoreninterview 2004
Autoreninterview 2002
Artikel Lesung
Artikel Messe 2009
Buchvorstellungen
Rezensionen
Leseprobe
Hörspiele
AUTOREN-Special
Als Leser bekommt man in einem parallelen Handlungsstrang Aufzeichnungen des Täters mitgeliefert, die seine Taten erklären sollen. Man erfährt, wie sich die Opfer und der Täter während eines Frankreichurlaubs kennen lernten und welch tragisches Ereignis sie von da an für immer verbinden sollte. So sind wir auch Barbarotti stets ein Stück voraus, der allerdings etwa nach dem ersten Drittel des Romans die Aufzeichnungen des Mörders zugeschickt bekommt. Doch sie helfen Barbarotti und seinen Kollegen nicht weiter, im Gegenteil. Barbarotti wird sogar einige Zeit vom Dienst freigestellt, da er sich gegenüber den ihm nachstellenden Reportern nicht im Griff hatte. Gleichzeitig gerät seine Beziehung zu Marianne in eine Krise, da diese an seiner Integrität zu zweifeln beginnt.

Als Barbarotti mit Kollegen schließlich nach Frankreich reist, um mehr Licht ins Dunkel zu bringen, geraten sie in eine Sackgasse. Nichts ist wie es scheint. Nicht die Ermittlungen bringen schließlich die Lösung, sondern eine einzelne Person, Barbarottis Vorgesetzter, der durch logisches Nachdenken den Fall an einem einzigen Tag löst. Die Lösung ist gleichzeitig absurd und dennoch absolut logisch, für den Leser aber zu keiner Zeit auffällig. Dies macht den besonderen Reiz dieses Romans aus.
Zu dieser Schlussfolgerung kommt auch eine Kollegin Barbarottis, die an einer Stelle am Ende meint: „Vertraue nie einem Autor. Ich denke, das ist mit aller wünschenswerten Deutlichkeit klar geworden.“

Vielen Dank an Katja Perret
© September 2008 Literaturportal schwedenkrimi.de - Krimikultur Skandinavien

"Eine ganz andere Geschichte" von Håkan Nesser

Der Leser als Detektiv
Håkan Nessers raffiniertes Katz-und-Maus-Spiel


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In diesem Jahr jährt sich die Erstveröffentlichung von „Kim Novak badete nie im See von Genezareth“ zum 10. Mal. In einem mit dem Literaturportal schwedenkrimi.de 2002 geführten Interview kündigte dessen Autor Håkan Nesser damals an, zum Jubiläum des Erscheinens das Rätsel um den Mörder an Berra Albertsson aufzuklären. Ob es dazu kommt, wissen wir nicht, aber mit seinem neusten Roman, „Ein ganz andere Geschichte“, gibt Håkan Nesser seinen Lesern zumindest ein neues Rätsel auf und fordert sie als lesende Detektive erneut heraus – ein Geniestreich!

Jemand bringt fünf Menschen um. Seine Taten kündigt er vorher in Briefen an Inspektor Gunnar Barbarotti an. Dieser versteht nicht, warum ausgerechnet er Post von einem scheinbar wahnsinnigen Mörder bekommt, und seine Kollegen, verstärkt um weitere Kommissare, Polizisten und Psychologen aus Göteborg und von der Rikskrim, ebenfalls nicht. Kurz: Die Polizei tappt im Dunkeln … Das klingt wie ein konventioneller Polizeikrimi – ist es aber nicht! Denn der kreative Kopf hinter der Geschichte heißt Håkan Nesser, und der überzeugt seine Fans in „Eine ganz andere Geschichte“, dem zweiten Roman um den Gotteszweifler Gunnar Barbarotti, einmal mehr mit einem, wie sich im Nachhinein herausstellt, raffinierten Katz-und-Maus-Spiel, in dem nicht nur der Mörder die Polizei herausfordert, sondern auch der Autor den Detektiv im Leser.

Der große Strippenzieher im Hintergrund

Zunächst aber beginnt das Team um Barbarotti mit konventioneller, typischer Polizeiarbeit, die akribisch beschrieben wird. So versinkt der Leser mit Barbarotti in Arbeit und verheddert sich in den Details, ohne der Lösung des Rätsels jedoch auch nur einen Millimeter näher zu kommen. Schon früh beschleicht Barbarotti und seine Kollegin Eva Backmann dabei das Gefühl, nur Marionetten in einem Spiel zu sein, dessen Regeln und Verlauf sie weder kennen noch verstehen. Sie agieren reflexartig, so, wie es von ihnen als Polizisten, die Briefe erhalten, in denen ein Mord angekündigt wird, erwartet wird – so, wie es der Strippenzieher, ihr Strippenzieher, der Mörder, will. Sie tanzen nach seiner Pfeife und können deshalb die angekündigten Morde nicht verhindern.1

Traue niemals einem Schriftsteller

Der Leser ist stets dicht dran an Barbarotti und den Ermittlungsarbeiten, denn der Autor will das so. Anders als in „Mensch ohne Hund“ ist der Inspektor in „Eine ganz andere Geschichte“ von Anfang an präsent und der Leser, dank des Autors Federführung, ihm immer ganz dicht auf den Fersen, sodass er selbst bald den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sieht – ganz wie die Polizei. Dass das von Beginn an beabsichtigt ist und Nesser seine Leser ebenso an der Nase herumführt wie der Mörder die Polizei wird dann gegen Ende des Romans deutlich. Da erhält Barbarotti nämlich vom Mörder die sogenannten Mousterlin-Aufzeichnungen, die der Leser bereits in zwischengeschobenen Passagen lesen konnte, doch hat ihm das, ganz gefangen genommen von der mysteriösen Geschichte und der minutiösen Polizeiarbeit, keinen Wissensvorsprung eingebracht. Im Gegenteil. Am Ende wird er vom Autor genauso vorgeführt wie die Polizei vom Mörder. Entlarvt wird dieser letztlich von Barbarottis Chef Asunander, der sich einen Tag aus dem Büro zurückzieht und die Mousterlin-Aufzeichnungen noch mal ganz genau liest. Am folgenden Tag präsentiert er seinem überraschten Team –und dem nicht minder überraschten Leser – den Mörder – jedoch ohne genau zu verraten, wie er ihm auf die Schliche gekommen ist. Nur so viel: Mittels Reduzierung und eines gewissen Details – das nicht preisgegeben wird – sei er der Identität des Mörders auf die Spur gekommen. Er fordert seine Mitarbeiter – und damit gleichzeitig der Autor die Leser – auf, die Mousterlin-Aufzeichnungen noch einmal ganz genau zu studieren … Durch Barbarotti teilt der Autor dem Leser ferner mit, dass der Text (gemeint sind die Mousterlin-Aufzeichnungen) voll von eigentümlichen Schlüsselhinweisen sei, wenn man nun weiß, wer ihn geschrieben hat und der Mörder ist. Liest man die Aufzeichnungen mit diesem Wissen noch einmal entsteht plötzlich eine ganz andere Geschichte … (vgl. Håkan Nesser, Eine ganz andere Geschichte, btb Verlag München, 2008: S.584)

Fazit: „Vertraue nie einem Autor!“ (Håkan Nesser, Eine ganz andere Geschichte, btb Verlag München, 2008: S.597) – Schon gar nicht, wenn er Håkan Nesser heißt und bereits vor zehn Jahren mit „Kim Novak badete nie im See von Genezareth“ bewiesen hat, dass er seinen Lesern nicht bloß ein paar spannende und unterhaltsame Stunden schenken will, sondern stets auch den Detektiv in ihnen herausfordert. Dieses Katz-und-Maus-Spiel betreibt Nesser dabei mit großer sprachlicher Eleganz und Nonchalance sowie mit viel Charme, (Selbst-)Ironie auf sich, seine Schriftstellerkollegen und das Genre, dass man ihm nicht böse sein, sondern ihn nur ganz still ob dieser großen Kunst bewundern kann.

