Camilla Läckberg - Die Schneelöwin
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Camilla Läckberg - Die Schneelöwin
 
Arne Dahl - Sieben minus eins
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"Bis dein Zorn sich legt" von Åsa Larsson

Die Brüder Krekula
Eine Geschichte von Schuld und Schuldzuweisungen

Åsa Larssons vierter Krimi „Bis dein Zorn sich legt“ liest sich als Brüdergeschichte sowie als Geschichte von Schuld, Schuldzuweisungen und des auf sich Nehmens von Schuld. Mit imaginärer Kraft, hoher sprachlicher Qualität, großer Sensibilität ihren Figuren gegenüber und dem ihr eigenen Gespür für das Übernatürliche und seine Bilder beweist die Autorin, dass sie zu den ganz Großen der skandinavischen Kriminalliteratur zu zählen ist.

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Dostojewskis letzter Roman, „Die Brüder Karamasow“, gilt vielen als Krimi für anspruchsvolle Leser. Es ist zugleich psychologischer Kriminal- als auch Gesellschaftsroman. Hier lässt Dostojewski die drei Brüder Karamasow als Erwachsene in ihr Elternhaus zurückkehren. Den Vater finden sie als alten, lüsternen Trunkenbold vor und wünschen ihm den Tod. Als er dann tatsächlich ermordet aufgefunden wird, gerät der älteste Bruder Dimitrij in Verdacht, der auch schuldig gesprochen wird. Obwohl alle wissen, dass ein anderer den Vater ermordet hat, nehmen die Brüder die Schuld auf sich.

Eine Brüdergeschichte, wenngleich nur die von zweien, sowie von Schuld, Schuldzuweisungen und des auf sich Nehmens von Schuld ist auch Åsa Larssons Krimi „Bis dein Zorn sich legt“. Hier geraten schnell die Brüder Tore und Hjalmar Krekular ins Visier der Ermittlerin Anna-Maria Mella und der Staatsanwältin Rebecka Martinsson, als die Leiche der 17jährigen Wilma Monate nach ihrem Verschwinden im wahrsten Sinn des Wortes auftaucht.

Der Geist der Toten

Wilma war eines schönen Spätherbsttages mit ihrem Freund Simon zu einem heimlichen Tauchgang aufgebrochen. Während die beiden unter Wasser in eisiger Kälte ein 60 Jahre altes, verschollenes Flugzeugwrack untersuchen, kappt jemand oben auf dem See die Sicherungsleine und schiebt eine Tür über das Eisloch. Wilma und Simon haben keine Chance und sterben unter dem Eis. Erst Monate später treibt Wilmas Leiche an Land. Sowohl Anna-Maria Mella als auch Rebecka Martinsson ahnen sofort, dass Mord hinter der Sache steckt – die eine, weil sie über genügend Erfahrung im Polizeijob und eine gute Spürnase verfügt, die andere, weil ihr Wilma im Traum erschienen ist. Auch fortan begleitet Wilma den Leser als Erzählerstimme und „spukt“ im wahrsten Sinn des Wortes in der Geschichte herum. Das hätte schiefgehen können. Ist es aber nicht. Denn Åsa Larsson hat bereits in „Der schwarze Steg“ und „Weiße Nacht“ bewiesen, dass sie mit hoher sprachlicher Qualität und großer imaginärer Kraft in der Lage ist, schöne Bilder und Metaphern zu schaffen, die man ihr ohne mit der Wimper zu zucken auch dann abnimmt, wenn sie ins Übernatürliche, in „die andere Wirklichkeit“ übergehen. Wilmas Geist stört also in dieser Kriminalgeschichte in keiner Weise, im Gegenteil verleiht sie dem Roman lyrische Schönheit.

Gut? Böse? Wer trägt die Urschuld?

