Camilla Läckberg - Die Schneelöwin
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Arne Dahl - Sieben minus eins
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"Der kalte Blick" von Theodor Kallifatides

Krimi-Tragödie
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Theodor Kallifatides schreibt eine moderne Version der griechischen Tragödie und einen literarischen Krimi der Spitzenklasse

In „Der kalte Blick“ bringt Theodor Kallifatides seine Figuren wie in einer griechischen Tragödie in eine unauflösliche Situation und konfrontiert den Charakter mit seinem Schicksal. Hier wie dort gibt es keinen Weg, nicht schuldig zu werden. Aber anders als in der klassischen griechischen Tragödie führt der Konflikt nicht zum Zusammenbruch. Vielmehr ist es in der modernen Version, die Theodor Kallifatides bietet, den Protagonisten möglich, sich mit ihrem Schicksal zu versöhnen und mit der Schlange im Paradies weiterzuleben, denn ohne die Schlange ist das Paradies nicht denkbar – ein literarischer Krimi der Spitzenklasse!

„Wenn man seinem Schicksal begegnet, sollte man keine Eile haben.“ Dieser Satz fliegt der jungen Kommissarin Kristina Vendel im Laufe der Ermittlungen zum Mord an einer verbrannten Frauenleiche zu, ohne dass sie weiß, woher er kommt. Doch er wird zum Sinnbild für Kristinas zu diesem Zeitpunkt brüchige Existenz, für die Ermittlungen und für diesen Roman. Am Ende steht die Erkenntnis: Man kann den Zufällen, die das Leben ausmachen, nicht entfliehen. Man hat nur eine Chance – das Leben, das man hat, zu leben. Das klingt – aus dem Zusammenhang gerissen – banal, wer aber weiß, dass Kristina einige Monate zuvor vier Stunden in der Gewalt von Menschenhändlern war, die sie bewusst- und willenlos, sie für sexuelle Handlungen gefügig gemacht und dabei fotografiert haben, versteht, dass es hier noch um mehr geht.

Vor die Wahl gestellt: der Liebe oder dem Gewissen folgen?

Theodor Kallifatides stellt seine Figuren – allen voran Kristina – wie in einer griechischen Tragödie vor die Wahl: der Liebe, dem Gefühl zu folgen oder dem Gewissen. Charakter und Schicksal, eines der klassischen Gegensatzpaare der Tragödie, treten in Widerstreit. Und wie es in einer griechischen Tragödie für die Akteure keinen Weg gibt, nicht schuldig zu werden, macht sich auch Kristina in „Der kalte Blick“ schuldig. Weil sie sich in einen Mörder verliebt. Weil sie ihn schließlich doch für das Gewissen, für den Rechtsstaat und seine Menschen, die zu schützen, ihr Beruf ist, opfert.

Sexualität als kathartischer Akt - Man schläft nicht aus moralischen Erwägungen mit einem Menschen

Doch wo in der griechischen Tragödie der durch das Schicksal und die Götter unausweichliche Konflikt den inneren und äußeren Zusammenbruch der zentralen Person zur Folge hat, scheinen die Geschehnisse für Kristina genau das Gegenteil zu bewirken. Die Einsicht, seinem Schicksal nicht entfliehen, aber dennoch leben und lieben zu können, sich weder das eine noch das andere vorzuwerfen, das Leben so zu akzeptieren ,wie es ist, verdankt Kristina gerade der vermeintlich unauflöslichen Situation, in der sie sich während der Ermittlungen befindet. Ja, sie hat einen Mörder geliebt, aber er war „für sie vor allem der Mann, mit dem sie die Lust wiederentdeckt hatte, das Begehren, die stumme Sprache der Zärtlichkeit.“ Die Jahre der sexuellen Abstinenz sind vorbei, Liebe, Sex und Zärtlichkeit trotz der sexuellen Übergriffe – wieder oder noch – möglich. Trotzdem wird auch sie zur Mörderin, empfindet es zumindest so. Theodor Kallifatides gestaltet die Begegnung Kristinas mit dem androgynen Mörder als kathartisches Erlebnis. Was passiert ist, hat Dämme gebrochen, Mauern eingerissen, den Weg für ein zukünftiges Leben freigemacht, denn: „Man schläft nicht aus moralischen Erwägungen mit einem Menschen. Man schläft mit seinem Körper, mit der Wärme in seinem Blick, mit seinen Liebkosungen, mit der Kraft des Begehrens.“

