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| Liza
Marklund - Foto: Alexandra Hagenguth/schwedenkrimi.de |
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Moderatorin Ingrid Müller-Münch von der "Mordsberatung"
auf WDR5 zeigt sich überzeugt: "Auch dieser Krimi wird wieder
ein Bestseller!" Dann gibt es die erste Leseprobe und die rund
100 Gäste im ausverkauften Spiegelsaal des Haus' Opherdicke (bei
Unna/Westfalen) können sich von der abweisend-kalten November-Landschaft
Norrlands, wohin es Annika dieses Mal verschlägt, selbst ein Bild
machen. Zuerst im melancholischen Schwedisch, dann im harten Deutsch
heißt es da gleich zu Beginn: "Er hatte es nie ertragen,
Blut zu sehen. Da war etwas mit der Konsistenz, zähflüssig
und pulsierend zugleich."*
Benny Ekland, Journalist und Annikas Kontaktmann bei der Norrlands-Tidningen,
ist ermordet worden. Bald darauf ist auch der einzige Zeuge, der etwa
15jährige Linus, tot. Ermordet. Und Annika, die nach ihrer Geiselnahme
in "Olympisches Feuer" Engelsstimmen singen hört, mitten
drin. Die Vorstellung ist beunruhigend. Plötzlich jedoch Boogie-Woogie
aus den Tasten des Pianisten Jörg Hegemann, der für einen
kurzen Augenblick die Gänsehaut verscheucht, die sich bei der Vorstellung
an ein bereits in Winterstarre und Kälte gehülltes Luleå
mitten in Norrland sowie beim Gedanken an die grausamen Morde im hohen
Norden, einstellt.
Doch Liza Marklund reicht es nicht, einfach eine spannende Mordsgeschichte
zu erzählen. Bücher sind für sie, wie sie im Gespräch
mit Moderatorin Ingrid Müller-Münch erzählt, ein Werkzeug
unter mehreren, um die Welt zu verändern. So findet sich dann auch
ein Dialog zwischen Annika Bengtzon und Chefredakteur Anders Schyman
auf der Leseliste, in dem es um Presse-Ethik geht: "'Glaubwürdigkeit?
Meinst du, dass die Leute die Zeitung wegen unseres seriösen Journalismus'
kaufen?' Sie lachte kurz und trocken. Anna Nicole Smith letzte
Woche auf unseren Laufzetteln drei Tage in Folge, (
) am Samstag
ein Typ, der in einer Doku-Soap onaniert hat. Am Sonntag hat die Kronprinzessin
ihren Freund geküsst. Was soll das? Begreifst du nicht, was du
aus dieser Zeitung gemacht hast?' (
) Ich dachte, du würdest
dich über den Erfolg der Zeitung freuen', sagte er ein wenig erstickt.
Mit Eye-Catchern auf der Eins und den Laufzetteln arbeiten, so
nennst du das doch? Weißt du, wie ich das nenne? Auf Schlamm und
Scheiße setzen.'"*
Was möchte Liza Marklund denn an dieser Welt verändern, will
das Publikum wissen. "Für den Anfang würde es genügen,
die Gewalt gegen Frauen zu stoppen und dass Kinder in dieser Welt verhungern
müssen", so die Autorin und Journalistin gewohnt kurz, knapp
und prägnant. Ebenso unmissverständlich macht sie klar, dass
Annika im Gegensatz zu ihrer Schöpferin die Welt nicht verändern
will: "Sie will einfach nur ein gutes Leben führen."
Aber einen glücklichen Eindruck macht sie, die von ihrem Mann als
"kantiges Marsmännchen" beschrieben wird, nicht unbedingt,
so Ingrid Müller-Münch. Nein, in der Tat, doch auf ihre Weise
sei Annika zufrieden, wenn sie nur ein gutes Leben mit Mann, Kindern
und ihrem Beruf als Journalistin führen könne, so Liza Marklund.
Ohne Zweifel sei Annika anstrengend. Man könne nicht so viele Fehler
machen und trotzdem Erfolg haben. "Doch vielleicht dürfen
auch Frauen Fehler machen, wenn ich weiter darüber schreibe."
Denn eins dürfe man(n) nicht vergessen: "Sie ist Mensch -
obwohl sie Frau ist." Mit einem letzten Boogie-Woogie auf die Gleichberechtigung
geht Liza Marklunds Crime Solo beim "Mord am Hellweg" ganz
unblutig und harmonisch zu Ende.
* Übersetzung nicht der deutschen Ausgabe entnommen, sondern
frei nach dem schwedischen Original übersetzt.
Autorin:
Alexandra Hagenguth/ KONTEXTE - Wissensportal für Text, PR, skandinavische Sprachen und Literaturen
© Oktober 2004 - Literaturportal schwedenkrimi.de - Krimikultur
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