Vielen Dank an Alexandra Hagenguth
© August 2008 Literaturportal schwedenkrimi.de - Krimikultur Skandinavien


Legende
1 Randbemerkung: Parallel beschäftigt sich Barbarotti mit einem weiteren „Strippenzieher“ – Gott –, und Nesser mit der altbekannten Frage nach dem Sinn, dem Muster hinter allem. Erkenntnisstand nach dieser Lektüre: Gott existiert – und er lenkt. Der Mensch hat sich demütig in das Geschehen einzufügen, er ist nicht der Spielleiter und Regisseur; seine Verantwortung und Verpflichtung liegt vielmehr darin, in jedem Augenblick des Lebens so anwesend wie möglich zu sein. (vgl. Håkan Nesser, Eine ganz andere Geschichte, btb Verlag München, 2008: S.599)

"Mensch ohne Hund" von Håkan Nesser

Puzzlekrimi und klaustrophobisches Kammerspiel
Traditionelles Muster als Folie für typisch Nesser’sche Seelenanalyse


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In „Mensch ohne“ Hund bedient sich Håkan Nesser Elemente des traditionellen Puzzlekrimis und macht daraus ein klaustrophobisch anmutendes Kammerspiel, in dem eine Familie und ihr Zerfall im Mittelpunkt stehen.

Seit Ende der 90er-Jahre der erste Kriminalroman von Håkan Nesser in deutscher Übersetzung erschien, stürmt der schwedische Autor regelmäßig die Bestsellerlisten in Deutschland, Österreich und der Schweiz, und selbstverständlich nicht nur dort.

Seinen fulminanten Erfolg hat der ehemalige Englisch-Lehrer vor allem seinen existentiell-philosophischen Van Veeteren-Romanen zu verdanken sowie seinem souveränen und innovativen Umgang mit dem Genre, das zu so herausragenden Romanen wie „Kim Novak“, „Piccadilly Circus“ und „Die Schatten und der Regen“ geführt hat. Dabei changieren Nessers Erzählungen zwischen lakonischer Melancholie und intellektuell kühler Analyse der Seelenlandschaften seiner Charaktere. Die Romane umgibt stets die Aura des Pessimismus, ohne jedoch – paradox genug – hoffnungslos zu wirken, denn der Plot ist stets auf hohem Niveau und raffiniert konzipiert. Gilt Arne Dahl, der andere, zweite große schwedische Kriminalschriftsteller seitdem sich Mankell auf Afrika als Schauplatz seiner Bücher konzentriert hat, als der Intellektuellste unter den skandinavischen Autoren, so gebührt Håkan Nesser zweifellos das Attribut Künstler, insbesondere seit „Die Schatten und der Regen“ (2004).

Die Rückkehr des Kommissars

Hatte er hier den ermittelnden Kommissar jedoch nahezu dekonstruiert, zu einer Randfigur degradiert, die die losen Fäden ohne Hilfe von Außen nicht zusammenzubringen und das Rätsel nicht zu lösen vermag, betritt mit „Mensch ohne Hund“ wieder ein Kommissar die Szene, der zur festen Konstante in insgesamt vier Romanen werden soll. Nach der Lektüre von „Mensch ohne Hund“ drängt sich also unweigerlich der Gedanke des Vergleichs auf: mit Van Veeteren, aber auch mit „Die Schatten und der Regen“, das ein so großes Innovationspotential und einen kunstvollen Plot aufweist, dass die Erwartung hoch sind.

Zunächst einmal fällt auf, dass sich Håkan Nesser in dieser Reihe von seinem fiktiven Nesseland weitestgehend verabschiedet hat. Ort der Handlung ist Kymlinge in Schweden. Statt eines bärbeißigen, rauen Van Veeteren präsentiert Nesser uns mit Gunnar Barbarotti außerdem einen zwar geschiedenen, aber durchaus mit sich und der Welt im Reinen befindlichen Kommissar, der auch die schönen Seiten des Lebens durchaus zu genießen weiß. Diesem Kommissar steht bei seinen Ermittlungen kein großes Team zur Verfügung. Stattdessen ist das Polizeikollektiv auf seine Kollegin Eva Backmann reduziert. Hohen Wiedererkennungswert hat dagegen die klaustrophobische geistige wie räumliche Enge, in die Håkan Nesser seine Charakter, die Familie Hermansson bestehend aus Vater Karl-Erik, Mutter Rosemarie, Sohn Wichs-Walter (das schwarze Schaf der Familie), Vorzeigetochter Ebba mit Mann und zwei Söhnen sowie Nesthäkchen Kristina mit Mann und Baby, schreibt.

Eine Familie im Zerfall

Kurz vor Weihnachten trifft sich die im Zerfall befindliche Familie zum 105. Geburtstag – Karl-Erik wird 65 und Tochter Ebba 40 – im Elternhaus, um den Jahrestag gebührend zu feiern. Doch die Teilnahme des missratenen Sohnes Walter an der TV-Serie Fucking Island und sein ungebührliches Verhalten vor der gierigen Medienöffentlichkeit (daher sein „Spitzname“) lasten schwer über der Familienfeier, auf der alle tunlichst bemüht sind, so normal wie möglich zu sein, ohne das peinliche Thema anzusprechen. Dabei sitzen Karl-Erik und Rosemarie auf gepackten Koffern. Frisch pensioniert und zutiefst durch Walter gedemütigt, sieht Karl-Erik nur noch einen Ausweg: den Lebensabend an Spaniens Rentnerküste zu verbringen. Man ahnt, dass unter der Oberfläche noch mehr verdrängte Konflikte schlummern, die die Familie schon lange Zeit zuvor viel nachhaltiger zerstört haben, als es Wichs-Walter jemals vermocht hätte. Doch in der Nacht vor dem großen Ereignis verschwindet Walter, in der darauf folgenden Henrik, Ebbas ältester Sohn, spurlos. Auch das wird zunächst erfolgreich verdrängt, erst viel später die Polizei, die dann in Gestalt Gunnar Barbarottis auf den Plan tritt, alarmiert. Der ermittelt gewissenhaft und doch fehlt ihm lange Zeit das entscheidende Puzzlestück, um die wahren Zusammenhänge zu erkennen und die Mörder zu überführen.

Tradition und Moderne

Sowohl in Walters als auch in Henriks Fall hat Kommissar Zufall durchaus seine Finger im Spiel, sonst wäre das Verschwinden der beiden nicht zu lösen, denn Håkan Nesser hat auf die klassischen Elemente eines Puzzlekrimis zurückgegriffen – das Verschwinden der beiden Familienmitglieder wird Gunnar Barbarottis Rätsel -, aber ohne seinen Kommissar mit den Fähigkeiten etwa eines Hercule Poirot auszustatten. Nicht dass Gunnar Barbarotti nicht auch ein Mann von guter Beobachtungsgabe und hohem Kombinationsvermögen wäre, aber die Zeiten eines zwar brillanten, aber exzentrischen Detektivs à la Poirot und Holmes sind dann eben doch vorbei. Das Szenario, eine verschneite Winternacht, erinnert ebenfalls an das Rätsel um den „geschlossenen Raum“ in traditionellen Krimis etwa einer Agatha Christie.

