Camilla Läckberg - Die Schneelöwin
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Camilla Läckberg - Die Schneelöwin
 
Arne Dahl - Sieben minus eins

Interview mit dem Autorentrio Emma Vall

Emma Vall Emma Vall
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Emma Vall: Maria Herngren, Eva Swedenmark, Annica Wennström.
Foto: Cato Lein

"Wir schreiben feministische Nach-dem-Volksheim-Krimis"

Im Interview mit dem Literaturportal schwedenkrimi.de verraten die drei "Musketierinnen", wie sich die Journalistinnen hinter dem Pseudonym Emma Vall selbst bezeichnen, warum Treue, Solidarität und Gemeinschaft auch heute noch wichtig sind und positionieren ihre Amanda Rönn als eine Pippi Langstrumpf der Moderne.


Literaturportal schwedenkrimi.de: Für welche Medien arbeiten Sie oder haben Sie als Journalisten bisher gearbeitet?

Emma Vall: Wir haben alle Erfahrungen bei Zeitungen und Zeitschriften gesammelt und arbeiten auch heute noch als Journalisten, was gut ist, um den Kontakt zur Wirklichkeit, die wir in unseren Emma Vall Büchern beschreiben, zu halten. Heute arbeiten wir alle als Kulturjournalisten bei derselben Zeitschrift, "Fönstret", eine Monatszeitschrift für Kultur und Bildung.

Literaturportal schwedenkrimi.de: Wann und wie lernten Sie sich kennen?

Emma Vall: Wir haben uns bei "Fönstret" kennen gelernt. Seitdem sind unsere Privat- und Berufsleben eng ineinander verschlungen.

Literaturportal schwedenkrimi.de: Wie kam es denn zu der Idee, gemeinsam ein Buch zu schreiben?

Emma Vall: Die Idee zu einem fiktionalen Roman kam im Zusammenhang mit einem anderen gemeinsamen Buchprojekt, einem Sachbuch zur Situation von Frauen in der Politik. Wir untersuchten, warum so viele Frauen ihre politische Laufbahn beenden. Das war ein Buch, in dem wir sehr tief in die Materie eingedrungen sind, auch was die fachliche Terminologie angeht. Mit dem Ergebnis waren wir sehr zufrieden, aber wir haben uns auch gefragt, wen wir mit einem solchen Sachbuch erreichen können: Alle, die lesen sollten? Nein, wir hatten den Eindruck, dass wir nur die bereits "Erlösten" erreichen. Außerdem fanden wir alle, dass je länger wir als Journalisten arbeiten, es - paradoxerweise - leichter wird, die Wirklichkeit mit Hilfe von Fiktion zu beschreiben. Die Arbeit an dem Sachbuch hatte uns gezeigt, wie gut wir zu Dritt arbeiten können, dass unsere Texte dadurch besser werden. Dann stellten wir fest, dass wir alle den gleichen Traum träumten, nämlich ein Mal einen Krimi zu schreiben. Also haben wir uns zu Dritt an die Arbeit gemacht und der erste Amanda Rönn Krimi ist 1998 erschienen, zeitgleich mit einem Kinderbuch, das wir auch zusammen geschrieben haben.

Literaturportal schwedenkrimi.de: Welches Ziel steckt dahinter, zu Dritt zu schreiben?

Emma Vall: Wir geben einander Kraft und Stärke. Außerdem haben wir Lebenserfahrung mal 3, aus der wir schöpfen können, was natürlich sehr hilfreich ist, wenn man eine Gesellschaft aus verschiedenen Perspektiven beschreiben will. Aber das Hauptargument ist für uns wohl die Lust, der Spaß, den wir haben, wenn wir zusammen schreiben. Die Zusammenarbeit führt aber auch zu einer Weiterentwicklung bei uns, sowohl als Person als auch rein stilistisch, als Journalisten und Autoren. Nun trauen wir uns, unsere Träume zu verwirklichen. Wir wagen es, neue Ideen auszuprobieren. Heute haben wir alle drei sehr viel mehr Vertrauen in uns selbst und wissen, dass wir Träume verwirklichen können.

Literaturportal schwedenkrimi.de: Warum ausgerechnet ein Krimi?