Schicksalsdrama des 21. Jahrhunderts

Das alles ist mit leichter Feder be- und geschrieben, bittersüß anmutig, aber niemals kitschig, niemals verkrampft oder unglaubwürdig. Die Figuren, die Guten wie die Bösen, man mag sie alle, weil auch ihr Autor sie nie verachtet und die Grenzen zwischen ihnen verschwimmen. „Es gibt keinen unschuldigen Menschen“, lässt Kallifatides am Ende eine seiner Figuren folgerichtig feststellen. Also haben die Guten ebenso schlechte Eigenschaften wie die Bösen gute. Es bleibt die Herausforderung, herauszufinden, nach welchen moralischen Maßstäben einer zum „bösen“ Mörder wird, der verurteilt, eingesperrt gehört, und nach welchen moralischen Maßstäben jemand zum „guten“ Mörder wird, den das Gesetz vor Bestrafung schützt. Kristina jedenfalls gerät in „Der kalte Blick“ kurzzeitig zwischen die Fronten, als sie versucht herauszufinden, wer der Mörder der verbrannten Frauenleiche ist, wer außerdem Mikael Gospodin erschossen hat, den russischen Schwerkriminellen, der im Besitz eines Polaroids der Kommissarin in obszöner Stellung ist und was an den Gerüchten, den indischen Literaturnobelpreisträger V.S. Naipaul während der Preisverleihung zu erschießen, dran ist. Und dann ist da eben noch Kemal, mit dem Kristina eine Leidenschaft erlebt, von der sie nicht mehr zu träumen gewagt hatte …

Moderne Krimi-Tragödie

„Der kalte Blick“ ist ein literarischer Krimi der Spitzenklasse. Das komplexe Themenszenario fügt der 1964 nach Schweden emigrierte Grieche mühelos zu einer modernen (Krimi-)Tragödie zusammen, zu einem wahren „Schicksalsdrama“ des 21. Jahrhunderts unter dem „Deckmantel des Krimis“. Mehr davon!

Vielen Dank an Alexandra Hagenguth
© Juni 2007 Literaturportal schwedenkrimi.de - Krimikultur Skandinavien


Buchtipp
Camilla Läckberg - Die Schneelöwin

"Ein leichter Fall" von Theodor Kallifatides

Offensichtliche Klarheit verdeckt die unerwartete Wahrheit
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Eine gute Geschichte erzählt stets von Menschen und deren Erlebnissen, Erfahrungen und Handlungen. So wie dieser Roman, in welchem der Autor eine neue Figur gebiert, die künftig häufiger auftreten wird: Kommissarin Kristina Vendel, die neue Leiterin der Mordkommission. Was gefällt ist die sprachliche Finesse, mit welcher der griechische Schwede seine Protagonisten vorstellbar werden lässt. Man lernt sie mit ihren Gefühlen und Gedanken kennen, nimmt ihre Natürlichkeit und vor allem Normalität angenehm berührt auf und sieht ihre Handlungen voraus, vollzieht sie in gewisser Weise nach oder ist zufrieden, wenn man sie einfach versteht. Trotzdem scheint bisweilen die Tatverfolgung durch die Kriminalisten etwas unter zu gehen. Das Mordopfer kommt offensichtlich schon länger im Wasser gelegen einfach daher geschwommen aus dem frisch aufgetauten Eis eines Kanals der schwedischen Hauptstadt. Der relativ schnell gefundene und vor allem geständige Mörder erweist sich allerdings nicht als der Weisheit letzter Schluss. Es wäre auch zu einfach gewesen. Eine weitere Person gibt vor, das weibliche Opfer getötet zu haben. Dieser ungewöhnliche Umstand gibt der Geschichte den richtigen Antrieb. Schließlich soll es neben allen Privathintergründen von Frau Vendel und deren Ermittlerteam, schon hauptsächlich um einen waschechten Mord gehen! Der Autor und vor allem seine Kommissarin müssen sich dabei schon anstrengen, um sich darauf zu konzentrieren, die sich langsam lichtenden Verflechtungen sinnvoll zur Aufklärung des Verbrechens zu deuten. Wer bis zum Ende die irgendwie trotz aller Grausigkeit des Geschehens geduldig weiter liest, bekommt eine geradezu verständliche und psychologische Abrundung des Falles erzählt, die einen das Buch dennoch kopfschüttelnd und zugleich mit der Gewissheit zuklappen lässt, dass es trotz aller Realitätsnähe eben doch nur eine Geschichte war.