Derart konstruiert, lässt die Auflösung durch Kommissar Barbarotti etwas auf sich warten und den Roman schwächer erscheinen als „Die Schatten und der Regen“. Nesser spielt zwar souverän mit den Charakteristika eines Puzzlekrimis und transferiert die Enge und Rätselhaftigkeit eines geschlossenen Raumes geschickt in ein kammerspielartiges Familiendrama mit allen bekannten, für Nesser typischen Methoden, seinen Figuren in ihre tiefsten Abgründe zu folgen, und einen modernen Roman, aber eine literarische und schriftstellerische Weiterentwicklung wie „Die Schatten und der Regen“ ist „Mensch ohne Hund“, nicht. Doch auch wenn „Mensch ohne Hund“ nicht der ganz große Wurf ist, die Geschichte ist intelligent und spannend erzählt und alle Kritik Kritik auf hohem Niveau, an das viele andere Autoren nicht heranreichen.

Vielen Dank an Alexandra Hagenguth
© August 2007 Literaturportal schwedenkrimi.de - Krimikultur Skandinavien

"In Liebe, Agnes" von Håkan Nesser

Das ist der perfekte Plot - "In Liebe, Agnes" ist die perfekte Einstiegsdroge ins Nesserland mit dem perfekten Plot und raffinierten Überraschungsmomenten.

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Zwei Freundinnen - Agnes und Henny - begegnen sich nach vielen Jahren auf der Beerdigung von Agnes' Mann wieder und nehmen Briefkontakt zueinander auf. Schon bald rückt Henny mit der Sprache und ihrem wahren Anliegen raus: Sie möchte, dass Agnes ihren Mann umbringt, weil dieser sie mit einer anderen Frau betrügt. Agnes stimmt ein, doch beide spielen ein falsches Spiel. Die Frage ist nur, wer am Ende als Überlebende aus der Intrige hervorgeht …

Raffiniert, zielstrebig und mit sicherem Gespür für eine perfide Mordsgeschichte steuert Håkan Nesser auf den Show-down zu. Trotz des kleinen Formats ist "In Liebe, Agnes" eine wahrlich fesselnde Story, ein echter Pageturner.

Vielen Dank an Alexandra Hagenguth
© Oktober 2006 Literaturportal schwedenkrimi.de - Krimikultur Skandinavien

"Die Fliege und die Ewigkeit" von Håkan Nesser

Die Moral wiegt schwer - Die Bildung leider auch
In "Die Fliege und die Ewigkeit" diskutiert Håkan Nesser die metaphysischen Fragen der menschlichen Existenz und verhebt sich an so viel Bildungshintergrund.

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Natürlich, die professionellen Literaturkritiker landauf, landab sind sich einig: Håkan Nesser hat einen "großartigen literarischen Thriller" (Münchner Bücherschau), einen "subtilen, anspruchsvollen Krimi" (Hamburger Morgenpost) geschrieben, "göttlich spannend" (Titel-Magazin).Doch ich fürchte, so ganz mag der "gemeine" Leser dem Urteil der Profis nicht folgen. Anspruchsvoll ist "Die Fliege und die Ewigkeit" sicher, aber "göttlich spannend"? Ich weiß nicht. Zu schwer wiegen in meinen Augen Dantes Göttliche Komödie, Dostojewskis "Schuld und Sühne" und die großen abendländischen Philosophen, die der Roman als Bildungshintergrund (und -ballast?) mit sich führt. Dass der, der den Mord letztlich verübt, gar nicht wirklich Mörder zu nennen ist, der wahre Mörder aber ungestraft davon kommt, überrascht in Håkan Nessers Konstruktion in diesem Zusammenhang auch nicht wirklich, und dass die Antwort auf die existentiellen Fragen des Lebens (und Sterbens) nicht in der Metaphysik, nicht in der Philosophie begründet liegen, sondern in so Profanem wie dem Glücksspiel ist zwar ein nettes Spiel mit seiner selbst, aber Spannung vermag das nicht zu erzeugen.


Buchtipp
Camilla Läckberg - Die Schneelöwin

Die Frage nach "dem Muster im Leben", dem göttlichen Regieplan, nach Zufall, Schicksal und freiem Willen diskutiert Nesser ja auch in seinen anderen Romanen, ohne zu schwer - im doppelten Sinn des Wortes - daherzukommen. Hier jedoch ist für meinen Geschmack das Nesser'sche Gleichgewicht zwischen Anspruch und guter Krimiunterhaltung verloren gegangen. Dass beides nicht zulasten intelligenter, innovativer Kriminalschriftstellerei gehen muss, hat Nesser selbst etliche Male bewiesen, zuletzt mit "Der Regen und die Schatten" und auch mit "In Liebe, Agnes".

Letzteres ist erst kürzlich im btb Verlag auf Deutsch erschienen. Tatsächlich stammt der "kriminalistische Briefroman" jedoch aus dem Jahr 2002. Auch hier spielt Håkan Nesser mit dem Genre, verquickt es mit einem anderen (hier dem Briefroman) und heraus kommt eine spannende und hintergründige Krimigeschichte, die mit den Erwartungen der Leser sowie den Konventionen, Regeln, Schablonen, Mustern und Klischees des Krimis gekonnt spielt. Dann wird Bildung auch nicht zu Ballast, sondern bereichert. "Die Fliege und die Ewigkeit" lässt diese Nesser'sche Nonchalance im Umgang mit Bildung leider vermissen.

Vielen Dank an Alexandra Hagenguth
© Oktober 2006 Literaturportal schwedenkrimi.de - Krimikultur Skandinavien

"Sein letzter Fall" von Håkan Nesser

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"Fabeln und Geschichten, mit ihnen bekommen wir ein Verständnis von dieser Welt", so erklärt Van Veeteren am Ende seines letzten Falls seine Lebensphilosophie. "Das Leben ist eine Erzählung", heißt es an einer anderen Stelle. Wie schade, dass Van Veeteren nun zu Ende erzählt hat. Sein letzter Fall ist für mich der Höhepunkt in Hakan Nessers Erzählkunst. Dieser Roman beeindruckt nicht nur durch die gewohnt poetische Sprache und einzigartige Charakterdarstellung, sondern insbesondere durch die nicht vorhersehbare Wendung des Geschehens. In manchen Kriminalromanen ahnt man bereits frühzeitig, wer als Täter in Frage kommt. Doch in diesem Fall ist man als Leser ebenso geblendet wie Van Veeteren und die anderen Ermittler.

Van Veeterens letzter Fall ist eigentlich gar nicht sein eigener, ist er doch schon ein paar Jahre lang als antiquarischer Buchhändler tätig. Nun aber gibt es Neuigkeiten in einem Fall, der ihn auch nach 15 Jahren noch immer nicht losgelassen hat. In einer Rückblende, die ungefähr das erste Drittel des Romans ausmacht, werden die Geschehnisse des Falls G. wiedergegeben. Dieser G., den VV seit seiner Jugend kennt und verachtet, soll zwei Frauen auf dem Gewissen haben. Doch Van Veeteren gelingt es nicht, ihm eine Schuld nachzuweisen.

15 Jahre später wird ein Privatdetektiv, der damals auch mit G. befasst war, vermisst. Kurz darauf wird seine Leiche gefunden. Eine Abordnung aus Maardam macht sich auf in das kleine Örtchen Kaalbringen, um mit der dortigen Polizei den Fall erneut aufzurollen. Tatsächlich hat sich G. unter Vortäuschung einer neuen Identität dort niedergelassen. Auch Van Veeteren, getrieben von diesem Fall, greift in die Ermittlungen ein. Was dann geschieht, stellt alle Erwartungen auf den Kopf. Beim Lesen der letzten zwanzig Seiten kommt man nicht umhin vor Anspannung den Atem anzuhalten. Ganz zum Schluss ist es dann auch nicht verwunderlich, wenn der ein oder andere eine Träne verdrückt und sich wünscht, es wäre nicht Van Veeterens letzter Fall gewesen.