Legende
1 Der schwedische Begriff "Folkhemmet", zu Deutsch Volksheim, ist ein noch heute hoch assoziativer und emotionaler Begriff für Schweden, der die ganze Bedeutung und Struktur der schwedischen Gesellschaft, das sog. (Dritte) schwedische Modell, beinhaltet. "Folkhemmet" ist ein politischer Terminus, der seinen Ursprung in der konservativen Ideologie hat und seit einer Rede Per Albin Hanssons im schwedischen Reichstag im Januar 1928 weite Verbreitung fand. Doch erst während der sog. "Rekordjahre" nach dem Ende des 2. Weltkrieges nahmen die damit verbundenen politischen Reformen Gestalt an. Das "Folkhemmet" beschreibt den schwedischen Wohlfahrtsstaat, der darauf basiert, dass jeder das Recht auf gesundheitliche Versorgung, Familienunterstützung, Rente uvm. hat, unabhängig vom Einkommen. Da jeder Schwede davon profitiert, muss auch jeder dafür - nicht unerheblich - Steuern zahlen. In den Jahren von 1945-1975 gelang es der SDP (Sozialdemokratische Partei Schwedens), diese Vision eines "Zuhauses" für alle Schweden zu verwirklichen, doch seitdem auch in Schweden die Wirtschaft nicht mehr unaufhörlich wächst, hat es seit etwa Mitte der 90er Jahre auch in Schweden erhebliche Einschnitte ins soziale Netz gegeben.
Emma Vall: Manchmal sagen wir, dass wir "Nach-dem-Volksheim-Krimis"1 schreiben. Die Form des Krimis ist sehr dankbar, wenn man gesellschaftliche Phänomene beschreiben und die Gesellschaft, in der wir leben oder leben wollen, diskutieren will. Auf diese Weise kann man eine gesellschaftliche Debatte führen, mit der man sehr viele Menschen erreicht. Auch als Genre passt der Kriminalroman. Da spielt auch handwerkliches Können eine große Rolle, wenn man zusammen schreibt. Außerdem sind wir alle drei enthusiastische Krimi-Leser, sodass unsere ‚lebensgefährliche Fantasie' und unsere ‚Todesangst' nun endlich auf dem Papier Gestalt annehmen konnten.

Literaturportal schwedenkrimi.de: Woher kommt der Name Emma Vall?

Emma Vall: Wir lieben es, über Worte nachzudenken, mit ihnen und ihren Bedeutungen und Assoziationen zu spielen. So war es ein leichtes, aus unseren drei Vornamen den Namen Emma zu kreieren: E wie in Eva, M wie in Maria, A wie in Annica. Das zweite ‚M' in Emma steht für "Musketierinnen", in Anlehnung an "Die drei Musketiere", einem alten Lieblingsbuch von uns allen dreien. Der Nachname Vall kommt von Sundsvall, der Stadt, in der alle Amanda Rönn Krimis spielen.

Literaturportal schwedenkrimi.de: Warum gerade Sundsvall und keine andere Stadt?

Emma Vall: Wir wollten von der Großstadt-Schilderung weg, die auf verschiedene Art auf Anonymität basiert. Sundsvall ist eine mittelgroße schwedische Stadt, die aufgrund ihrer Sägewerkshistorie und der starken Arbeiterbewegung dort auch große soziale Unterschiede aufweist. Hier trifft unsere Journalistin Amanda Rönn ganz natürlich auf Menschen aus unterschiedlichen sozialen Milieus. Sie wird auch auf ganz andere Weise mit ihren Lesern konfrontiert als das normalerweise in einer Großstadt der Fall ist. Wir wollten eine Stadt, die groß genug ist, dass dort auch viele Verbrechen geschehen können, die aber auch klein genug ist, dass man sich kennt. Sundsvall ist außerdem eine ziemlich Klassen geprägte und harte Stadt; äußerlich eine Idylle, aber darunter passiert viel. Zudem wollten wir über eine Landschaft Schwedens schreiben, in der bisher noch keine Krimis gespielt haben. Aber im Grunde könnte diese Stadt genauso gut irgendwo in Deutschland liegen.

Literaturportal schwedenkrimi.de: Wie teilt man denn das Schreiben zu Dritt untereinander auf?

