Camilla Läckberg - Die Schneelöwin
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Arne Dahl - Sieben minus eins

Interview mit dem Autoren Jón Hallur Stefánsson

Jón Hallur Stefánsson Jón Hallur Stefánsson
Jón Hallur Stefánsson Jón Hallur Stefánsson
Der Autor Jón Hallur Stefánsson
© Sigfús Már Pétursson
Im August 2007 ist im List Verlag von Jón Hallur Stefánsson der Roman „Eiskalte Stille“ erschienen. Jón Hallur ist ein isländischer Autor, der in Island zum ersten Mal mit einer Kurzgeschichte in Erscheinung getreten ist. Mit dieser Kurzgeschichte „Enginn engill“ gewann er im Jahre 2004 gleich einen Wettbewerb für die beste Krimikurzgeschichte in Island. Und mit seinem Romandebüt „Krosstré“, erschienen im Jahre 2005, hatte er einen großen Erfolg. In Island wird er als „Kronprinz“ der isländischen Kriminalliteratur bezeichnet. Wir freuen uns sehr, dass Jón Hallur bereit war, ein Interview für schwedenkrimi.de zu geben.

Literaturportal schwedenkrimi.de:
Folgendes weiß ich über Deine Biographie: Du hast eine Ausbildung in spanischer Sprach- und Literaturwissenschaft und hast schon viele Tätigkeiten in Deinem Leben ausgeübt. Darunter einige Lyrikbücher im Selbstverlag herausgegeben, Songbücher geschrieben, Du warst Mitherausgeber einer Lyrikzeitschrift, Radioproduzent und Übersetzer. Unter anderem hast Du  Garcia Lorca „Poet in New York“ übersetzt. Habe ich etwas vergessen?

Jón Hallur Stefánsson:
Nun, ich kann erwähnen, dass ich an ein paar Theaterproduktionen teilgenommen und die Musik und die Geräuschkulisse gemacht habe - und diese Erfahrung war eindeutig wertvoll für mich gewesen. Tatsächlich ist mein erstes Hörspiel gerade im Nationalen Isländischen Radio erst aufgeführt worden: Ein Krimistück. Und, um noch etwas anzufügen, auf das ich sehr stolz bin, kann ich sagen, dass ich letztes Jahr mit meiner Frau und anderen Radioproduzenten, an einem Projekt gearbeitet habe, um jungen Menschen die Grundlagen der Hörfunkdokumentation beizubringen. Wir nennen unser Projekt Polar Radio und wir haben Workshops in Island, Grönland und den Färöer Inseln organisiert.

Literaturportal schwedenkrimi.de:
Kommissar Valdimars einzige Musik, die er gerne hört, ist „Kind of Blue“ von Miles Davis. Du hast ja nun auch viel mit Musik zu tun. Teilst Du dieses Interesse an Miles Davis mit Valdimar?

Jón Hallur Stefánsson:
Natürlich ist "Kind of Blue" großartig und ich denke, Valdimar hat von dort aus einen leichteren Zugang in Miles Zusammenarbeit mit Gil Evans, welche eigentlich nicht meine bevorzugten Aufnahmen mit Miles Davis sind. Doch Valdimar kann vielleicht mehr Nutzen daraus ziehen, seine Ohren der etwas wilderen Musik von Miles Davis zu öffnen, angefangen mit dem funky "On the Corner", das ich in letzter Zeit ganz oft gehört habe. Aber ich habe noch einen langen Weg mit Miles Davis zu gehen, denn ich kenne nur ein paar von seinen Alben.

Literaturportal schwedenkrimi.de:
Was war Dein einprägsamstes Ereignis in Deinem Leben?