Vielen Dank an Katja Perret
© Juli 2005 Literaturportal schwedenkrimi.de - Krimikultur Skandinavien

"Der Tote vom Strand" von Håkan Nesser

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In guten Kriminalromanen geht es heutzutage nicht mehr nur um einen Mord - nein, da gibt es inzwischen schon ganz andere Ansprüche. Richtigen Lesegenuss verspricht ein Krimi nur dann, wenn er auch psychologische Tiefe aufweist, wenn die vorkommenden Figuren (Täter und Ermittler) mit all ihren Widersprüchen und Facetten abgebildet werden.
Weil dies den schwedischen Krimiautoren so gut gelingt, sind sie seit Jahren so erfolgreich. Denn sie sind Meister, wenn es darum geht, sympathische Hauptfiguren zu schaffen, die manchmal am Leben verzweifeln, während die Täter oft vom Leben gebeutelte und gezeichnete Menschen sind

Håkan Nesser wird in der Figurenzeichnung von Buch zu Buch besser: Waren Kommissar Van Veteren und sein Team am Anfang eher noch blasse Figuren, so sind daraus inzwischen richtige Persönlichkeiten erwachsen, deren Fortentwicklung der Leser neugierig weiterverfolgen will. Dass Nesser seinen Kommissar Van Veteren inzwischen in Pension geschickt hat und dieser nur noch als graue Eminenz hinter seinen jüngeren Kollegen steht, stört nicht. Im Gegenteil: Die Fälle lösen jetzt Münster, Reinhart und Ewa Moreno - und man hat auch an ihnen seine Freude.
In "Der Tote vom Strand" ist das nicht anders. Die sympathische Ewa Moreno ist hier auf Tätersuche - und das, obwohl sie eigentlich Urlaub hat. Doch bereits auf der Zugfahrt zu ihrem Urlaubsdomizil wird sie in einen Fall hineingezogen bzw. eigentlich lässt sie sich hineinziehen. Die gerade 18-jährige Mikaela Lijphart erzählt ihr im Zug, dass sie auf dem Weg zu ihrem psychisch kranken Vater sei, von dessen Existenz sie erst vor ein paar Tage erfahren hat. Der Vater hat angeblich vor 16 Jahren nach einer Affäre mit einer seiner Schülerinnen diese umgebracht, und weil er das nicht verkraftet hat, ist er in eine Heilanstalt eingewiesen worden.
Doch kurz nach dem Besuch bei ihrem Vater verschwindet das Mädchen spurlos und da der örtliche Polizeichef Vrommel sich der Sache nur lustlos annimmt, kann Ewa Moreno trotz Urlaub nicht die Finger von weiteren Nachforschungen lassen und ermittelt halboffiziell auf eigene Faust. Als dann ein paar Tage später zunächst Mikaelas Vater aus dem Heim verschwindet und zudem am Strand auch noch ein nur notdürftig verbuddelter Toter entdeckt wird, weitet sich der Fall aus. Ewa Morenos Instinkt sagt ihr, dass das Verschwinden von Mikaela und ihrem Vater sowie der Tod des Mannes mit dem Mord vor 16 Jahren zusammenhängen. Ohne Erlaubnis von Polizeichef Vrommel versucht Ewa Moreno den Geschehnissen auf die Spur zu kommen...
"Der Tote vom Strand" ist sicher nicht Håkan Nessers bester Kriminalroman, dafür ist die Handlung manchmal zu fahrig und der Plot kommt etwas langsam in Gang, auch wenn die Geschichte kunstvoll zwischen Vergangenheit und Gegenwart angelegt ist. Auf seine Kosten kommt jedoch, wer in Krimis nicht nur Blut und Mord, sondern auch Menschliches und Psychologisches sucht. Denn die Nebenhandlung - Ewa Morenos Versuche, mit ihrem neuen Freund Mikael Bau den Urlaub am Meer zu verbringen - machen die Besonderheit dieses Buches aus. Dass Ewa Moreno es nicht schafft, sich von einem Fall loszusagen, mit dem sie eigentlich gar nichts zu tun hat, und einfach ihren Urlaub zu genießen, wirft viele Fragen auf. Liegt es daran, dass Mikael Bau doch nicht die große Liebe ist? Oder sind das Deformationen, die der Kriminalberuf automatisch irgendwann mit sich bringt? Solche Fragen stehen neben den Ermittlungen in Zentrum - und sie werten das Buch auf, sofern man an solchen Dingen interessiert ist.
Wer also reine Spannung mit Verbrecherjagd und pausenlosen Ermittlungen sucht, der ist mit "Der Tote vom Strand" nicht so richtig gut beraten - wer dagegen psychologische Ver- und Entwicklungen liebt, der wird auch diesen Nesser-Krimi mögen.
Für Nesser-Fans ist der Krimi sowieso ein Muss, denn wenn ein Mitglied der Kommissar-Familie (wie hier Ewa Moreno) so facettenreich beschrieben wird, kommt man nicht an diesem Buch vorbei. Sonst würde einem ja ein Bausteinchen im Nesser-Universum fehlen...

Vielen Dank an Ulf Cronenberg/ Jugendbuchtipps.de
© Mai 2004 Literaturportal schwedenkrimi.de - Krimikultur Skandinavien

"Die Schwalbe, die Katze, die Rose und der Tod" von Håkan Nesser

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Manche Krimi-Autoren beherrschen eine große Kunst: das Spiel mit dem eigenen Genre.
Meistens breiten sie dann den Fall zügig vor ihren Lesern aus, fast als wollten sie sich einer lästigen Pflicht entledigen, um dann erst richtig loszulegen: mit der versierten Erschaffung einer Welt, in der dieser Fall erledigt werden wird. So ein ‚Künstler’ ist fraglos auch Hakan Nesser.

Es beginnt mit einem sorgfältig vertuschten Mord auf einer griechischen Urlaubsinsel – ein Mann erdrosselt seine Frau, als diese ihm eröffnet, ihn wegen eines anderen verlassen zu wollen. Ein Mord im Affekt ? Nicht nur...
Ein paar Jahre später wird im fiktiven Maardam eine ermordete Frau in ihrer Wohnung entdeckt und Wochen später wird auch ihre zunächst verschwundene Tochter erwürgt aufgefunden – mit abgetrennten Unterschenkeln.
Spätestens zu diesem Zeitpunkt weiß der Leser mehr als das örtliche Kriminalkommissariat, denn Nesser lässt ihn einen tiefen Blick in die verquaste Gedankenwelt eines Mörders werfen, der Frauen mit sektiererisch-fundamentalistischem Eifer verachtet. Und der Leser wird zudem Zeuge des Schicksals eines lebenslustigen Opfers, das seinem Mörder durch einen unglaublichen Zufall ins Netz gerät...