Große Sensibilität beweist Larsson außerdem erneut in der Figurenzeichnung, insbesondere in der der Brüder Krekula. Hier der jüngere, gebieterische, rücksichtslose Tore, der Hjalmar drangsaliert und befehligt, wo es nur geht. Dort der dicke, brutale Hjalmar, der den tumben Toren gibt. Tore hat Macht über seinen älteren Bruder gewonnen, weil der ihn einmal im Wald alleine zurückließ, als die beiden noch Kinder waren. Zwar ist Tore nichts passiert und er ist nach einer Woche unversehrt wieder aufgetaucht, doch der Zorn des Vaters und die totale, vernichtende Ignoranz der Mutter waren Hjalmar fortan gewiss. Der hat die Schuld angenommen und seinen Frust fortan buchstäblich in sich hineingefressen. Auch der Leser lernt Hjalmar zunächst von seiner unsympathischen Seite als brutalen Handlanger seines Bruders kennen. Doch im Verlauf des Romans relativieren sich Gut und Böse, verkehren sich in ihr Gegenteil, und die Szenen zwischen Rebecka und Hjalmar, die die ganze Wahrheit peu à peu zutage fördern, gehören zu den berührendsten im ganzen Roman. Hjalmar ist keine Randfigur, die man schnell vergisst. Hjalmar bleibt einem noch lange, nachdem man das Buch aus der Hand gelegt hat, im Gedächtnis. Hierin zeigt Åsa Larsson ganz große literarische Qualitäten, und es sind eben die, wie sie sich in Hjalmars und Wilmas Geschichte zeigen, die „Bis dein Zorn sich legt“ und Åsa Larsson aus der Krimimasse hervorheben. So ist „Bis dein Zorn sich legt“ nicht nur ein in sich stimmiger Krimi, sondern auch ein vielschichtiger Roman.


Vielen Dank an Alexandra Hagenguth
© Februar 2009 Literaturportal schwedenkrimi.de - Krimikultur Skandinavien

"Der schwarze Steg" von Åsa Larsson

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Dunkle Seelen

Åsa Larssons dritter Roman um die Anwältin Rebecka Martinssons ist sicher ihr bisher düsterster. Waren die ersten beiden Romane noch Milieustudien freikirchlicher Sekten und ihrer kriminellen Machenschaften, so betritt sie mit „Der schwarze Steg“ die weitaus globalere Welt machtgieriger Industrieller, deren Krallen bis nach Afrika reichen.
In diesem Fall geht es um eine von Kiruna, wo bisher alle Romane Asa Larssons spielten, aus agierende Grubengesellschaft, die mittels verwegener Aktiengeschäfte zu Reichtum und Einfluss gekommen ist. Eine ihrer leitenden Angestellten wird ermordet aufgefunden.
Rebecka Martinsson, die nach den grausamen Ereignissen des letzten Romans im Haus ihrer Großmutter nahe  Kiruna lebt, wird durch ihre neue Tätigkeit als Staatsanwältin in die Ermittlungen hineingezogen.
Somit entwickeln sich zwei parallele Handlungsstränge: Einerseits bekommt man als Leser Einblick in die psychischen Abgründe des Gründers der Grubengesellschaft, Mauri Kallis, und dessen Aufstieg zum bewunderten Selfmade-Man. Andererseits nimmt die persönliche Situation Rebecka Martinssons viel Raum ein, die sich gerade ihrer Gefühle für ihren alten Chef bewusst wird, psychisch aber noch immer sehr labil ist.
Diese beiden Handlungen alleine böten bereits genügend Stoff, sind die Charaktere doch außerordentlich komplex gezeichnet, insbesondere die beiden Geschwister Wattrang, die für Mauri Kallis arbeiten. Beide gehören dem sogenannten Geldadel an und gerieren sich auch entsprechend. Drogen, Sex und Immoralität prägen ihr Leben. Während die Beschreibung dieser Charaktere den Hauch von „Pulp Fiction“ besitzt, kommt später noch ein weiterer Handlungsstrang hinzu, der mehr Tiefe verspricht, aber auch etwas aufgesetzt wirkt:
Asa Larsson stellt Mauri Kallis eine Halbschwester zur Seite, die mit fünfzehn Jahren bei ihm einzieht. Sie ist künstlerisch hochbegabt, vegetiert aber seit sie bei ihrem Bruder wohnt vor sich hin und scheint sich auf etwas vorzubereiten. Ihre Lebensgeschichte wird fast nebenbei erzählt und trägt bis zum Ende nichts zu den Ereignissen bei. Jedoch gibt sie dem Roman eine psychologisierende Dimension, die sehr rätselhaft erscheint, ja in ihren Hinweisen auf das Leben der Samen, bei denen sie aufwächst,  beinah mythologische Züge einnimmt. Am Ende ist sie es auch, die ihren Bruder Mauri rettet.