Jón Hallur Stefánsson:
Ich möchte die Geburt meiner Kinder nennen, von allen fünf. Es gibt nichts, was dem gleichkommt. Weniger wichtig, aber dennoch unvergesslich, sind einige seltsame Zufälle und magische Momente, die mir am Herzen liegen; und demgegenüber sind einige unbehagliche Erinnerungen, die mich immer wieder heimsuchen, viele davon haben mit mir zu tun, wie ich fast jemanden getötet hätte. Ich kann dir eine davon erzählen. Als ich beinahe achtzehn Jahre alt war, wurde ich durch einen Trick dazu gebracht, allein auf einer Dampfwalze zu arbeiten. Nach nur drei kurzen Unterrichtungen. Als ein Arbeitskollege mir in den Weg trat, in der Erwartung, dass ich herunterbremste, während er ein Loch im heißen Asphalt ausbesserte, war meine augenblickliche Reaktion, auf die Bremse zu treten, aber es gibt keine Bremse auf einer Dampfwalze diesen Typs. Mich daran erinnernd, versuchte ich, den Kontrollhebel zu finden, aber ich war unfähig, die Augen von dem Mann zu lösen und meine Hand konnte den Hebel, ohne hinzusehen, nicht finden. Panisch mit meiner Hand herumwühlend und zwecklos die nicht vorhandene Bremse mit meinem Fuß tretend, fuhr ich mit voller Fahrt in den Mann. Er war ein Kerl in meinem Alter und ich hatte ihn nie gesehen. Erst als ich ihn getroffen hatte, konnte ich wieder klar denken, und bremste. Er wurde aus meinem Weg geschleudert anstatt unter den enormen Stahlrollen zerquetscht zu werden. Falls es nicht so ausgegangen wäre, würde mein Leben ein anderes geworden sein. Er hatte sogar nicht einmal geringe Verletzungen. Das waren die längsten Sekunden, die ich bisher erlebt habe, sie scheinen für immer weiterzugehen. Ich fühle mich jedesmal verängstigt und dankbar, wenn ich mich daran erinnere.

Literaturportal schwedenkrimi.de:
Inzwischen bist Du schon der achte Krimischriftsteller aus Island, der in Deutschland Bücher veröffentlicht oder von denen bald Krimis erscheinen werden. Das ist erstaunlich, wenn man bedenkt, wie wenig Einwohner Island eigentlich hat. Hast Du eine Erklärung dafür?

Jón Hallur Stefánsson:
Nein, nicht wirklich. Bis vor kurzem war die isländische Kriminalliteratur in den literarischen Kreisen nahezu verachtet, und ich kann bekennen, dass ich meinerseits Zweifel daran hatte. Aber Dinge haben sich in der isländischen Gesellschaft verändert, welche die Kriminalliteratur glaubwürdig und nötig gemacht haben. Warum unsere Kriminalromane bei den deutschen Lesern Anklang finden, ist eine Frage, für die Du besser geeignet bist als ich, diese zu beantworten.

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Literaturportal schwedenkrimi.de:
Deine erste Kurzgeschichte „Enginn engill“ (Kein Engel), die gleichzeitig Dein erster Schritt zum Schriftsteller war, gewann gleich den ersten Preis in einem Wettbewerb für die beste Krimikurzgeschichte im Jahre 2004 in Island. War es ein spontaner Entschluss daran teilzunehmen oder hast Du schon lange mit dem Gedanken gespielt, Krimis zu schreiben?

Jón Hallur Stefánsson:
Ein wenig von beidem, vermute ich. Ich habe mit der Idee gespielt, dass es Spaß machen könnte, einen Krimi zu schreiben und habe ein paar Handlungsideen in einem Ordner in meinem Computer gesammelt. Aber ich hatte nicht die Zeit und so habe ich nichts damit gemacht. Dann geschah es, dass mich mein jüngerer Bruder, der ein bekannter Schriftsteller ist, darum bat, eine Kurzgeschichte durchzulesen, die er zusammen mit einem gemeinsamen Freund von uns für diesen Wettbewerb geschrieben hatte. So kam es, dass ich davon hörte. Der erste Preis war ziemlich hoch, so erzählte ich meinem Bruder, dass ich daran dachte, ebenfalls daran teilzunehmen, indem ich eine der Ideen verwendete, die ich mir notiert hatte. Als ich ihm meine Geschichte gegeben hatte, schickte er mir eine SMS mit der Nachricht: "Du wirst gewinnen". Und ich gewann.

Literaturportal schwedenkrimi.de:
Auch die Frage an Dich. Warum gerade Kriminalromane?

Jón Hallur Stefánsson:
Ich habe sie immer gern gelesen, mit noch anderen Büchern und so meinte ich, es könnte Spaß machen, auch einen zu schreiben. Warum nicht? Du kannst sagen, ich habe es wegen des Geldes getan, und dies ist bis zu einem gewissen Punkt wahr, aber ich habe niemals über die Kriminalliteratur gedacht, als etwas, für dass ich mich schämen müßte, weil ich mich damit befasse.Tatsächlich denke ich, dass, obwohl der Kriminalroman offensichtlich begrenzter ist, als der Roman als Ganzes, ist es viel mühsamer, mit "Bullshit" im Kriminalroman ungeschoren davonzukommen. Du kannst eigentlich nicht imposanten Stil und Sprache verwenden, um Brüche in Deiner Story aufzufüllen, entweder es funktioniert oder es funktioniert nicht.

