Camilla Läckberg - Die Schneelöwin
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Camilla Läckberg - Die Schneelöwin
 
Arne Dahl - Sieben minus eins
Hier können Sie Probelesen in einem Buch der Bestseller-Autorin Ingrid Kampås.
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ist die Lüge
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Gebundene Ausgabe
Verlagsgruppe
Droemer Knaur
Erscheinungsdatum:
September 2004
ISBN: 3426661578
Übersetzung:
Marie-Sophie Kasten
Originaltitel:
"Hjärta av is"
Kurzbeschreibung

Mari ist Krankenschwester und lebt mit ihrem kleinen Sohn Anton in dem Dorf Sundsby in Südschweden. Eines Tages macht sie einen Hausbesuch bei der bettlägerigen Vera und findet im Badezimmer deren Sohn Bengt - erstochen. Als kurz darauf Bengts Freund Janne überfahren wird, gerät die kleine Dorfgemeinschaft in Unruhe.Viele im Dorf wollen es nicht wahrhaben, aber Mari sieht einen Zusammenhang. Außerdem hat Mari das ungute Gefühl, dass Janne etwas über Bengts Tod wusste. Sie ermittelt auf eigene Faust, und plötzlich beginnen überall um sie herum die Fassaden zu bröckeln. Mari stößt in ein Gespinst aus Lügen. Jeder, mit dem sie spricht, scheint die sprichwörtliche Leiche im Keller zu haben ...

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Leseprobe

Der erste Nachtfrost des Jahres überzieht den Donnerstagmorgen mit einer weißen Puderschicht und bringt eine Vorahnung von Winter. Die Luft in den Lungen fühlt sich kalt an, und der Atem gefriert zu einer Wolke. Die Kälte kommt jedes Jahr überraschend. Keine Handschuhe, der Eiskratzer verschwunden. Man benutzt eine Kassette, um die Windschutzscheibe frei zu bekommen, während Anton auf der Rückbank in seinem Kindersitz zittert.
"Mach die Heizung an, Mama!"
"Sie ist voll aufgedreht." Mit Fingern steif wie Eiszapfen setzt sie sich ans Steuer. Sie braucht eine Viertelstunde, um zuerst zum Kindergarten und dann zur Arbeit zu fahren. Vom Hof Hallsered nach Sundsby.
Kein Arbeitstag ist wie der andere, aber es gibt eine gewisse Routine. Dazu gehört die Telefonsprechstunde der Kreiskrankenschwester zwischen acht und neun. Heute ist Man ein paar Minuten zu spät und hört bereits auf dem Flur das Telefon in ihrem Büro klingeln. Sie nimmt den ersten Anruf entgegen, während sie sich gleichzeitig die Jacke auszieht und den Computer einschaltet. Es ist die Zeit der Erkältungen. Man gibt Ratschläge zu Nasentropfen und Fieber senkenden
Mitteln und vereinbart ein paar Termine bei den Ärzten, bevor Vera anruft.
"Hallo, Vera! Wie geht es dir?"
"Ja, wie immer. Die üblichen Schmerzen eben, nichts weiter." Die Stimme klingt ängstlich. Abwartend.
"Kann ich etwas für dich tun?" Man klemmt sich den Hörer zwischen Wange und Schulter und öffnet die Tagespost.
"Es geht um Bengt", sagt Vera. "Könntest du nicht vielleicht vorbeikommen?"
Man legt eine Einladung zu einer Ethik-Vorlesung beiseite. Sie hört den flehenden Ton am anderen Ende der Leitung. "Ich kann nach meiner Ambulanz-Sprechstunde kommen. Gegen halb elf. Ist das in Ordnung?"