Zum Schluss kehrt Asa Larsson leider auch wieder zu ihrem „Pulp Fiction“ – Stil zurück. Die Rächer des afrikanischen Regimes richten ein regelrechtes Blutbad im sonst so friedlichen Kiruna an. Meines Erachtens trägt Asa Larsson damit etwas zu dick auf. Die Rebecka Martinsson-Handlung wirkt da quasi als versöhnlicher Gegenpol, denn am Ende trifft sie tatsächlich ihren alten Chef wieder...Alles in allem ist „Der schwarze Steg“ ein handwerklich gut gemachter Roman mit vielen interessanten Charakterzeichnungen, der leider an manchen Stellen zu reißerisch ausfällt.


Vielen Dank an unsere Rezensentin Katja Perret.
© Januar 2008 Literaturportal schwedenkrimi.de - Krimikultur Skandinavien

"Der schwarze Steg" von Åsa Larsson

Menschenbilder


Åsa Larssons dritter Kriminalroman berührt vor allem menschlich und überzeugt durch vielschichtige, präzise und sensibel gezeichnete Charaktere. Sie erzählt von Menschen und ihren Bildern. Man blickt mit ihr auf einen spiegelglatt daliegenden See und erahnt unter der ruhigen Oberfläche doch unergründliche Tiefen – „Der schwarze Steg“ ist Åsa Larssons bisher bester Roman!

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2003 debütierte Åsa Larsson in Schweden mit „Sonnensturm“, das gleich zum besten Krimidebüt des Jahres ernannt wurde. 2004 folgte „Weiße Nacht“ und wurde wiederum von der Schwedischen Krimijury ausgezeichnet. 2006 erschien in Schweden mit „Der schwarze Steg“ ihr dritter Kriminalroman um die Anwältin Rebecka Martinsson, der nun auch auf Deutsch vorliegt. Zwei Jahre hat Åsa Larsson sich damit Zeit gelassen, ihren dritten Krimi zu Ende zu führen. Zwei Jahre, die Åsa Larsson offensichtlich gut genutzt hat! Alles, was bereits „Sonnesturm“ und „Weiße Nacht“ auszeichnete – sensible, überzeugende und vielschichtige Personenportraits, präzise und einfühlsame Mensch- und Milieuschilderungen sowie ein glaubwürdiger und spannend erzählter Krimiplot -, findet sich auch in „Der schwarze Steg“ – nur noch viel, viel besser!

Selten hat mich ein Krimi menschlich so berührt, hat mich der eigentliche Mord so wenig interessiert wie in diesem Roman. Denn obschon sich Åsa Larsson wie ihre skandinavischen Kollegen und Kolleginnen eines aktuellen, gesellschaftspolitischen Themas annimmt – der Emporkömmling Mauris Kallis und die verarmten Hochadel-Geschwister Inna und Diddi Wattrang verdienen mit Spekulationen und Konzessionen ihr Geld und schrecken auch nicht davor zurück, mit verbrecherischen Regimes in Afrika Geschäfte zu machen und einen Staatsstreich zu finanzieren -, sind es vor allem wieder die gefühlvollen und genauen Portraits der Haupt- und Nebenfiguren, die beim Lesen fesseln.

Starke Bilder von Menschen und ihren Bildern

Da ist natürlich Rebecka selbst, die, nachdem sie in „Weiße Nacht“ ihren Freund tot vorgefunden hat und in die Psychiatrie eingeliefert wurde, jeden Tag darum kämpft, in den Alltag und zu sich selbst zurück zu finden. Da sind ferner die dekadenten, Kokain schnupfenden und in inzestuöser Liebe verbundenen Geschwister Inna und Diddi. Während Diddi immer mehr versumpft und sich von Mauris korrumpieren lässt, durchschaut Inna, was Mauris treibt und vollzieht glaubwürdig geschildert eine Abkehr von ihm – was ihr das Leben kosten wird. Dann sind da noch die ermittelnden Kommissare Sven-Erik Stålnacke und Anna-Maria Mella, die mit jeder Zeile lebendiger werden und an Tiefe gewinnen. Vor allem aber ist dort Ester, Mauris Halbschwester, die bei samischen Pflegeeltern aufgewachsen ist und die in der Zeit sowohl zurück als auch nach vorne blicken kann, die außerdem ein großartiges Bild von sich und ihrer Pflegemutter schafft, das so plastisch, so grandios beschrieben ist, dass es einen beim Lesen direkt ins Herz trifft, und es sind ihre, Rebeckas und Anna-Marias, Esters und Innas, Diddis und Mauris Geschichten, die in den Bann ziehen, von denen große suggestive Kraft ausgeht – vor allem von Esters -, sodass man das Buch nicht mehr aus der Hand legen möchte, ehe es zu seinem Schluss gekommen ist.