Emma Vall:
Wir werden oft gefragt, ob jeder sein Kapitel schreibt oder ob wir die unterschiedlichen Charaktere unter uns aufteilen, aber genauso machen wir es nicht. Unsere Zusammenarbeit beruht auf einem Prestige losen Geben und Nehmen. Wir fügen hinzu, streichen, kürzen, verlängern und schreiben Passagen um. Wir prüfen Ideen und erzählen sie einander. Wir teilen das Schreiben niemals nach irgendwelchen Prinzipien auf, z.B. nach Personenzeichnung, Milieu oder der Intrige. Wenn wir überhaupt ein Prinzip haben, dann ist es das "Lustprinzip". Wir stürzen uns auf Personen oder Ereignisse, die uns verlockend erscheinen.
Wir fangen damit an, darüber zu sprechen, welches Thema wir in dem Buch behandeln wollen, z.B. Neonazismus oder Drogen. Dann reden und reden wir, bis wir die Mordintrige haben. Wir treffen uns oft in Cafés, wo wir uns die Geschichten in lebhaften Diskussionen und mit viel Lachen ausdenken. Dann gehen wir nach Hause und jeder schreibt die Passage, überhaupt nicht chronologisch, zu der er gerade Lust hat. Dann schicken wir uns die Texte gegenseitig zu und entwickeln sie. Wir diskutieren unsere Texte viel, kontrovers, aber niemals ohne uns zu einigen. Wir einigen uns auch nie auf den kleinsten gemeinsamen Nenner. Im Gegenteil haben wir im Laufe der Zeit gemerkt, dass unsere Texte so immer besser wurden. Wir sagen immer, dass wir merken, dass in unserem Fall 1+1+1 nicht 3 ergibt, sondern unendlich viel mehr.

Literaturportal schwedenkrimi.de: In Ihren Romanen geht es häufig um sehr aktuelle und politisch brisante Themen. In "Lautloser Fluss" geht es beispielsweise um Schwedens erstes internationales Kasino, das auch in Wirklichkeit in Sundsvall unter dem Namen Casino Cosmopol existiert. Was sagen denn die Menschen in Sundsvall zu Ihren Romanen? Wie wurden sie aufgenommen?

Emma Vall: Wir haben nur Positives gehört. Die Leute finden es spannend, wenn die Wirklichkeit in der Fiktion mitspielt. Wir haben erfahren, dass es Leute gibt, die spazieren gehen und nach den Häusern suchen, in denen unsere Protagonisten wohnen. Bevor wir ein neues Buch schreiben, fahren wir immer nach Sundsvall und legen fest, in welchen Häusern und Vierteln die Geschichte spielen soll. Das ist bestimmt oft ein seltsamer Anblick, wenn wir drei durch die Straßen und Viertel Sundsvalls schleichen und Fotos machen. Wir wählen für jedes Buch einen neuen Teil der Stadt aus, den wir näher untersuchen und über den wir schreiben wollen. Genauso, wie wir in den fünf Romanen das Scheinwerferlicht auf unterschiedliche Personen aus Amandas Familie, Verwandtschaft oder Freundschaftskreis richten.

Literaturportal schwedenkrimi.de: Sie nennen sich selbst "die drei Musketierinnen" und Ihr Motto ist folgerichtig "Eine für alle - alle für eine". Warum ausgerechnet dieses Motto?

Emma Vall: In einer Zeit, in der Individualismus das vorherrschende Ideal ist, sehen wir uns als eine Art Widerstandsbewegung. Der Einzelne ist nicht stark.

Literaturportal schwedenkrimi.de: In "Blutsschwestern" zitieren Sie sich praktisch selbst. Begriffe wir "unverbrüchliche Freundschaft" und "Treue" scheinen für Sie von großer Bedeutung zu sein. Warum sind denn so altmodische Begriffe heute noch wichtig? Und kann man solche Begriffe heutzutage überhaupt noch ruhigen Gewissens anwenden; durch alle Zeiten hindurch haben Politiker Soldaten "im Namen der Ehre" und "für Vaterland und Volk" in den Krieg geschickt. Haben sie dadurch nicht ihre ursprüngliche Bedeutung verloren oder sind durch den Missbrauch von Politikern zu unterschiedlichen Zeiten und unterschiedlicher Couleur verbraucht?