Von all dem ahnt Hauptkommissar Münster und sein Kollegium nichts. Lediglich ihr ehemaliger Chef und derzeitiger Antiquariatsteilhaber Van Veeteren macht sich so seine Gedanken. Wegen einer unmittelbar bevorstehenden Urlaubsreise musste er vor Wochen einen Geistlichen vertrösten, der ihm ganz offensichtlich Schwerwiegendes mitzuteilen versuchte. Und dann nach seiner Wiederkehr musste Van Veeteren vom Unglückstod dieses Geistlichen in der Zeitung lesen.
Als der Name des Pfarrers zudem noch im Adressbuch der in Maardam Ermordeten auftaucht, glaubt Van Veeteren nicht mehr an einen Unfall. Ein paar Steinchen fügen sich in diesen Mordfällen wohl zusammen, doch dann geraten die Ermittlungen ins Stocken. Als dann auch noch Kommissar Reinhardt nach einem Verkehrsunfall in Münsters Team ausfällt, bleibt nur noch eine letzte Möglichkeit: Van Veeteren zu bitten, zur Unterstützung der Ermittlungen ins Kommissariat zurück zu kehren. Knurrig akzeptiert der alte Herr – doch wer dabei auf einen glatten, stromlinienförmigen Zuarbeiter gehofft hatte, wird rasch eines Besseren belehrt: Van Veeteren geht seine eigenen Solisten-Wege – und die sind so intuitiv wie riskant...

Nesser gelingt in seinen Büchern etwas, was nicht viele seiner Kollegen schaffen: während der Lektüre vergisst der Leser zeitweise, dass er grade einen Krimi zu sich nimmt und das liegt am spitzbübischen Witz des Autors. Es ist wirklich ein Vergnügen, diese Frozzeleien innerhalb des Ermittlerteams mitzuerleben: kein Mobbing, kein rüder Umgangston, wie man ihn gelegentlich in US-amerikanischen Cop-Kreisen antreffen muss – es wird schlicht geneckt, was das Zeug hält. Eine Lagebesprechung mit Van Veeteren, Münster und Co. Mitzuerleben – das ist Comedy at it’s best. Kein Wunder, dass bei einem derart lockeren Betriebsklima die Truppe letztendlich erfolgreich ist...
Wär’s aber nur lustig, wär’s auch schnell fad. Nesser kann nämlich auch anders – wenn er den Leser beispielsweise in die bizarre Geisteswelt des Mörders schlüpfen lässt. Und plötzlich verschränkt sich der bis dahin lakonische Stil zu einer Kette schwer verdaulicher Bilderknoten – Leuchtfetzen aus einer zwanghaft puritanischen Geisteshölle, in der sexuelle Befriedigung nur im Auslöschen sinnlicher Weiblichkeit erlangt werden kann.
Klar, das hab ich auch schon woanders gelesen – allerdings selten so adäquat zerfahren und dem Chaos dieser kranken Innenwelt entsprechend.

Nesser wird’s wohl nicht mehr hören wollen, doch da ist er wieder: der Vergleich mit dem großen Kollegen Mankell. Das liegt sicher auch an den vielen charakterlichen Parallelen ihrer jeweiligen Protagonisten Van Veeteren und Wallander: beides knurrige Sonderlinge mit lediglich eingeschränkter Eignung zur Teamarbeit.

Mankell hat ja auch noch seine Afrika-Schiene und er ist – noch - fraglos bekannter als Kollege Nesser, doch wo Mankell ins Düstere eintaucht, bleibt Nesser heiter. Insgesamt ist Mankell ein bischen „literarischer“ als Nesser, doch in einem muss er sich vorsehen: Nesser schreibt eindeutig die besseren Dialoge.

Ein Kriminalroman, der Humor, Ironie und Spannung gekonnt abmischt und als weiteres belebendes Element eine Prise Gänsehaut hinzufügt. Hier kommt jeder auf seine kosten– unbedingt empfehlenswert !

Vielen Dank an Jürgen Gebert
© März 2004 Literaturportal schwedenkrimi.de - Krimikultur Skandinavien

"Piccadilly Circus liegt nicht in Kumla" von Håkan Nesser

Zeitdokument, Liebesgeschichte und Krimi – Der große Wurf des Håkan Nesser


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Es ist der Sommer 1967. Mauritz ist 17 Jahre und sehnt sich nach der großen Welt: London, Paris, San Francisco… Dylan, Joyce, Sergeant Pepper… Es ist der Sommer der Liebe, doch nicht nur der Liebe. Einschneidende und geheimnisvolle Dinge geschehen in der kleinen Stadt in Närke, in der Mitte der Welt. Nach diesem Sommer ist Mauritz nicht mehr der, der er zuvor war.

So beschrieb der schwedische Verlag im Klappentext den Roman, als er im Sommer 2002 in Schweden erschien. Dann schlägt man die erste Seite auf, und legt das Buch nicht wieder weg, ehe man es zu Ende gelesen hat.
Genau wie der legendäre Vorläufer „Kim Novak…” ist auch „Und Piccadilly Circus liegt nicht in Kumla” ein Zeitdokument, eine Liebesgeschichte und nicht zuletzt ein Kriminalroman.
Die Geschichte nimmt einen sofort gefangen, denn sie beginnt mit etwas recht Schauerlichem: Ganz hinten in einer Schreibtischschublade verwahrt der Ich-Erzähler seit Jahren einen Daumen. Damit beginnt die große Retrospektive.

Nesser fängt auch hier wieder die Atmosphäre der späten 60er-Jahre stilsicher ein. Ein wenig Nostalgie, gute Unterhaltung, eine Prise Humor und ein Mord machen das Erfolgsrezept von „Und Piccadilly Circus liegt nicht in Kumla“ aus. Die Personen sind lebendig und in ihren Motiven und Handlungen glaubwürdig.
Die Lösung des Mordes lässt 35 Jahre auf sich warten und verweist letztlich Mauritz auf sich selbst. Eine gute, eine spannende Geschichte!

Vielen Dank an Alexandra Hagenguth
© Januar 2004 Literaturportal schwedenkrimi.de - Krimikultur Skandinavien

"Barins Dreieck" von Håkan Nesser

Suggestiv und beunruhigend – Drei Mal Håkan Nesser wie ihn keiner kennt


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Drei Männer, drei Morde, drei tödliche Verbindungen...
In "Barins Dreieck" erzählt Nesser von drei Männern, die plötzlich und unerwartet mit drei Morden konfrontiert werden: ein verwitweter Übersetzer, ein verunsicherter Psychotherapeut und ein Lehrer kurz vor dem Nervenzusammenbruch. Was verbindet die drei? Bilden sie sich die Morde etwa nur ein? Drei Männer, drei Morde, drei tödliche Verbindungen...
„Barins Dreieck“ zeigt eine ganz andere Seite Håkan Nessers, und die drei Geschichten in „Barins Dreieck“ haben nicht viel mit den vertrauten Van Veeteren Krimis zu tun.
„Barins Dreieck“ ist das Spiel mit doppelten Böden, mit unseren versteckten Ängsten, mit unserem Unterbewusstsein, unserer inneren Landschaft. Alle drei Erzählungen entfalten große suggestive Kraft, lassen an Wirklichkeit und Verstand zweifeln und beunruhigen aufs Äußerste, weil sie dem Leser den vertrauten Boden unter den Füßen wegziehen. Die Wirklichkeit wird dekonstruiert, und am Ende ist nichts mehr wie es einmal war. Gänsehaut und Schauer à la Edgar Allan Poe sind garantiert!

Vielen Dank an Alexandra Hagenguth
© Dezember 2003 Literaturportal schwedenkrimi.de - Krimikultur Skandinavien

"Kim Novak badete nie im See von Genezareth" von Håkan Nesser

Poesie, Nostalgie und Kriminologie


"Kim Novak" oder eine bitter-süße Geschichte vom Erwachsenwerden

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Ein ungesühntes Verbrechen aus der Vergangenheit, ein Mord aus Liebe und ein Täter ohne Gewissensbisse. Schweden in den 60er Jahren. Ein kleines Sommerhaus an einem der unzähligen Seen. Hier verbringen der 14-jährige Erik und sein Freund Edmund die Ferien. Sie schwärmen von der jungen Aushilfslehrerin Ewa, die aussieht wie Kim Novak und sich schon bald beim Dorffest in voller Blüte zeigt. Zwei Tage später findet man die Leiche von Ewas Verlobtem, und Eriks älterer Bruder, der eine Affäre mit Ewa hatte, gerät unter Mordverdacht. Der Täter wird jedoch nie gefunden. 25 Jahre vergehen, bis der erwachsene Erik zufällig einen Bericht über ungeklärte Verbrechen liest und der Sommer von damals mit aller Gewalt über ihn hereinbricht.