Buchtipp
Camilla Läckberg - Die Schneelöwin
Der besondere Reiz der so lebensecht geschilderten Menschenbilder (und ihrer Bilder) geht dabei nicht zuletzt davon aus, dass man stets das Gefühl hat, nur an der Oberfläche zu kratzen, dass sich „dahinter“ noch viel, viel mehr – Abgründiges wie Liebenswürdiges, Verletzliches wie Verletzendes - verbirgt. Dazu platziert Åsa Larsson sie in ein ebenso reelles wie real geschildertes Milieu und erzählt ihre Geschichte von Liebe und Verrat und von Mord.

Kristallklar und doch unergründlich

Dabei erzählt Åsa Larsson zwar auch von der Globalisierung, vom Kapitalismus, von Macht und Moral, aber ihr Ton ist nicht aufgesetzt, nicht pathetisch, ihr Anliegen nicht mit großer Geste und viel Emphase vorgetragen, sondern verbirgt sich in den vielen Nuancen ihrer Charaktere, in deren Lebenswegen und –entwürfe. Dabei bleibt in der Erzählung immer ein bisschen Raum für das Metaphysische, ohne dass es kitschig oder abwegig würde. Im Gegenteil. „Der schwarze Steg“ zu lesen ist ein wenig wie aus einem kristallklaren, kalten Bergsee zu trinken – erfrischend und belebend, aber man erahnt unergründliche Tiefen darunter. Nach diesem Erlebnis betrachtet man die Welt mit anderen Augen. Keine Frage: „Der schwarze Steg“ ist Åsa Larssons bestes und stärkstes Buch bisher. Bitte mehr davon – selbst wenn bis zum vierten Roman wieder zwei oder gar drei oder vier Jahre vergehen sollten …!


Vielen Dank an Alexandra Hagenguth
© Juli 2007 Literaturportal schwedenkrimi.de - Krimikultur Skandinavien

"Weisse Nacht" von Åsa Larsson

Die Einsamkeit der Wölfin
Spannende Lektüre für heiße Sommernächte

Åsa Larsson begründet den Religionskrimi, versprüht ein wenig Fabel und gibt eine gute Portion Spannung und Intrige dazu - eine durchaus gelungene Mischung.
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Mord in der Mittsommernacht. Die Pastorin Mildred Nilsson wird tot in ihrer Kirche nahe Kiruna aufgefunden. Verdächtige gibt es viele - denn Nilssons radikales Engagement für Frauen (und für eine in der Gegend streunende Wölfin) rief bei vielen Männern Hohn, Wut und offenen Hass hervor. Rebecka Martinsson, die in Larssons Debütroman "Sonnensturm" den Mord an ihrem Jugendfreund Viktor Strandgård aufklärte und dabei in Notwehr die Mörder erschoss, gelangt eher zufällig und etwas widerwillig wieder in die Gegend ihrer Kindheit. Psychisch stark angeschlagen, will sie eigentlich mit den laufenden Ermittlungen nichts zu tun haben, doch schließlich wird sie doch in den Fall hineingezogen.