Emma Vall: Wir kümmern uns nicht darum, dass manche Begriffe als altmodisch betrachtet werden, sondern denken, dass es wichtig ist, in der Sprache zu schreiben, an die wir selber glauben. Wir finden nicht, dass man Begriffe z.B. Politikern überlassen sollte, weil sie begonnen haben, die Begriffe zu verwässern oder zu missbrauchen, sondern dass man sie dann wieder zurückgewinnen muss. Wir haben auch gemerkt, dass diese Begriffe für unsere Leser nicht verwässert sind, sondern dass sie nach denselben Dingen lechzen wie wir auch. Sie sind auch all der zynischen "Helden" müde. Worte wie Treue, Solidarität, Gemeinschaft sind nach wie vor wertvolle Begriffe, die wichtig sind, zu wichtig, um sie allein zynischen Politikern zu überlassen, die sie verwässern oder missbrauchen.

Auch unsere Hauptfigur Amanda Rönn wurde von vielen als zu naiv kritisiert, aber wir finden, dass nicht Amanda zu naiv ist, sondern dass vielmehr die Welt zu zynisch geworden ist. In diesem Sinne schreiben wir "feministische Nach-dem-Volksheim-Krimis". Auch wirken wir dem gängigen Vorurteil "Mädchen können nicht zu dritt spielen" entgegen. Wir beweisen das Gegenteil.

Gunlög Kolbe, ein schwedischer Literaturwissenschaftler, hat unsere Emma Vall Bücher untersucht und sieht in unserer Amanda Rönn eine moderne Pippi Langstrumpf, ein feministisches Krimivorbild, denn sie kämpft unerschrocken. Er macht in seinem Aufsatz deutlich, dass wir den (sexistischen) patriarchalen Diskurs in einem Populärgenre herausfordern, und dass wir noch viel mehr weibliche Netzwerke, harte Arbeit und klare Strategien benötigen, um den patriarchal geprägten Diskurs zu durchbrechen.

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Autoreninterview
Literaturportal schwedenkrimi.de: In "Lautloser Fluss" thematisieren Sie den Missbrauch der Frau durch ihre Reduktion auf ein Sexualobjekt sowie die Vergewaltigung der Frau bzw. der Menschen überhaupt durch Männer und Kapitalismus. Figuren wie die Künstler Matts und Sara nehmen diese Themen auf. Welche Rolle soll die Kunst in diesem Zusammenhang Ihrer Meinung nach spielen? Wie können Kunst und Kultur uns helfen, diesen Machtmissbrauch zu überwinden?

Emma Vall: Die Kunst kann unglaublich viel tun! Die Kunst kann die Zeichen der Zeit deuten, das Scheinwerferlicht auf bestimmte Fragen richten und eine Debatte entfachen. Die Kunst in ihren vielfältigen und verschiedenen Formen kann uns wecken, kann uns stärker und tiefer berühren als z.B. Journalismus, Werbung und anderes, das einfach an uns vorbeirauscht. Besonders in einer Zeit, in der alles schnell gehen soll, besteht die Gefahr der Oberflächlichkeit. Kunst verlangt mehr von uns allen ab. Sie zwingt uns zum Anhalten und Nachdenken. Das ist lebenswichtig für uns alle. Die Mittel des Journalismus reichen oft nicht aus, um die Wirklichkeit so tief und eingehend darzustellen, wie wir es wollen. Nehmen Sie z.B. Lukas Moodyssons Film "Lilja 4 Ever". Dieser Film hat viele sehr viel stärker berührt als all die Reportagen und Artikel über Frauenhandel. Auch in der Literatur können wir die Gesellschaft auf einer tieferen Ebene erforschen, aber auch sehr viel tiefer in uns selbst gehen und so Menschliches zutage fördern, in dem viele sich wieder finden.

Literaturportal schwedenkrimi.de: Kontroverse, sensible und soziale Fragen aufzugreifen, ist sicherlich eine wichtige Funktion von Literatur bzw. von Kultur im Allgemeinen. Dennoch fand ich, dass in "Lautloser Fluss" die Ideologie und die moralisch-politische Botschaft so schwer wiegt, dass sie den eigentlichen Plot, die Mordintrige, überlagert, dass die eigentliche Mordgeschichte zu kurz kommt, um ein richtig spannender Krimi zu sein. War das eine bewusste Entscheidung?