"Kim Novak badete nie im See von Genezareth" erschien in Schweden bereits 1998 und hat dort längst Kult-Status erreicht. Das liegt vor allem an zwei Dingen: Zum einen ist der Roman nicht in aller erster Linie ein klassischer Krimi mit einem ermittelndem Kommissar, sondern ein fabelhaft geschilderter Entwicklungsroman, der vor 60er - schwedischer - Jahre nur so pulsiert und vibriert. Zum anderen beantwortet der Roman längst nicht jede Frage, was zu lebhaften Diskussionen in Schweden geführt hat. Um niemanden die Spannung zu nehmen und nicht zu viel zu verraten, soll hier explizit nicht weiter darauf eingegangen werden.

Erzählt wird retrospektiv aus der Sicht des heute erwachsenen Erik, der diesen Sommer, der alles veränderte, noch einmal Revue passieren lässt. Erik ist 14 und verbringt den Sommer zusammen mit seinem Freund Edmund und seinem älteren Bruder Henry im Ferienhaus seiner Eltern. Eriks und Henrys Mutter hat Krebs und liegt im Sterben; der Vater will daher nicht mit ins Sommerhaus und so haben die drei einen herrlichen, letzten Sommer der Kindheit vor sich. Das Paradies zerbricht jäh, als eine Leiche gefunden wird und die drei zum Erwachsenwerden zwingt.

Der Mord dient nicht zuletzt als äußerlicher Katalysator für die innere Entwicklung der drei Jungs, die sich wie alle pubertierenden Jugendlichen zu allen Zeiten vor allem mit sich selbst auseinandersetzen müssen. Dabei spielt natürlich die Sexualität eine wichtige Rolle. Ewa alias die Kim Nowak von Närke ist die sexy und unwiderstehliche Verführung in Person und setzt entscheidende Prozesse in Gang. Zudem ist Sommer, wo alles an Bedeutung gewinnt, weil es unbarmherzig klar und überdeutlich in der heißen Sonne zum Vorschein kommt; der Erde und schließlich auch das menschliche Gemüt lädt sich auf, steigert sich. Es ist nicht zuletzt die Erkenntnis, dass wir sexuelle Wesen sind, die von ihren Trieben bestimmt werden, die uns bzw. Erik, Edmund und Henry aus dem Paradies der Kindheit verbannt.

Dabei versteht Håkan Nesser es meisterhaft das Leichte und Unbeschwerte eines schwedischen Sommers in den 60ern, der randvoll mit Nostalgie und Kindheits- und Jugenderinnerungen ist, mit den ganz existentiellen Fragen nach Liebe und Tod und nach den dunklen Geheimnissen, die jeder mit sich durchs Leben trägt, zu verbinden.

"Kim Novak badete nie im See von Genezareth" ist die lebendige Beschreibung eines verschwundenen Schwedens, ist ein Roman, der vom Erwachsenwerden erzählt und zudem noch ein überaus spannendes kriminalistisches Rätsel in sich birgt. Gibt der Roman eine Antwort auf das Schreckliche, auf das Unfassbare? Vielleicht.

Vielen Dank an Alexandra Hagenguth
© 2003 Literaturportal schwedenkrimi.de - Krimikultur Skandinavien

"Der Kommissar und das Schweigen" von Håkan Nesser

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Ort: Sorbinowo; idyllischer Touristenort.
Zeit: Irgendwann im Hochsommer.
Eine unbekannte Frau meldet sich bei der Polizei und teilt mit, in einem Ferienlager sei ein Kind ermordet worden. Der junge, unerfahrene Inspektor Kluuge weiß die Lage nicht einzuschätzen. Er wendet sich an Kommissar Van Veeteren. Dieser hat gerade seinen Urlaub gebucht, denkt darüber nach seinen Beruf gänzlich aufzugeben und als Teilhaber bei einem Antiquariat einzusteigen. Da er Kluuges Vorgesetztem noch etwas schuldig ist, begibt er sich nach Sorbinowo um der mysteriösen Geschichte nachzugehen.
In besagtem Ferienlager stößt Van Veeteren auf eine obskure Sekte, die sich "Das Reine Leben" nennt. Weder der Sektenführer, seine drei Mitarbeiterinnen noch die Mädchen des Ferienlagers können oder vielmehr wollen Van Veeteren weiterhelfen.
Auch als plötzlich ein totes Mädchen in der Nähe des Lagers gefunden wird, hüllen sich alle weiter in Schweigen. Da gleichzeitig der Sektenführer verschwindet, sehen ihn viele sogleich als Täter - außer Van Veeteren. Er stellt weiter Nachforschungen über die Sekte und ihre Mitglieder an. Dann wird eine weitere Mädchenleiche gefunden. Beide Mädchen waren Teilnehmerinnen des Ferienlagers. Die Hinweise auf den Sektenführer als Täter scheinen sich zu verdichten - bis er schließlich auch tot aufgefunden wird. Van Veeteren, wie üblich, unternimmt Nachforschungen auf eigene Faust und kann durch seine Kontakte schließlich mehr oder weniger zufällig (intuitiv?) den Fall lösen. Und das, kurz bevor der Mädchenmörder ein drittes Mal zuschlägt.
Hakan Nesser ist es wieder einmal gelungen einen Kriminalroman zu schreiben, der durchweg spannend, überraschend und erzählerisch gelungen ist. Nicht zuletzt lebt er von der Figur Van Veeteren, der mal witzig (er reist als Handlungsreisender für Blasinstrumente), mal tiefgründig oder einfach nur verzweifelt ist. Wir gönnen ihm die nun wohl anstehende Pension und wünschen ihm gutes Gelingen als Antiquar...

Vielen Dank an Katja Perret
© 2003 Literaturportal schwedenkrimi.de - Krimikultur Skandinavien

"Das falsche Urteil" von Håkan Nesser

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Einer der besten Hauptkommissare ist van Veteren aus den Krimis von Håkan Nesser. Er schafft so etwas wie eine eigene Melodie, die den Grundton im Krimi angibt. Das ganze ist nicht aktionslastig und die Krimis lesen sich wie Meditationen über das Leben, literarisch auf hohem Niveau.
Ein Autor, dem eigene Metaphern einfallen und die Geschichte ist trotzdem im Mittelpunkt, die Überlegungen und Zweifel der Personen lesen sich nicht wie weit hergeholt sondern ergeben sich direkt aus dem Geschehen.
Håkan Nesser ist originell, spannend ohne schocken zu müssen und mit Tiefgang.
Immer wieder ein literarischer Genuss.

Vielen Dank an Wolfgang Kalupke
© 2003 Literaturportal schwedenkrimi.de - Krimikultur Skandinavien

"Der Kommissar und das Schweigen" von Håkan Nesser

Geistesblitz aus dem Telefonbuch


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Skandinavische Kommissare sind offenbar sehr sensibel und neigen unverkennbar zur Melancholie. Nach Mankells Kurt Wallander trägt sich nun auch Nessers Van Veeteren mit dem Gedanken, den Dienst zu quittieren: eine Tätigkeit in einem lauschigen Antiquariat böte ihm da eine reizvolle Alternative.
Zudem ist sein Sommerurlaub nicht mehr fern und in seinem künftigen Hotel auf Kreta wird eine attraktive Zeugin aus einem früheren Fall logieren. Verlockende Aussichten also - doch schon drängelt sich der Arbeitsalltag dazwischen.