Erneut lässt Åsa Larsson im kirchlichen Milieu morden. Fast könnte man meinen, die Autorin wolle das neue Subgenre eines Religionskrimis begründen und warum eigentlich nicht? Anders als etwa bei Helena von Zweigbergks "Was Gott nicht sah" (2004) schafft es Åsa Larsson nämlich den religiösen Hintergrund und seine Figuren glaubwürdig und authentisch in den Krimi zu integrieren. Das gleiche gilt für die Figur der Rebecka Martinsson, die, da noch von den Ereignissen des letzten Jahres gezeichnet, genügend Raum für die anderen Charaktere lässt. Das schafft außerdem Platz für Intrigen, Gefühle und zwischenmenschliche Beziehungen, die entfaltet, hinterleuchtet und ausgelotet werden. Das verleiht den den wichtigen Figuren wie Teddy, Lars-Gunnar, Mimmi oder Lisa Biographien und gibt ihnen Konturen. Åsa Larsson erweist sich dabei als präzise und einfühlsame Beobachterin. So entsteht alles in allem ein mit Kiruna landschaftlich passendes Panorama wie auch ein Mosaik menschlicher Lebensläufe. Das bereitet zugleich den Boden für eine spannende und gekonnt komponierte Krimigeschichte, die gerade aufgrund ihrer menschlichen Verwicklungen und starken Figuren zu fesseln weiß. Oben drauf gibt's einen Leckerbissen für die LiteraturwissenschaflterInnen in uns: Die Geschichte der Wölfin, die aus ihrem Rudel in Russland hinüber nach Schweden vertrieben wird und ebenso ums Überleben kämpft wie Rebecka, ist eine nette, "fabelhafte" Metapher.

Vielen Dank an Alexandra Hagenguth
© Juli 2006 Literaturportal schwedenkrimi.de - Krimikultur Skandinavien

"Sonnensturm" von Åsa Larsson

Ritual-Mord im Zeichen des Nordlicht
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Dass er stirbt, passiert Viktor Strandgård durchaus nicht zum ersten Mal. Åsa Larssons Krimidebüt aus dem Jahr 2003 weckt gleich mit dem ersten Satz die Neugier des Lesers. Schließlich geschieht es nicht alle Tage, dass jemand häufiger als ein Mal stirbt. Noch dazu handelt es sich bei Viktor Strandgård um den strahlenden und charismatischen Führer der freikirchlichen Gemeinde Kirunas.

Sein Erlebnis eines Beinahe-Todes als Jugendlicher verändert den jungen Viktor und seine Heimatstadt. Im festen Glauben daran, dass eine neue freikirchliche Bewegung ihren Anfang in Kiruna nehmen wird, schafft Viktor die Vereinigung der drei freikirchlichen Gemeinden Kirunas zur "Kirche der Kraftquelle".

Doch jetzt liegt Viktor also tot vor dem Altar der Kirche der Kraftquelle. Ermordet. Bestialisch zugerichtet, mit abgehackten Händen, ausgestochenen Augen und hervorquellendem Gedärm. Alles deutet auf einen Ritual-Mord, mystisch beleuchtet vom ewigen Nordlicht.

Die Gemeinde schweigt - und droht

Aus einer anderen Welt scheint auch Sanna, Viktors Schwester, zu stammen, der der tote Viktor im Traum erschienen war und sie so zum Tatort geführt hat. Als dann die Tatwaffe und Viktors Bibel bei Sanna gefunden werden, gerät diese unter Mordverdacht. Sanna wendet sich in ihrer Verzweiflung an ihre ehemalige Freundin Rebecka Martinsson, jetzt Steueranwältin in Stockholm.

In ihrer Heimatstadt heißt man Rebecka nicht gerade mit offenen Armen willkommen, wurde sie doch einst von den drei Pastoren und den Älteren Brüdern aufgefordert, die Gemeinde zu verlassen. Warum, das bleibt zunächst im Dunkeln und wird peu à peu in Rückblicken Rebeckas dem Leser enthüllt. Auch das ein Erzählstrang, der Spannung erzeugt und stetig zum Weiterlesen verführt.

Leichter werden die Ermittlungen auch nicht dadurch, dass die Gemeinde eine Mauer des Schweigens errichtet. Rebecka trifft auf offene Ablehnung, Hass, ja sogar eine Morddrohung wird gegen sie ausgesprochen. Dennoch gelingt es ihr, Stück für Stück die ökonomischen Tricksereien und finanziellen Verwicklungen der drei Pastoren und ihrer Gemeinde aufzudecken, was Rebecka zum zugleich fulminanten wie bedrückenden Schluss in Lebensgefahr bringt.