Literaturportal schwedenkrimi.de:
Du hast den grüßten Teil des Romans im Sommer 2005 in Seydisfjorður geschrieben. Ich kenne diesen kleinen beschaulichen Ort aus meinen Urlaubsreisen auf Island, als ich von Borgarfjorður eystri nach Seydisfjorður gewandert bin (und umgekehrt). Wie kommt man an so einem Ort auf diese schwarze Geschichte?

Jón Hallur Stefánsson:
Ich kenne wirklich nicht die Antwort auf diese Frage. Meine Vermutung ist, dass der Hintergrund der Geschichte - für irgendeine Geschichte - mehr mit einer Art innerer Landschaft zu tun hat, als mit der unmittelbaren Umgebung des Autors in der Zeit des Schreibens.

Literaturportal schwedenkrimi.de:
Hast Du irgendetwas mit dem Segeln zu tun? Der Titel Deines Buches „Krosstré“ kommt ja aus dem nautischen Bereich. Er bedeutet Saling oder auf deutsch Querbalken. Es hat etwas mit Masten und Takelage zu tun.

Jón Hallur Stefánsson:
Da hast Du mich drangekriegt. Ich war mir dieser Bedeutung des Wortes nicht bewußt. In der normalen Sprache wird das Wort Krosstré überhaupt nicht benutzt, ausgenommen in dem festen Zusammenhang eines Sprichwortes, übersetzbar als: Querbalken können brechen, wie andere Balken auch" und ich denke, viele Menschen verbinden dieses Wort mit Häusern, die aus Holz erbaut sind. Doch eine nautische Bedeutung macht Sinn. Ich habe nicht die Gelegenheit, selbst viel zu segeln.

Literaturportal schwedenkrimi.de:
Du sagst, der Originaltitel hat die Bedeutung, dass einen sogar  die Dinge, auf die man sich am meisten verlässt, im Stich lassen können. Dazu zählt sicherlich auch die Familie, Freundschaft und die Liebe. Als ein sicherer Hort der Geborgenheit. In diesem Buch ist es nicht so.

Jón Hallur Stefánsson:
Nun, das ist richtig. Ich bin sehr grausam zu meinen Figuren in diesem Buch. Ich kann Dir wirklich nicht sagen warum, ausgenommen das es vorsätzlich ist.

Literaturportal schwedenkrimi.de:
Du selbst bist stolzer Vater von fünf Kindern. Ich denke, Dein Familienleben ist diametral entgegensetzt dem Familienleben, das im Buch beschrieben wird?

Jón Hallur Stefánsson:
Danke für Deine freundliche Annahme. Ich bin bestimmt stolz auf meine Kinder, sowie auf ihre drei Mütter. Ich habe gerade vor einem Monat zum ersten Mal geheiratet. Die Mutter meiner zwei Söhne, der ältere von ihnen ist zweieinhalb Jahre alt. Solche Bitterkeit und Verrat ist jetzt nicht Nah bei mir, aber ich habe meinen Anteil an Krisen und harten Zeiten gehabt.

Literaturportal schwedenkrimi.de:
Ein Kritiker schrieb: „hier brodeln Leidenschaften, Haß, Sehnsüchte, Neid und eine radebrechende Sinnlosigkeit“ – also das wahre Leben?

Jón Hallur Stefánsson:
Ich habe die Neigung zu glauben, das jede Person in sich den Keim oder die Möglichkeit jedes menschlichen Charakterzuges hat, also auch die extremen. Literatur ist ein guter Ort, dies zu erforschen, lesen ist ein Weg, Dein Leben auszuweiten, ohne dieses Leben mit all seinen Konsequenzen leben zu müssen. Ich denke, dies gilt auch für das Schreiben. Nun ja, die Charakterzüge in meinen Darstellern sind auch in mir, aber nicht in den gleichen Dosen.

Literaturportal schwedenkrimi.de:
Der erste Auftritt von Kommissar Valdimar Eggertsson ist sicherlich etwas ungewöhnlich. Er schlägt scheinbar sinnlos einen Schwulen zusammen. Das macht ihn auf den ersten Blick nicht gerade sympathisch. Warum hast Du gerade diese Szene gewählt, für seinen ersten Auftritt?

