Camilla Läckberg - Die Schneelöwin
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Camilla Läckberg - Die Schneelöwin
 
Arne Dahl - Sieben minus eins
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"Brigade der sauberen Hände" von Ole Bornemann

Das Verwerfliche kann man auch lieben
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So einen Kommissar gab es - glaube ich - noch nie. Einer der engagiert und durchtrieben die Verfolgung eines korrupten Netzwerkes aufnimmt und schrittweise Ermittlungserfolge aneinanderfügt. Drei Morde innerhalb kürzester Zeit bringen den Mann des Gesetzes ordentlich auf Trab und schaffen Verwirrung aber eben auch einen starken Einstieg.

Seine Erkenntnis führt ihn schließlich zum Kopf eines verbrecherischen "Unternehmens": Coldorani. Der will sich zur Ruhe setzen und fortan unbelastet und unbelästigt seinen Lebensabend verbringen. Sein Angebot reizt Tom Borg, den sympathischen Kriminalisten so, dass er sich darauf einlässt, zumal ein noch viel "dickerer Fisch" ins Netz gehen könnte, Joël Global, Kopf eines Verbrechersyndikats mit einflussreichen Verbindungen zu Regierungskreisen in Paris. Interessanter Weise bleibt der abtrünnige Kommissar dennoch liebenswert und ruft keineswegs ehrrührige Empfindungen hervor.


Buchtipp
Camilla Läckberg - Die Schneelöwin

Der dänische, in der Handlungsregion Südfrankreich lebende Autor schafft es mit seiner lebendigen Erzählweise das Abwegige, Korrupte so zu schildern und die Figuren so zu gestalten, dass man letztlich nur wenig gegen die handelnden Protagonisten haben kann. Vielmehr lenkt er die Ablehnungsempfindungen auf ein ganz anderes System, das vermeintlich legale, staatliche. Dort blüht das, was der Kommissar eigentlich bekämpfen will viel unaufhaltsamer, als in den Grenzen einer Mafia-Organisation.

So schlägt man sich mehr oder weniger willig auf die Seite der "Bösen" - anfangs ohne es zu merken - und bleibt bis zum Ende gespannt interessiert, wie es wohl aussehen wird. Ahnen kann man es nicht und so hat der Autor eine gute Form getroffen, die Leselust bis zu den letzten Zeilen hoch zu halten. Der Roman gefällt auch, weil er so aufrichtig formuliert beschreibt, was die handelnden Figuren bewegt. Ein wenig ist die Geschichte eben normal, was sie vielleicht erst Recht lesenswert macht.

Vielen Dank an Uli Geißler, Freier Journalist und Autor aus Fürth / Bayern
© August 2004 Redaktionsbüro Geißler für das Literaturportal schwedenkrimi.de

"Es lebe der Präsident" von Ole Bornemann

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Als auf einer Müllhalde in der Nähe von Nizza die Leiche einer jungen Frau gefunden wird, übernehmen Kommissar Grissard und sein Kollege Inspektor Brun von der zuständigen Mordkommission die Ermittlungen. Zunächst ergeben sich Hinweise auf den Chirurgen Vangard, in dessen Klinik die Tote als Krankenschwester arbeitete und der in undurchsichtige Machenschaften um Organhandel und Nierentransplantionen verwickelt zu sein scheint. Doch es gibt Ungereimtheiten: So zeigt der Körper der ermordeten Caroline Tricot Spuren von Folterungen, und auch die luxuriöse Wohnung des Opfers und ihr für eine Krankenschwester beträchtliches Bankguthaben lassen die Ermittler stutzen. Doch schon bald stößt Grissard auf Indizien, die nahelegen, dass höchste Regierungskreise bis hin zum Ministerpräsidenten Lopac in den Mordfall verwickelt sind.

Ole Bornemann folgt bei seinem Debüt zunächst dem klassischen und zuletzt sehr erfolgreichen Muster des Kriminalromans: Die Hinterlassenschaft eines Verbrechens wird gefunden und es setzen Nachforschungen ein, bei denen der Ermittler als Hauptfigur im Zentrum des weiteren Geschehens steht. Nach etwa einem Drittel nimmt das Buch eine Wendung, die in dieser Form bei den übrigen erfolgreichen Krimiautoren und -autorinnen vor allem aus Skandinavien wie z. B. Henning Mankell, Liza Marklund, Gunnar Staalesen, Anne Holt, Bjarne Reuter, Leif Davidsen, Juliane Preisler, Björn Hellberg, Ingvar Ambjörnsen oder Håkan Nesser nicht zu finden ist. Der Ermittler, hier ein Polizist, erweist sich als korrupt und wird aufgrunddessen auf vielschichtige Weise selbst zum Täter. Die Aufklärung des ursprünglichen Verbrechens ist von diesem Punkt an nur noch von untergeordnetem Interesse und die Frage, ob die Machenschaften des Kommissars aufgedeckt werden oder nicht, rückt beim Leser in den Mittelpunkt. Der Wandel der Figur in ihrer Darstellung wird durch die neue Identität in Form von gefälschten Ausweispapieren und verändertem Aussehen auch äußerlich vollzogen. In diesem Teil nimmt das Werk in manchen Passagen teilweise den Charakter eines Thrillers bzw. eines Agentenromans an, in dem es um deponierte Briefumschläge, Geheimdienstler, doppelte Wände und darum geht, die Gegenseite auszutricksen.