Emma Vall: Natürlich kann eine Ideologie oder eine moralisch-politische Botschaft überhand nehmen und das ist eine Gefahr für jede Kunst, wenn sie sich dafür entscheidet - denn dann ist sie nicht länger Kunst oder Literatur. Die Grenze kann haarfein sein. Wir selbst finden nicht, dass die Ideologie überhand genommen hat oder zum Ballast für den Roman wurde. Aber andere Leser können das bestimmt so empfinden. In jedem Fall haben wir uns in "Lautloser Fluss" ganz bewusst für das Thema entschieden. Es war die Wut darüber, wie Frauen ausgenutzt werden, die zu unserer Triebfeder wurde. Wenn wir schreiben, dann ist es so, dass wir für dieses Thema "brennen", dass wir darauf brennen, es zu erzählen. Etwas, das uns aufregt, das wir nicht verstehen oder etwas, das wir genauer untersuchen wollen. Dennoch ist es natürlich nicht unser Ziel, dass das fertige Resultat einem politischen Pamphlet gleichen soll oder dass der Gegensatz zu deutlich wird. Aber das ist ein schwerer Balanceakt.


Buchtipp
Camilla Läckberg - Die Schneelöwin
Literaturportal schwedenkrimi.de: Vor einiger Zeit habe ich in der deutschen Literaturzeitschrift "Literaturen" die These gelesen, dass der große Erfolg schwedischer Kriminalromane als Kompensation zur tatsächlichen desaströsen Verfassung der schwedischen Polizei verstanden werden kann. So ist der Palme-Mord beispielsweise auch heute noch nicht aufgeklärt und im Fall Anna Lindh musste eine DNA-Probe nach London geschickt werden, weil der schwedischen Polizei entsprechende Mittel oder Methoden fehlten. Auf der anderen Seite haben wir dann all die smarten Kommissare und Journalisten, die erfolgreich Verbrechen aufklären. Wie erklären Sie sich denn den großen Erfolg schwedischer Kriminalromane nicht nur in Schweden, sondern auch im Ausland?

Emma Vall: Wir glauben nicht, dass der schwedische Kriminalroman auf der Unfähigkeit der schwedischen Polizei beruht, sondern auf der Unfähigkeit der Politiker in Schweden. Wir sind ja nicht die einzigen, die sagen, sie schreiben "Nach-dem-Volksheim-Krimis". Die schwedischen Kriminalromane sind eher durch eine Art Traurigkeit und Wut über das havarierte Wohlfahrtsgebilde zustande gekommen, und über den Verlust des Fortschrittsglauben. Der Glaube, dass sich alles zum Besseren wendet, der ist weg. In diesem Zustand breitet sich leicht ein Gefühl der Angst, des Misstrauens und des steigenden Verbrechens aus. Also, die Krimiwelle beruht sicher eher auf der Unfähigkeit der Politik als auf der Unfähigkeit der Polizei, und dass es keinen starken politischen Willen mehr gibt, dass den Politikern selbst die Zukunftsvisionen fehlen.

Literaturportal schwedenkrimi.de: Abschließend die Frage, gibt es Pläne für eine Lesetour in Deutschland?

Emma Vall: Das würden wir gerne tun. Das Inspirierendste am Krimischreiben ist, dass wir viele Menschen treffen und mit ihnen diskutieren. Das bereichert uns. Das zeigt uns auch, wie wichtig unsere Bücher für Erwachsene und Jugendliche sind. Teilweise sind es natürlich auch einfach nur unterhaltsame Lesungen, aber sie sind auch eine Plattform, von der aus man über unsere Gesellschaft blicken und neue Perspektiven und Einfallswinkel auf das Leben, das wir führen, gewinnen kann.

Literaturportal schwedenkrimi.de: Eva, Maria, Annica, wir danken herzlich für das Gespräch!

Autorin:
Alexandra Hagenguth/ KONTEXTE - Wissensportal für Text, PR, skandinavische Sprachen und Literaturen
© März 2004 - Literaturportal schwedenkrimi.de - Krimikultur Skandinavien
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