Jón Hallur Stefánsson:
Als ich anfing, den Text zu schreiben, hatte Valdimar die Neigung selbstgerecht und langweilig zu werden. Durch seinen Hintergrund und wie er damit umging, oder dagegen. Meine Lösung hierzu war, in Nahe an seine Grenzen zu bringen, gerade so wie die anderen Charaktere in dem Buch. Eine Liebesgeschichte ging in die Binsen auf die schmachvollste Weise (seine Geliebte geht zu ihrem Ehemann zurück) und ein unerledigtes Kapitel aus seiner aufgewühlten Kindheit kehrt zu ihm zurück, und so reagiert auf diese brutale Weise am Anfang des Buches. In Bezug auf die Frage, so vermute ich, wollte ich die Figur als einen komplexen Charakter einführen, den der Leser als solchen nicht voraussetzen konnte. Ich wollte ihn von den Hauptklischees über die polizeilichen Ermittler wegsteuern.

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Literaturportal schwedenkrimi.de:
Beim weiteren Lesen des Buches erfährt man immer mehr über den Kommissar und man erkennt, dass er auch so seine Probleme hat. Mit Frauen und mit Beziehungen überhaupt. So leidet er unter einer Berührungs-Phobie. Hast Du lange gebraucht, um diese Figur zu kreieren oder kam das nach und nach?

Jón Hallur Stefánsson:
Zuerst wollte ich einen Kriminalroman ohne eine polizeiliche Hauptperson schreiben aber widerstrebend entschied ich, einen zu benutzen. Wie ich zuvor schon gesagt habe, mußte ich dem Charakter eine überraschende Wendung geben, um ihn für mich interessanter zu machen. So wie Du ihn beschreibst, ist er wohl ein wenig zu sehr extrem geworden. Ich weiß nicht, wie Du darüber denkst. So wie einige andere Charaktere in dem Buch, hatte er die Kraft, mich während der Schreibfortschritte zu überraschen.

Literaturportal schwedenkrimi.de:
In der Geschichte scheint jede Person auf irgendeine Art und Weise kaputt zu sein. Zumindest aber gestört oder beziehungsunfähig. Lügen und Gewalt beherrschen die Bindungen der Personen. Dies ist doch eine sehr pessimistische Sicht von persönlichen Beziehungen, oder?

Jón Hallur Stefánsson:
Ich bin ganz grausam zu meinen Darstellern in diesem Buch. Ich wollte sie an ihre Grenzen führen, sie dort aussetzen...aber ihnen dennoch eine Dosis von Würde geben, um sie menschlich und begreiflich zu halten. Was ich nicht wollte, war, böse Charaktere zu schaffen oder einige unerklärliche schlechte Winkelzüge zur Erklärung, was falsch lief. Ich bin nicht an Charaktere interessiert, mit denen ich mich nicht auf irgendeine Weise identifizieren kann, in die ich mich nicht einfühlen kann oder mir vorstellen kann, ich sei es.

Literaturportal schwedenkrimi.de:
Marteinn ist ja, neben Valdimar die Hauptperson des Romans. Etwas unbeholfen und naiv scheint er zu sein. Aber so nach und nach erfährt man, dass er auch anders sein kann. So hat er seinen Freund ganz subtil unter Kontrolle. Eine gespaltene Persönlichkeit?

Jón Hallur Stefánsson:
Sind wir das nicht alle? Die Beziehung der zwei Jungen in dieser Geschichte, war eines der Dinge, die mich im Fortgang der Geschichte überraschte. Plötzlich schrieb ich an einem Dialog zwischen ihnen, der entgegengesetzt zu meinem Plan über sie war, und das Zwang mich dazu, einige Kapitel neu zu schreiben oder zu löschen, die ich zuvor geschrieben hatte. Später begriff ich, dass es so hatte sein sollen. Unser Instinkt weiß es manchmal besser als unser Bewußtsein, und so, wenn ich den Drang bekomme zu improvisieren, tue ich es. Marteinn ist gespalten wie wir alle, aber nicht psychotisch, er hat nur verschiedene Seiten in sich.

Literaturportal schwedenkrimi.de:
Vor allem ist „Krosstré“ ein skurriler, slapstickhafter Roman finde ich. Manchmal erinnert er mich an die schwarzen makaberen Filme von Alfred Hitchcock. Bei einer Szene kommt mir zum Beispiel „Frenzy“ oder „Immer Ärger mit Harry“ in den Sinn? Liebst Du diese Art von Humor?