  Ole Bornemann bei schwedenkrimi.de
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Eine weitere Besonderheit gegenüber den Romanen der genannten Erfolgsschriftsteller stellt sicherlich die mondäne Hintergrundkulisse der Handlung dar. Dass ein Krimi eines dänischen Autoren an der Mittelmeerküste Frankreichs im sozialen Umfeld aus Chefärzten, Edelprostituierten und hochrangigen Politikern und nicht im provinziellen Hinterland oder den pulsierenden Metropolen der nordischen Länder im Dunstkreis von Außenseitern und Psychopathen spielt, ist sicher ungewöhnlich. Doch gelingt die Verbindung skandinavischer Krimi- und Erzähltradition einerseits sowie südländischer Mentalität und Umgebung andererseits im vorliegenden Roman ausgezeichnet.
Daneben ist der Rahmen der Gesellschaftskritik bei Bornemann im Vergleich zu den o. g. Verfasserinnen und Verfassern wesentlich enger gesteckt. Kaputte Familien und zerrüttete Privatleben behandelt er allenfalls am Rande. Seine Themen sind im Wesentlichen Korruption und Bestechlichkeit sowie `Vetternwirtschaft´ innerhalb staatstragender Bereiche wie Politik, Polizei und Presse, was er schon durch das vorangestellte und von ihm frei erweiterte Shakespearezitat "There is something rotten in the states of Denmark, France, Germany, Italy, US, England, Norway, Russia, etc. ..." und innerhalb seines Vorworts deutlich macht. Bei Bornemann ist sich jeder selbst der Nächste, Loyalität und Pflichtbewusstsein existieren nicht und sind von den vermeintlichen Protagonisten dieser Tugenden nur nach außen und zum Schein aufrecht erhaltene Floskeln, die eine dreist-trügerische Fassade bilden. Mit Umschreibungen wie `Deroute der Moral´ oder `Rennaissance der Lüge´ ließe sich in etwa die übergeordnete Botschaft dieses Buches zusammenfassen. Einen Ausweg aus dieser Situation oder eine Eindämmung der Entwicklung deutet der Autor nicht an. Am Ende siegen nicht nur die Bösen, sondern die Guten gibt es nicht einmal.

Auffällig ist, dass der Roman in seinem Original offenbar schlecht redigiert wurde, was viele Druck- bzw. Tippfehler und falsche Satzzeichen sowie unterschiedliche Schreibweisen des Namens ein und derselben Figur belegen (auf Seite 160 tritt z. B. eine Figur namens Fassi auf, die nur wenig später auf Seite 166 Facci heißt). Aber der schnelle und präzise, fast reportagenhafte Erzählstil - unterstrichen durch die Betitelung der Kapitel mit den einzelnen Wochentagen - vermeidet Längen und überflüssige Passagen und bewirkt so ein hohes Tempo innerhalb des gesamten Buches.

"Es lebe der Präsident" (Det sidste vidne) ist eine spannend erzählte Geschichte von hohem Unterhaltungswert gepaart mit gesellschaftskritischem Engagement des Verfassers und kann aufgrund der angesprochenen Ingredienzen als ein Kriminalroman von internationalem Zuschnitt bezeichnet werden. Es stellt sich daher die Frage, warum dieses Buch nicht schon früher für den deutschsprachigen Raum entdeckt bzw. genutzt wurde. Unter der Voraussetzung, dass die erwähnten Besonderheiten, durch die sich das Werk von anderen Texten des gleichen Genres unterscheidet, vom Verlag in Präsentation und Vorstellung berücksichtigt und über den Buchhandel an den Leser weitergegeben werden, können für "Es lebe der Präsident" (Det sidste vidne) am deutschen Buchmarkt gute Erfolgschancen prognostiziert werden. Der im vergangenen Jahr in Dänemark erschienene zweite Kriminalroman Bornemanns würde gegebenenfalls eine Fortsetzung seiner Autorenschaft im hiesigen Sprachraum ermöglichen.

Vielen Dank an Patrick Zöller
© August 2003 Literaturportal schwedenkrimi.de - Krimikultur Skandinavien

"Es lebe der Präsident" von Ole Bornemann

Auf höchster Ebene kriminell
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Die Story um die Mord an einer vermeintlichen Krankenschwester hat es in sich. Ziemlich schnell wird deutlich, dass etwas vertuscht werden soll, das sich in höchsten Politikerkreisen abgespielt hat.
Die lang vorhaltenden Vermutungen machen wahrscheinlich den Reiz aus, denn der Autor schafft es, lange Ungewissheit vorherrschen zu lassen. Dennoch sind die anfänglichen Gedanken näher an der Wahrheit dran, als es über lange Zeit scheint.

Der dänische Autor hat den Plot nach Frankreich verlegt, was irgendwie gut passt und keinerlei Zweifel aufkommen lässt, ob der Handlungsort nun möglich sein kann oder nicht. Man glaubt es und hechelt den Schuldigen hinterher.
Pikanterweise zieht einen der Autor so in die Lebenswirklichkeit seiner Protagonisten mit hinein, dass man sogar wohlwollend die ungesetzlichen Vorhaben des Kommissars gedanklich unterstützt. Das Ende gefällt zwar schließlich wenig, aber es bleibt das angenehme Gefühl, einen guten Krimi gelesen zu haben. Und das wollte der Autor vermutlich ja auch.

Vielen Dank an Uli Geißler, Freier Journalist und Autor aus Fürth / Bayern
© Juli 2003 Redaktionsbüro Geißler für das Literaturportal schwedenkrimi.de
© 2001 - 2016 Literaturportal schwedenkrimi.de - Krimikultur Skandinavien
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