Eine Poizeidienststelle in einer Kleinstadt bittet den erfahrenen Hauptkommissar um Amtshilfe: eine anonyme Anruferin hat auf dunkle Umtriebe in einem im Wald gelegenen Fereienlager für junge Mädchen hingewiesen. Immerhin ist dies kein normales Feriencamp, sondern die Ausbildungseinrichtung einer Sekte namens „Reines Leben“. Der Vorwurf, eines der Mädchen sei spurlos verschwunden, wird von der Lagerleitung - ein rasputin-ähnlicher Irrwisch namens Oskar Jellinekl und seine drei Nonnen - knapp und wortkarg zurückgewiesen. Und so steht Van Veeteren mitsamt seiner geballten fachkompetenz etwas unschlüssig vor den Schemen eines Falles, der noch gar keiner ist. Doch bevor seine Gedanken endgültig als genüßliche Vorhut nach Kreta abwandern, führt ein weiterer Anruf die Polizei tatsächlich auf eine Spur - und an deren Ende findet sie die Leiche eines Mädchens aus dem Camp - erwürgt und geschändet. Und dabei handelt es sich wohlgemerkt nicht um die vermeintlich Vermißte. Aus Van Veeterens betulich-sonniger Urlaubsouvertüte ist unversehends ein blutiger Tatort geworden.

Mit dem Auffinden der Leiche ist ziemlich zeitgleich Sektenführer Oskar abgetaucht - damit ist er zwangsläufig im Fadenkreuz der Ermittler, zumal er bereits früher schon wegen einiger Sexualdelikte verurteilt worden war.

Nur Tage später wird der tote Körper des vermißten Mädchens gefunden. Die Ermittlungen konzentrieren sich auf das Ferienlager, doch dort stoßen die Ermittler bei Mädchen wie Betreuerinnen auf eine eherne Mauer des Schweigens. Für die brodelnde Volksseele ist der Fall dagegen längst sonnenklar: Mörder war der flüchtige Rasputin, notorischer Chef einer Satanssekte mit orgiastischen Geheinritualen. Und Van Veeteren ? Bei aller herzlichen Abneigung gegenüber diesem frömmelnden Sektenzirkel hat er doch so seine Zweifel an dieser gradlinigen Schlußfolgerung. Und ein Blick ins Telefonbuch öffnet ihm mit einem Schlag die Augen....

Zugegeben - ich habe schon druckvollere Geschichten gelesen. Lange Zeit hat Van Veeteren - eh ja schon in der Krise - nicht so die rechte Lust zu einem solchen Fall in der Provinz. Erst nach dem Auffinden des ersten ermordeten Mädchens rappelt er sich auf - und dennoch liegt über dem Ganzen die lähmende, zur Muße verleitende Hitze eines heißen Sommers auf dem Land.

Und trotzdem - ich habe mich nicht eine Seite lang gelangweilt. Nesser läßt den Leser hautnah an seinen Figuren mitgehen. Ermittlungsarbeit ist meistens langwierig, oft ermüdend und sehr oft ein Schlag ins Wasser - doch nur für die Helden, keineswegs für den Leser. Wer also die Dialoge flotter Mundwerke schätzt, wer es auch mal etwas weniger blutrünstig mag, der dürfte hier voll auf seine Kosten kommen.
Obwohl - Nesser kann auch anders. Mitunter blitzt auch hier in der gleißend hellen Sommerfrische das Grauen auf - aber nur ganz kurz. Lediglich als einer der Polizisten erzählt, wie er zu seinem Holzbein gekommen ist, wetterleuchtet es etwas heftiger...

Vielen Dank an Jürgen Gebert
© 2001 Literaturportal schwedenkrimi.de - Krimikultur Skandinavien

"Die Frau mit dem Muttermal" von Håkan Nesser

Leseerfahrung des Buches


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Nach meiner ersten Leseerfahrung eines Buches von Håkan Nesser [ "Das falsche Urteil" ] konnte ich nicht mehr umhin und mußte gleich ein weiteres Buch von ihm lesen.
Ich überlegte einige Zeit, ob ich den ersten Band seiner Reihe lesen sollte [ "Das grobmaschige Netz" ], entschied mich aber dagegen.
Gewählt habe ich das Buch, das in den Kritiken als sein Bestes hervorgehoben wird, und ich denke damit haben die Kritiker ins Schwarze getroffen.
Dieses Buch ist noch besser als das erste. Es ist zwar im gleichem Stil geschrieben, doch der Fall ist um einiges spannender. Nach ungefähr einer Woche Arbeitsweg habe ich das Buch komplett gelesen. Jeden Morgen habe ich mich schon darauf gefreut wieder zur Arbeit zu fahren, da ich ja wissen wollte wie es weitergeht.

Eine junge Frau wird zu einem Serientäter. Ihre Zielgruppe ist eine Gruppe von Menschen, die ihrer Mutter scheinbar irgend etwas angetan haben. Sie tötet geplant und ohne Skrupel. Es ist schwer für die Polizei etwas herauszufinden, da die Männer dieser Gruppe nicht mit der Polizei kooperieren wollen.

Seine Bücher

Das erste Buch seiner Van Veeteren Reihe war 1993 "Das grobmaschige Netz" (Det grovmaskige nätet) ". Danach erschien 1994 "Das vierte Opfer" (Borkmanns punkt) und 1996 "Die Frau mit dem Muttermal" (Kvinna med födelsemärke).Dazwischen ist 1995 "Das falsche Urteil" (Aterkomsten) anzusiedeln.
Neu in Deutschland ist auch das 1998 geschriebene Buch "Münsters Fall" (münsters fall). Einige seiner Bücher sind noch nicht in deutsch erschienen.
In diesem Jahr erscheint noch "Der Kommissar und das Schweigen" (2001).

Die "Die Frau mit dem Muttermal" war der erste Roman Nessers der 1998 in deutscher Sprache erschienen ist.

Jeder der diese Reihe einmal lesen möchte sollte die Geschichte chronologisch lesen, obwohl natürlich jedes Buch für sich abgeschlossen ist.
Seiner Bücher spielen alle um Maardam herum. Sehr interessant ist hier, das dieser Ort erfunden ist. Man kann allerdings aus der Namengebung auf Holland oder Belgien (Flämisch) tippen. An einigen Stellen seiner Bücher kann man aber auch das Gefühl bekommen sich in einem anderen Ort in Europa aufzuhalten.
(Der Ort hört sich gut an oder ? Ich habe lange gebraucht um herauszufinden, das er gar nicht existiert).
Nachdem ich nun den zweiten Roman von ihm lese tippe ich immer mehr auf Holland.

