Camilla Läckberg - Die Schneelöwin
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Camilla Läckberg - Die Schneelöwin
 
Arne Dahl - Sieben minus eins
Hier können Sie Probelesen in einem Buch des Autors Ketil Bjørnstad.
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Gebundene Ausgabe
276 Seiten
Insel Verlag
Erscheinungsdatum: 2001
ISBN: 3458170545
Übersetzung:
Lothar Schneider

Kurzbeschreibung

Erling Fall hatte sich schon immer, so weit er auch zurückdachte, als mittelmäßig empfunden, war aber doch seinen Weg gegangen, war Amtsrichter geworden, hatte geheiratet, eine nicht ganz unbekannte Malerin sogar, die zwei Kinder in die Ehe mitbrachte. Dann aber hatte er den Boden unter den Füßen verloren: Merete hatte ihn plötzlich nach zwölf Jahren Ehe verlassen, war mit einem Jazzgitarristen und den Kindern davongegangen. Erling hatte um sich geschlagen wie ein in die Ecke getriebenes Tier. Hatte sich, von Merete wegen Telefonterrors angezeigt und vom Amtsrichterposten beurlaubt, nur noch seinen Rachegedanken und seinem Selbstmitleid überlassen. Bis sein alter Freund Gudmund Kvaernland auftauchte, ein erfolgreicher Unternehmer, kein Mann, der an sich selbst zweifelt. "Kontrolle über sich selbst, Erling. Und dadurch über andere. Manche nennen das Macht", hatte er gesagt und Erling Falls Leben in die Hand genommen. Er hatte ihn auf eine Expedition zum Himalaya mitgenommen, ihn in eine Gemeinschaft von Männern eintauchen lassen, die sich anschickten, einen Berg zu bezwingen, die den Rausch der Todesgefahr suchten. Er hatte ihn danach mit nach Taiwan genommen und ihn zum juristischen Berater seines Unternehmens gemacht. Auf dem Flug dorthin hatte Erling Fall geträumt, einen Menschen zu töten, Merete zu töten. Doch als er in Taiwan Frauen kennenlernte, die schöner waren als Merete, und als eine davon, die bekannte Autorin Sophie Lee, ihm nach Paris folgte, schien es, als habe er Merete endlich vergessen können. Es war eine trügerische Hoffnung: Als auch Sophie ihm zu entgleiten beginnt, tötet Erling wirklich. Spannend und in der ironischen Brechung schonungslos erzählt Ketil Bjoernstad die Geschichte vom Fall des Amtsrichters Erling Fall, die nicht nur eine Kriminalgeschichte ist, sondern auch eine genaue psychologische Studie der Untiefen des menschlichen Zusammenlebens.

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Leseprobe

ERSTER TEIL

Erst danach, zurückgekehrt auf den Hof, wagte es Erling Fall schließlich, genauer an das zu denken, was ihn so weit gebracht hatte, daß es am Ende des Jahrhunderts an einem dunklen Winterabend in Paris zu diesem Verhängnis gekommen war. Erregt von dem eben Gedachten, mußte er sich fragen, wo sie begann, diese Serie von Ereignissen, die schließlich dazu geführt hatte, daß er den Halt in seinem eigenen Leben verlor, diesem Leben, das er stets als anständiger Mensch, wie man so sagt, hatte leben und vollenden wollen, in den normalen, vorgegebenen Bahnen; das er aber offenbar in jämmerlicher Trägheit und Phantasielosigkeit und in dumpfem Ehrgeiz gelebt hatte.