Buchtipp
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Jón Hallur Stefánsson:
Ich bin froh, das Du den Humor in der Geschichte verstanden hast, es ist wichtig für mich. Hitchcock ist großartig, obwohl es sind einige Jahre her, seit ich durch eine Phase gegangen bin, in der ich seine Filme angesehen habe. Ich kann sehen was Du in Deinem Vergleich meinst und vielleicht ist Hitchcock irgendwo in meinem Kopf, steuert das ganze Ding.

Literaturportal schwedenkrimi.de:
Ich selber mag ja diesen schwarzen Humor, der mit dem Grauen spielt. Aber läuft man nicht auch Gefahr, eine Grenze zu überschreiten oder gibt es für Dich in dieser Hinsicht keine Grenze?

Jón Hallur Stefánsson:
Nun, ich weiß nicht, wie ich dies beantworten soll. Einige Szenen in dem Buch waren ungemütlich für mich zu schreiben doch ich wollte sie in diese Richtung bringen. Allzumal es einen Charakter einbindet, mit dem der Leser sich selbst identifizieren kann. Die Charaktere überschreiten definitiv Grenzen und ich wollte diesen Punkt betonen und nicht die Realität für die Charaktere und den Leser abschwächen.

Literaturportal schwedenkrimi.de:
Wie kamst Du auf die Geschichte in der Geschichte über den japanischen Killer? Er ist ja im Grunde der einzige, der im Roman so etwas wie Gefühle zeigt und eine Entwicklung durchmacht?

Jón Hallur Stefánsson:
Der japanische Auftragskiller kam uneingeladen in meine Geschichte, mit einem improvisierten Namen und allem anderen. Ich fing gerade an, mit den Möglichkeiten dieser Person zu spielen, als eine witzige Abwechslung sozusagen und auch als ein direkter und deutlicher Kontrast zu den anderen Personen, welche, immerhin, keine Kriminellen sind. Später fand ich heraus, nachdem ich den Namen (Hananda) bei Google eingegeben habe, dass er nicht nur als japanischer Name akzeptiert ist sondern sogar der Name eines Killers in einem japanischen Kultfilm aus den sechziger Jahre ist. So, vermute ich, habe ich, durch Zufall, etwas richtiges zustande gebracht. Auf eine bestimmte Art ist dieser Charakter Nahe an einer Karikatur, so beschloß ich, ihm einen menschlichen Wendung zu geben, indem ich einen Vorfall aus meinem eigenen Leben benutzte (oder missbrauchte), obwohl leicht verzerrt. Es ändert sein Leben mehr als es mein Leben verändert hat.

Literaturportal schwedenkrimi.de:
Deine Sprache in dem Roman hat nun nichts oder nur sehr wenig mit Lyrik zu tun. Sie ist direkter, härter und sehr umgangssprachlich. Tut es gut, einfach so ohne Regeln, die doch Lyrik hat, schreiben zu können?

Jón Hallur Stefánsson:
Ich denke, der Kriminalroman hat mehr Regeln als die Poesie. Bei beiden ist die Herausforderung die, die Regeln anzuerkennen, diese aber zu brechen oder ihnen eine leichte Wendung zu geben.

Literaturportal schwedenkrimi.de:
Stört es Dich, dass Du als Kronprinz der isländischen Kriminalliteratur bezeichnet wirst oder siehst Du das eher als Marketingstrategie?

Jón Hallur Stefánsson:
Als Slogan ist er ursprünglich erdacht worden, mit einem etwas ironischen Humor, von meinem Verleger. Es war eine riskante Sache es so zu machen, da, wenn das Buch dürftige Kritiken bekommen würde, würde die Strategie sich gegen uns beide richten, mich und meinen Verleger. Aber er mag es, solche Risiken einzugehen und ich habe vollständiges Vertrauen in ihn. Und es funktionierte. Im Ausland kann es vielleicht eine ganz andere Bedeutung annehmen. Ich weiß es nicht.

Literaturportal schwedenkrimi.de:
Du arbeitest bereits an Deinem zweiten Kriminalroman. Kannst Du schon verraten welchen Titel er haben wird und um was es gehen wird?

Jón Hallur Stefánsson:
Es hat mit Feuer zu tun. Ich kann Dir nicht mehr als das sagen. Aber danke für Dein Interesse und die Gedanken, die Du in Deine Fragen gepackt hast. Ich weiß dies zu würdigen.

Autor: Jürgen Ruckh/ Esslingen
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