Die Geschichte dieses Buches

In Maardam geschieht nach langer Zeit mal wieder ein Mord. Ein eher langweiliger Mensch wird mit mehren Schüssen aus dem Leben geholt. Die Polizei tappt im dunkeln, den der Mann hatte scheinbar keine Feinde. Seine Familie ist schockiert und kann sich keinen Reim daraus machen. Nach einer Woche wird ein zweiter Mann gefunden, der auf ähnliche Weise umgebracht wurde. Alles deutet darauf hin das es sich um den gleichen Täter handeln muß, den es ist die gleiche Anzahl von Schüssen abgegeben worden davon zwei in den Unterleib (Da wo "man (n)" meint, daß es am meisten weh tut).
Die Suche nach einem Zusammenhang erweist sich als sehr schwierig und selbst als dieser erkannt wird fehlt der Polizei der entscheidende Hinweis und das Motiv der Tat. Sie können zwar eine Gruppe von Offizieren als mögliche Zielgruppe identifizieren, doch diese sind sehr schweigsam.
Wer steckt hinter all diesen Morden? Ist es wirklich ein Geistesgestörter oder ist doch ein echter Grund vorhanden. Die Polizei unter Leitung von Van Veeteren muß tief in der Vergangenheit graben um die Wahrheit ans Licht führen zu können.
Das Buch ist in acht Abschnitte unterteilt, die einen gewissen Zeitabschnitt vom 23.12. bis zum Finale am 9.03. beinhalten. Witziger Weise endet das Buch mit dem Frauentag der am 8.03. gefeiert wird.
Alle Zielpersonen hören vor ihrem Tod noch ein Lied "the rise and fall of Flingel Bunt" (65 - The Shadows: Der Aufstieg und der Fall von Flingel Bunt), das ihnen vornehmlich über das Telefon zugespielt wird. Sie sollten eigentlich das Lied kenne, doch keiner weiß zuerst etwas damit anzufangen (und auch der Leser nicht ;-))

Die Personen

Van Veeteren: Die Hauptperson der Reihe.
Seines Zeichens geschiedener Hauptkommissar des Distrikts Maardam. Aus der Ehe geht sein Sohn Erich hervor, der auch schon straffällig wurde (Drogen). Diese Personen tauchen in dieser Geschichte allerdings nur am Rande auf und sind für das Verständnis des Buches nicht wichtig.
Der Kommissar selbst ist ein wenig eigenbrötlerisch und es fällt ihm schwer Verständnis für seine Kollegen aufzubringen. Er erkennt selten die persönlichen Wünsche seiner Mannschaft und läßt sie auch am Wochenende arbeiten.
Er spielt in diesem Buch gerne Badminton und hat immer eine Ausrede parat wenn er verliert. Sein liebster Gegner ist Münster.

Hiller: Der Polizeichef des Distriktes mit seinem grünen Händchen.
Er beschäftigt sich lieber mit seinen Pflanzen als mit den Fällen. In jeder Pressekonferenz tritt er natürlich als erster Redner auf, da auch er gut in der Öffentlichkeit dastehen möchte. Geht es aber ans Eingemachte, so übergibt er das Wort an Veeteren. (Bloß nichts falsches Sagen).
Seine Kollegen behaupten von ihm das einer mehr da ist wenn er nicht anwesend ist. Er kann nichts zu den Fällen beitragen, es bedarf aber immer einer anderen Person ihn aus den Untersuchungen heraus zuhalten.

Münster: glücklich verheirateter Polizeirat und linke Hand von van Veeteren.
Ein sehr gewissenhafter Polizist, der mit beiden Beinen im Leben steht. Er organisiert gewissenhaft, aber nicht so intuitiv wie der Hauptkommissar. Ihn zieht es nach der Arbeit sehr stark zu seiner Familie und er hat Probleme dies mitzuteilen, da Van Veeteren geschieden ist und kein Verständnis dafür aufzubringen scheint.
Er spielt die Rolle eines Normalmenschen der arbeitet um zu leben. Selbst er, der am meisten mit van Veeteren zusammen ist versteht den Hauptkommissar nicht immer. Die Beziehung zwischen beiden erinnert nicht an Teamarbeit, sondern eher an den Kommissar mit seinem Assistenten.

Sie - Die Mörderin: Es wird schon am Anfang des Buches erklärt, daß sie die Mörderin ist. Der Name wird nicht genannt sie bleibt im dunklen verborgen. Die Geschichte beginnt auf dem Friedhof, wo ihre Mutter zu Grabe getragen wird. Vor ihrem Tod hat die Mutter ihr noch ein Geheimnis anvertraut und eine Aufgabe. Was haben die zwei wohl zusammen besprochen. Sie scheint sehr klug zu sein, denn ihre Schritte sind wohlgeplant.

Sie - Die Mutter der Mörderin: Mit ihrem Tod beginnt das Buch und die Mordserie. Etwas ist in der Vergangenheit geschehen und nur sie kannte bis zu ihrem Tod die Wahrheit. Ein schreckliches Vermächtnis an ihre Tochter, die die einzige war die zur Beerdigung erscheint.

Das Polizeiteam: Reinhart, Rooth, Heinemann, Jung, deBries und Moreno: Ein Team was aus den verschiedensten Personen besteht.
Der eine klug und interessiert, der andere eher lahm wie eine Schnecke. Doch zusammen sind sie stark, jeder für sich kann etwas beitragen. In vielen Abschnitten werden die Untersuchungen der verschiedenen Polizeibeamten beschrieben. Van Veeteren führt sie und versucht eine Linie in die Untersuchung zu bringen, doch manches mal weiß auch er nicht weiter.

Rysord Malik mit Ilse Malek: Er war das erste Opfer. Er konnte nicht ahnen was auf ihn zu kommt. Er erkannte zwar die Melodie, doch er verband nichts damit. Hätte er nur besser überlegt.
Bis dahin verlief sein Leben eher bedeutungslos. Er ist lieber alleine mit einem Buch und einem Whiskey als mit seiner Frau.

Richar Massleitner und Wanda Piiren: Auch er konnte nicht vorhersehen was mit ihm geschehen wird.
Er war ein unangenehmer Zeitgenosse und Lehrer. Er war eher einer der harten, der auch Schläge für gut heißen wird. Seine Frau hat zwar drei Kinder mit ihm, doch am Ende konnte es sie nicht mehr aushalten.

Karel Innings und Ulrike Innings: Eine der eher glücklich verheirateten, der mit beiden Beinen im Leben stand. Er ahnte schon das etwas auf ihn zukommt, doch kann er es verhindern ? Ahnt seine Frau die Gefahr, oder ist auch sie machtlos ?

Werner Biedersen und Dagmar Biedersen: Eine Ehe die so keiner führen möchte. Jeder lebt sein Leben und er ist der Herr im Haus. Er und sie scheinen es so zu mögen, doch sind sie wirklich glücklich ? Biedersen will das Heft selber in die Hand nehmen. Er meint er kann das Blatt wenden und aus der defensive heraus angreifen. Hat er Erfolg und kann er sich wirklich mit ihr messen ?

Fazit:

Nicht umsonst ist dieses Buch als erstes der Reihe in Deutschland erschienen. Es macht wirklich Lust auf mehr von Van Veeteren. Nachdem mir da erste Buch schon sehr gut gefallen hat, kann ich hier nur noch toppen mit dem Ausdruck ein Wahnsinnsbuch, das man auf jeden Fall lesen sollte.
Die Charaktere aller beteiligten werden sehr menschlich dargestellt. Dabei kann man für alle Seiten Verständniss aufbringen da ihre Handlungen erklärbar dargelegt werden. Selbst die Gedankengänge der Serienmörderin kommen gut heraus und man kann teilweise kein Mitleid mit den Opfern aufbringen.
Auch das Ende des Buches und die Auflösung des Falles kommen hier nicht zu kurz. Anders als im ersten meiner gelesenen Bücher ist hier ein echter Spannungsbogen zum Ende hin erkennbar. Man freut sich darauf weiterzulesen. Mit jedem Tag dem ich dem Ende näherkam fieberte ich dem Buch immer mehr entgegen.

Jeder der Wallander mochte oder einen Krimi der Extraklasse sucht ist mit diesem Teil der Veeteren Reihe gut bedient.
Ich kann es euch nur wärmstens empfehlen.

Vielen Dank an Gernot Arndt aus Hallbergmoos
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