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Leseprobe

Er war immer von dem starken Wunsch beseelt gewesen, sich einzuordnen, das System zu akzeptieren, alles das, was sich die Menschen an Regeln, Ordnungen und Vorschriften ausgedacht hatten, all das, was man oft und zugleich unbegreiflicherweise eine Gesellschaft nannte. Er hatte nie, und vielleicht war das der Grund, warum er Amtsrichter geworden war, mit dem Gesetz in Konflikt geraten wollen. Vielmehr hatte er in all diesen Jahren seines sogenannten erwachsenen Lebens Alpträume wegen all der Verbrechen gehabt, die zu begehen sicher auch er fähig war, und wegen all der Verbrecher, die er hatte verurteilen müssen, weil sie nicht imstande gewesen waren, ihr Lebenswerk zu vollenden, ohne gewisse ungeheuerliche Fehltritte zu begehen; Fehltritte, die von der Gesellschaft, und auch von ihm, wie man es von ihm verlangte, als so schwerwiegend betrachtet wurden, daß er diese Menschen ihrer Freiheit berauben und sie in extremen Fällen zu langen, fast unmenschlich langen Gefängnisstrafen verurteilen mußte.
Ja, dachte Erling Fall, als er wieder daheim auf der Veranda seines Hofes stand, es muß an dem Tag begonnen haben, einem Oktobertag wie diesem, als er, bereits krankgemeldet, mit den Scheidungspapieren in der Hand von genau dieser Veranda aus sah, daß Gunnar Hov auf dem Getreidefeld stand, fast ganz unten beim Friedhof, und zum Wohnhaus heraufstarrte, als wüßte er, welchen Brief Erling Fall bekommen hatte. Es herrschte ein grelles und unbarmherziges Licht an diesem Tag, Windstille, der See lag spiegelglatt; eine intensive und greifbare Stille, als hätte sich gerade etwas Böses ereignet oder als sollte es sich ereignen. Erling Fall hatte lange angenommen, daß Gunnar Hov, Jäger von Geburt an, mit einem schärferen Gehör, einem aufmerksameren Blick, der Natur näher stünde als er selbst.
Ja, Gunnar Hov, der Pächter, war ein Mann mit fast unheimlicher Intuition, der bei jeder Art von Jagd wußte, wann der richtige Zeitpunkt gekommen war, so, wie er viele Jahre auf Merete Bøver gewartet haben mußte, wenn auch erfolglos. »Doch, woher will ich das wissen«, hörte sich Erling Fall laut ins Zimmer sagen, auch wenn er allein im Haus war. »Woher will ich das wissen?« wiederholte er, mit der hohlen Stimme, an die er sich seit dem Stimmbruch nie hatte gewöhnen können. Merete Bøver, die Frau, von der er nun geschieden war, hatte ihm ja die Wahrheit erst gesagt, als es zu spät war.

Aber jetzt war der alles beendende Brief gekommen, und dort stand Gunnar Hov, fast unten bei der Kirche, und starrte, glotzte, wartete, mitten im grellen Oktoberlicht, in dieser ohrenbetäubenden Stille, in der nichts geschah, denn auch Erling Fall stand reglos mitdem Brief in der Hand und wußte, daß er von nun an ein geschiedener Mann war, ein gedemütigter Mann, verlassen von seiner Frau; ein Mann, der in den Augen der anderen seine Würde verloren hatte, der es nicht geschafft hatte, die Frau zu halten, die er überdies viele Jahre versorgt hatte; eine Frau, die mit ihren zwei Kindern vom ersten Augenblick an mit Ansprüchen zu ihm gekommen war, die ihm zu verstehen gegeben hatte, daß er Merete Bøver zwar bekommen konnte, sie aber ihren Preis hatte.
Gunnar Hov senkte endlich den Kopf und ging zum Traktor. Erling Fall stand unschlüssig mit den Scheidungspapieren in der Hand, und er merkte auf einmal, daß die Verzweiflung und das Gefühl des Verlusts mit einer Geschwindigkeit zunahmen, als hätte er bereits mehrere Gläser Whisky getrunken, es war eine so gewaltsame und alles überschattende Wehmut, daß er das Läuten der Türglocke nicht sofort hörte. Wahrscheinlich hatte es schon einige Male geläutet, bis er fähig war, die Flut von Gedanken über das unwiderruflich Geschehene zu unterbrechen. Mit dem Brief in der Hand, den er weder weglegen konnte noch wollte, ging er durch die weitläufigen Räume in den Flur. Es wunderte ihn, daß jemand zu diesem Zeitpunkt Kontakt mit ihm aufnehmen wollte.


Buchtipp
Camilla Läckberg - Die Schneelöwin

Er war zu einem isolierten Menschen geworden, mit offensichtlich schwermütiger und trister Ausstrahlung. Es war lange her, daß Gunnar Hov heraufgekommen war. Man hielt Abstand von ihm, wie es hieß, und Erling Fall verstand ohne weiteres, daß man ihn gerade jetzt natürlich mied. Er öffnete die große, massive Haustür und sah zu seiner Überraschung, daß es Oddleif Jaren, der Lensmann von Lunner, war, der vor ihm stand, etwas schwer und übergewichtig und gewissermaßen fertig zur Elchjagd ...

Danke an den Insel-Verlag für die Veröffentlichungserlaubnis.
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