Vielen Dank an Uli Geißler, Freier Journalist und Autor aus Fürth / Bayern
© Januar 2005 Redaktionsbüro Geißler für das Literaturportal schwedenkrimi.de

"Ein leichter Fall" von Theodor Kallifatides

(K)ein leichter Fall für Kristina Vendel
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Theodor Kallifatides, schwedischer Journalist und Autor griechischer Herkunft, hat mit "Ein leichter Fall" sein Krimidebut vorgelegt. In Stockholm wird eine weibliche, in einem Plastiksack verpackte Leiche, ans Ufer eines Kanals gespült. Kristina Vendel, studierte Philosophin und frisch gebackene Leiterin der Mordkommission, wird mit dem Fall betraut. Das Team um Vendel findet nach und nach heraus, dass das Opfer aus Estland stammte und ahnt Verbindungen zum Prostituiertenmilieu. Kurz wird das traurige Leben der jungen Frau und ihrer Familie skizziert, die vom Pech verfolgt scheint. Allzu schnell befindet man sich auf der richtigen Spur, nämlich der des früheren Liebhabers, eines verkannten Musikers. Neben Kristina Vendel gibt es weitere Ermittler, deren Leben und Probleme immer wieder kurz angerissen werden, die aber insgesamt farblos bleiben. So wird eine Polizistin beispielsweise von ihrem eigenen Mann missbraucht, was ohne Konsequenzen bleibt.

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Kallifatides verurteilt niemanden, auch nicht Vendels Mann, der sie mit einer Kollegin betrügt und schließlich verlässt. Meines Erachtens nach widmet er sich zu vielen Personen und versäumt es deswegen, die wichtigsten etwas runder zu gestalten. So agiert Kristina Vendel nur selten als philosophische Ermittlerin mit Gespür für mehr als das, was augenscheinlich ist. Der Tatverdächtige gesteht dann auch bald, wobei sich am Ende herausstellt, dass er lediglich seine neue Geliebte, die den Mord aus Eifersucht beging, decken wollte. Außer der eindimensionalen Charakterzeichnung missfällt an diesem Debut vor allem eins: Die obskuren Vergleiche. Vielleicht mag es an der deutschen Übersetzung liegen, aber Vergleiche wie "dann schwamm das Gespräch umher wie eine Robbe" oder"dieser Mann hatte so viel Gefühl wie ein Bügeleisen" lassen doch sehr zu wünschenübrig. Gäbe Kallifatides Kristina Vendel mehr Raum und Profil, könnte sie sich dennoch irgendwann zu einer sympathischen Ermittlerin entwickeln.

Vielen Dank an unsere Rezensentin Katja Perret.
© Dezember 2004 Literaturportal schwedenkrimi.de - Krimikultur Skandinavien

"Ein leichter Fall" von Theodor Kallifatides

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Der erste Fall von Kristina Vendel als neue Leiterin der Mordkommission. Eine weibliche Leiche in einem Plastiksack. Sie muß mehrere Monate in dem Stockholmer Kanal gelegen haben, denn das Eis ist gerade erst geschmolzen. Allein die Identität der Toten aufzudecken, dauert eine ganze Weile, aber dann scheint es am Ende ganz einfach zu sein. Nach seiner Ergreifung legt der Tatverdächtige zwar ein umfangreiches Geständnis ab, doch kurze Zeit darauf nimmt eine zweite Person für sich in Anspruch, das Opfer getötet zu haben. Walters und Mankell haben Konkurrenz bekommen, und was für eine! Theodor Kallifatides, Jahrgang 1938, ist gebürtiger Grieche, lebt aber bereits seit bald 40 Jahren als preisgekrönter Autor und Journalist in Schweden. "Ein leichter Fall" ist sein erster, höchst vielversprechender Kriminalroman um Kristina Vendel, der sich nicht zuletzt auch dank der kongenialen Übersetzung von Susanne Dahmann als ein Gewinn für das Genre in unserem Sprachraum ausweist. Skandinavische Ernsthaftigkeit verbunden mit homerischem Sinn für Lakonie geben ihm eine tiefgründige Leichtigkeit. Anstatt sich die Kommissarin gewichtig im melancholischem Weltschmerz aalen zu lassen, inszeniert Kallifatides ein Kaleidoskop verschiedenster Gefühle und Anschauungen, indem er allen Protagonisten, seien es nun die Mitarbeiter des Kommissariats oder auch die Verdächtigen, Raum zur unprätentiösen Selbstdarstellung gibt. Daß Kristina Vendel Philosophie studiert hat und ihr Vater DDR-Flüchtling und Lateinlehrer war, steht so neben vielen anderen skurrilen Lebenswegen. Wie im 'richtigen Leben' haben deren Gewohnheiten, Lieben und Trennungen einen zufälligen oder eben gar nicht so zufälligen Anteil an der Lösung dieses Falles. So reihen sich mit jedem Kapitel unaufdringlich dichte Minutenromane zu einem spannenden wie ironischen Ganzen, aus dem man am liebsten absatzweise zitieren möchte, so originell erhellend wie treffend sind die Sprachbilder, um hier eine Situation oder dort eine Person zu charakterisieren. Und am Schluß steht ein Urteil, daß in aller Gelassenheit nicht mehr verspricht, als die Grauzone demokratischer Kompromisse zuläßt. - Feinste, horizonterweiternde Unterhaltung also!

Vielen Dank an Ulrich Karger
© 2003 buechernachlese
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