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Sexueller Missbrauch

Dunkle, geheim gehaltene sexuelle Verhältnisse der Pastoren mit ihren Gemeindemitgliedern sind ein weiteres, starkes Motiv in "Sonnensturm". Dass am Ende nicht alles aufgeklärt wird, sondern dass das Motiv des sexuellen Missbrauchs an Sannas minderjährigen Kindern Sara und Lova im Ungewissen bleibt, macht das Buch nicht schwächer. Im Gegenteil.

"Sonnensturm" bereichert sich nicht auf Kosten des streng-konservativen, sektenähnlichen freikirchlichen Milieus, um es als reißerische Folie für den Krimi-Plot auszunutzen. Vielmehr ist es gerade der Eindruck, man habe eben erst die Spitze des Eisbergs offen gelegt, der von Åsa Larssons sensiblem menschlichen wie literarischen Gespür der schwierigen Thematik gegenüber zeugt und den Roman trotz des äußerst brutalen und blutrünstigen Mordes an Viktor Strandgård positiv aus der Masse hervorhebt.

Überzeugende Charaktere in neuer Umgebung

Doch Åsa Larsson überzeugt nicht nur im Umgang mit der Materie - ihr Onkel ist Pastor einer Læstadianischen Kirche -, sondern auch ihre Figurenzeichnung ist facettenreich. Hervorzuheben sind neben Pastor Thomas Söderberg vor allem Sanna, die "Sensible", die sich aus der Wirklichkeit ausklinkt, wenn es brenzlig wird und ihre Mitmenschen stattdessen in einer scheinbar unwissend-kindlich naiven Art manipuliert, das zu tun, was sie sich selbst nicht traut, und Rebeckas Chef Måns Wenngren. Der verlassene Ehemann und das versoffene Ekel, als das er zu Beginn porträtiert wird, entpuppt sich im Verlauf der Geschichte als eigentlich recht sensibler, wenn auch desillusionierter, Mann und loyaler Chef.

Alles in allem also ein gelungenes Krimidebüt, das zudem schon rein geografisch eine Bereicherung in der schwedischen Krimilandschaft darstellt und den bisherigen Epizentren des Verbrechens Göteborg, Stockholm und Ystad das vom Nordlicht durchflutete, bitterkalte spätwinterliche Kiruna entgegensetzt. Umso bedauerlicher, dass niemandem beim Verlag aufgefallen zu sein scheint, dass der ermordete Viktor Strandgård auf den Klappentexten permanent "Stråndgard" heißt - ein ärgerlicher, weil überflüssiger Fehler.

Vielen Dank an Alexandra Hagenguth
© April 2005 Literaturportal schwedenkrimi.de - Krimikultur Skandinavien

"Sonnensturm" von Åsa Larsson

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Nachdem Viktor Strandgård das erste Mal gestorben war, hatten sich in der nordschwedischen Stadt Kiruna drei evangelikale Kirchen zusammengeschlossen und ihn als charismatischen Prediger verehrt. Doch nun liegt er grausam verstümmelt vor dem Altar der neuen Vereinigungskirche. Das zwingt die Wirtschaftsanwältin Rebecca Martinsson in ihre alte Heimatstadt zurück, denn die tatverdächtige Schwester des Ermordeten bittet eindringlich um ihre Hilfe. Rebecca muss sich in Kiruna, das sie einst fluchtartig verlassen hat, unliebsamen Erinnerungen aus ihrer eigenen Vergangenheit stellen. Aus gutem Grund, denn diese Vergangenheit droht sie nun mit tödlicher Gewalt einzuholen ...

Ausgezeichnet als bestes Krimidebut Schwedens, überzeugt "Sonnensturm" von Åsa Larsson auch in der einfühlsamen Übersetzung von Gabriele Haefs. Die von Schnee und Eis umgebene, nur vom Polarlicht erhellte Stadt Kiruna bildet einen beklemmenden Hintergrund für die Sogwirkung religiöser Sektendynamik. Der stehen allerdings auch handfeste Charaktere wie die hochschwangere Polizeiinspektorin Anna-Maria Mella und nicht zuletzt auch Rebecca Matinsson gegenüber. Von der ersten bis zur letzten Seite spannungsgeladen, macht dieser Roman neugierig auf mehr aus der Feder von Åsa Larsson.

Vielen Dank an Ulrich Karger
© März 2005 buechernachlese
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