Camilla Läckberg - Die Schneelöwin
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Camilla Läckberg - Die Schneelöwin
 
Arne Dahl - Sieben minus eins

Interview mit der Autorin Åsa Larsson

Die schwedische Autorin Åsa Larsson Die schwedische Autorin Åsa Larsson
Die schwedische Autorin Åsa Larsson Die schwedische Autorin Åsa Larsson
Die Autorin Åsa Larsson

"Es gibt mehr im Menschen als wir erklären und verstehen können."

Åsa Larsson spricht sich in ihrem ersten Interview mit dem Literaturportal schwedenkrimi.de über Glaube, Religion und die Liebe der Großmütter aus.


Literaturportal schwedenkrimi.de:
"Sonnensturm" spielt im freikirchlichen Milieu Kirunas. Sie sind selbst in Kiruna aufgewachsen und Ihr Onkel ist Pfarrer einer Læstadianischen Kirchengemeinde. Wie prägte dieses Milieu Ihre Kindheit und Jugend?

Åsa Larsson:
Meine Großeltern, beide mütterlicher- und väterlicherseits, waren Læstadianer, eine strenge Bewegung innerhalb der schwedischen Kirche. Meine Eltern jedoch haben davon Abstand genommen. Ihre Generation, die Kinder der Læstadianer, werden auch Gottes Enkel genannt, und immer wieder wird davon berichtet, wie viele von ihnen eine starke Aversion gegen den Glauben und die Kirche entwickelt haben. Meine Eltern waren links und sie erzogen mich zu einem gewissen politischen Bewusstsein. Wie begehrt man dagegen auf? Man tritt natürlich einer Freikirche bei! Außerdem haben meine beiden Großmütter Spuren bei mir hinterlassen, Geborgenheit und Liebe ausstrahlende Frauen, die mit beibrachten, das Abendgebet zu beten - wenn schon meine Eltern keinen Anstand hatten, mir das beizubringen.

Literaturportal schwedenkrimi.de:
Was bedeutet denn heute Religion und der Glaube an Gott für Sie? Welches Verhältnis haben Sie heute zur Religion?

Åsa Larsson:
Ich bin aus der Kirche ausgetreten, als ich anfing, zu studieren. Mein eigener Glaube ist ziemlich zerbrechlich. Manchmal kann ich glauben, manchmal ist es ganz selbstverständlich, das zu tun. Manchmal ist es ganz unmöglich, oft ist mein Glaube wie ein Notsignal, das hinaus ins Weltall gesendet wird: Dich muss es geben, Dich muss es geben. Ich wünschte, es wäre einfacher und sicherer zu glauben. Aber auf der anderen Seite bin ich als Zweifler ein besserer Mensch. Während meiner Zeit als Christ war ich so übereifrig, hatte auf alles eine Antwort.

Literaturportal schwedenkrimi.de:
In "Sonnensturm" wirkt die Gemeinde der Kraftquelle fast mehr wie eine Sekte. Wie groß ist eigentlich die Gefahr, die von diesem Milieu ausgeht Ihrer Ansicht nach?

Åsa Larsson:
Ich glaube, dass Sekten schrecklich gefährlich sind. Auch wenn es nicht mit Gewalttätigkeiten und kollektivem Selbstmord endet, gibt es viele Opfer. Beispielsweise Kinder, denen es sehr schlecht ergeht, wenn ihren Eltern der eigene Wille und die eigene Identität genommen wird. Dass die Gesellschaft den Blick abwendet und die Leute einfach machen lässt, ist Verrat.

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Rezensionen
Literaturportal schwedenkrimi.de:
Haben Sie auch negative Reaktionen auf Ihr Buch von dieser Seite erfahren?

Åsa Larsson:
Natürlich bekomme ich Briefe nach dem Motto: "Wir sind viele Tausende, die für dich beten, Åsa Larsson, dass du der wahren Liebe Jesu Christu begegnen wirst." Oder: "Nur du, Åsa Larsson, kannst meinen HASS auf die Kirche verstehen." Aber direkt negative Erfahrungen, nein.

Literaturportal schwedenkrimi.de:
Einige der Gemeindemitglieder in "Sonnensturm" reden in Zungen. Was genau bedeutet das und wie muss man sich das vorstellen?

Åsa Larsson:
Das Reden in Zungen wird unter anderem im ersten Korintherbrief in der Bibel als eine geistige Gnadengabe erwähnt. In Zungen zu beten ist nach der Bibel und der christlichen Tradition Lobpreisung, es ist, zu beten und zu danken in einer Sprache, die man vom Heiligen Geist bekommen hat.

Literaturportal schwedenkrimi.de:
Waren Sie selbst mal dabei, als Menschen in Zungen geredet haben? Was ist das für ein Gefühl?

Åsa Larsson:
Ja, viele Male. Beim ersten Mal haben wir Jugendlichen uns halb tot gelacht. Aber dann wurde es zu einem starken und wichtigen Teil des Gebetes in der Gemeinde.

Literaturportal schwedenkrimi.de:
Ihrer Meinung nach: Ist das Reden in Zungen nur eine gute Erfindung, reiner Betrug oder liegt darin eine Wahrheit?

Åsa Larsson:
Ich würde niemals etwas im Glaubenserlebnis eines anderen Menschen als Betrug oder Erfindung abtun. Ich glaube, dass es in verschiedenen Religionen viele Phänomene gibt, wenn man das so nennen kann, und vielerlei Ausdrucksmöglichkeiten für die Geistigkeit des Menschen, die nicht unbedingt an eine Religion gebunden sein müssen. Es gibt mehr im Menschen als wir erklären und verstehen können.


Buchtipp
Camilla Läckberg - Die Schneelöwin
Literaturportal schwedenkrimi.de:
Ihr zweites Buch - "Det blod som spillts" - spielt auch im freikirchlichen Milieu. Woher kommt dieses "Verlangen", gerade im kirchlichen Milieu zu töten?

Åsa Larsson:
Ha, ha, gute Frage. Die Kirche ist ein sehr belastetes Milieu. Ich liebe die Kirche und gleichzeitig macht sie mich wahnsinnig. Und auf gewisse Weise ist es schlimmer, wenn diese Menschen, die denken, sie allein wüssten die Wahrheit und stünden für das Gute - im Unterschied zu uns anderen -, wenn diese Menschen das Böse sind.

Literaturportal schwedenkrimi.de:
Was denkt denn Ihre Familie darüber? Wann haben Sie "genug" Priester getötet?

Åsa Larsson:
Als mein zweites Buch erschien, rief mich mein Onkel an, der Pfarrer ist, und sagte: "Jetzt musst du aber aufhören, Priester zu töten." Und das habe ich auch versprochen.

Literaturportal schwedenkrimi.de:
Auf wie viele Bücher mit Rebecka Martinsson dürfen wir uns denn noch freuen? Gibt es schon Pläne für die nächsten Geschichten?

Åsa Larsson:
Sechs Bücher sollen es werden und ich habe eine ganz gute Übersicht darüber, was mit ihr passieren soll. Es ist spannend, über eine junge Frau auf diese Weise zu schreiben. Sie ist niemals gleich. Sie verändert und entwickelt sich.

Literaturportal schwedenkrimi.de:
Wir danken Åsa Larsson für ein interessantes und lehrreiches Gespräch!

Autorin:
Alexandra Hagenguth/ KONTEXTE - Wissensportal für Text, PR, skandinavische Sprachen und Literaturen
© Mai 2005 - Literaturportal schwedenkrimi.de - Krimikultur Skandinavien
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