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Leseprobe
Rezensionen

"Das wäre nett von dir. Ich bin so unruhig."
"Dann sehen wir uns nachher. Bis dann." Es ist unnötig zu fragen, worum es geht. Wenn die Sache nicht am Telefon geregelt werden kann, besteht kein Grund, Gefühle zu wecken, mit denen sie sich im Moment ohnehin nicht auseinandersetzen könnte.
Vera gehört zu denjenigen ihrer Patienten, die viel Aufmerksamkeit verlangen. In der Kindheit an Polio erkrankt und infolgedessen so geschädigt, dass sie schon mit fünf zig Jahren an den Rollstuhl gefesselt war. Schmerzen, die schwer zu behandeln sind. Seit über dreißig Jahren Witwe. Ein drogenabhängiger Sohn. Es ist nicht das erste Mal, dass Vera anruft und Man bittet zu kommen, und als sie an diesem Tag Veras Haus betritt, denkt Man, dass es so wenig gibt, was sie tun kann. Nur da sein. Zuhören.
Vera ist in der Küche im Erdgeschoss. Es ist unaufgeräumt. Man sieht, dass jemand sich bemüht, Ordnung zu halten, aber nicht ganz zurechtkommt. Alte Zeitungen, die sich auf der Bank am Fenster stapeln, ein Haufen Kleider auf einem Küchenstuhl, Gardinen, die vermutlich seit zehn Jahren nicht
gewaschen worden sind, die Katzenschüssel auf einem schmutzigen Pappkarton am Boden und auf dem Teppich verstreutes Trockenfutter und Milch, die ausgelaufen und eingetrocknet ist.
Vera hat den Rollstuhl an die behindertengerechte Spülbank gerückt und schält Kartoffeln, aber als Man hereinkommt, dreht sie den Wasserhahn zu und lässt das Schälmesser in die Spüle fallen. Sie rollt zum Tisch, nimmt die Brille ab und legt sie vor sich hin. Die Augen sind vom Weinen gerötet, das Gesicht geschwollen. Sie hat lange Haare, schwarz mit grauweißen Strähnen, im Nacken zu einem Pferdeschwanz gebunden. Man betrachtet die Falten auf Wangen und Stirn, um so lange wie möglich Veras angsterfüllten Augen auszuweichen.
Im Radio, das auf dem Küchentisch steht, singt ein Chor Großer Gott. Man schaltet es aus. "Was ist los, Vera?", fragt sie und beobachtet die Träne, die aus Veras rechtem Augenwinkel auf den Tisch zu fallen droht.
"Bengt. Er ist nicht nach Hause gekommen." "Er kommt bestimmt bald, du wirst sehen."
"Da stimmt etwas nicht!" Vera zupft an einer Häkelarbeit herum, die auf dem Tisch liegt. Sie wickelt das rote Garn von dem, was einmal eine Weihnachtstischdecke werden soll, um den linken Zeigefinger. "Ich habe Angst, dass ihm etwas passiert ist."
"Du weißt doch, dass er manchmal ein paar Tage weg ist." Man könnte verschiedene Gelegenheiten aufzählen, bei denen Bengt abgehauen war. Nach Malmö oder Kopenhagen. Ab und zu nach Göteborg. Dann kam er high oder verkatert nach Hause zurück. Er saß wegen Drogenbesitzes und wurde, soweit sie weiß - in einem kleinen Loch wie Sundsby wird viel getratscht -‚ auch einmal wegen des Verdachts auf Rauschgifthandel verhaftet, aber aus Mangel an Beweisen wieder freigelassen. Sein Verschwinden trifft Vera immer hart. Eine krankhafte Unruhe lastet auf ihr, bis er zurückgekehrt ist.
"Heute morgen lag ich wach und dachte daran, die Pflegerin zu bitten, nach oben zu gehen und in sein Zimmer zu schauen. Dann habe ich es mir anders überlegt. Und nun kommt sie nicht vor heute abend wieder." Sie sieht Man flehend an.
"Selbstverständlich kann ich hoch gehen", sagt Man. "Aber mir ist nicht klar, was ich da oben tun kann."
"Du kannst vielleicht nachschauen, ob jemand auf den Anrufbeantworter gesprochen hat."
"Warum?"


Buchtipp
Camilla Läckberg - Die Schneelöwin

"Gestern Abend war Bengt unten zum Essen. Er sagte, er würde später Besuch bekommen. Nachdem die Pflegerin mich kurz vor neun ins Bett gebracht hatte und ich gerade schlafen wollte, meinte ich das Telefon viermal läuten zu hören. Er geht nicht immer dran, für den Fall, dass es jemand ist, mit dem er nicht sprechen will, und dann springt der Anrufbeantworter nach dem vierten Klingeln an. Ich dachte, dass er vielleicht mit jemandem weggegangen war."
Man fällt ein, dass Bengt weder einen Führerschein noch ein Auto hat. "Hast du nicht gehört, ob jemand gekommen ist und ihn abgeholt hat?"
"Ich muss Schlaftabletten nehmen, sonst kann ich nicht schlafen. Wegen der Schmerzen, weißt du. Deshalb schlafe ich so tief. Aber ich glaube, ich habe einen Schlag gehört."
"Dann machen wir es eben so", sagt Man. "Ich gehe nach oben und schaue nach, und dann musst du versuchen, dich ein bisschen zu beruhigen. Er ist schließlich erwachsen und für sich selbst verantwortlich."
Die ältere Frau spielt mit dem Garn in ihren Händen, und Man merkt, dass sie etwas Dummes, Unnötiges gesagt hat, denn Veras neurotische Unruhe lässt sich nicht wegdiskutieren.
Die Treppe zum ersten Stock ist eng, und auch hier breitet sich der Schmutz aus. Man hat nicht wie üblich die Schuhe ausgezogen und spürt, wie sie an jeder Stufe hängen bleibt. Sie versucht, möglichst nicht daran zu denken, was da so kleben könnte. Oben auf dem Treppenabsatz steht eine Papiertüte mit Zeitungen, und ein Haufen Schuhe liegt neben einem zusammengelegten Flickenteppich. Hier oben gibt es zwei kleine Zimmer. In dem einen steht ein braungrün gestreiftes Sofa hinter einem niedrigen Tisch aus dunklem Holz. Der Tisch ist voller Glasabdrücke und Brandflecken von Zigaretten. An einer Wand stehen ein Fernseher und eine Stereoanlage auf einer Bank. Das Bett im Schlafzimmer ist ohne Laken und die Decke liegt zerknüllt am Fußende. Auf einem Nachttisch steht der Anrufbeantworter. Er blinkt. Man geht vorsichtig über den schmutzig grünen Teppichboden, um nicht auf irgendetwas zu treten, und drückt auf Play. Der Anrufbeantworter surrt beim Zurückspulen, knackt, und dann ist eine Stimme zu hören. Nuschelnd, aber dennoch deutlich. "Hallo, ich bin es, Janne. Ich komme nachher vorbei."
Man schaut sich im Zimmer um. Ein Stapel Pornozeitschriften liegt neben der Heizung, und mit einem starken Gefühl von Abscheu und davon, genug gesehen zu haben, beschließt sie, wieder hinunterzugehen. Unmittelbar vor der Treppe befindet sich die Tür zum Badezimmer. Aus einem Impuls heraus öffnet sie sie und bleibt mit der Hand auf der Türklinke stehen.
Das winzige Fenster zur Linken, oberhalb der Badewanne, reflektiert einen Sonnenstrahl im Spiegel über dem Waschbecken. Einen Moment lang blendet er sie, und sie denkt, hier drinnen würde gerade gestrichen.
Man sieht, aber das Gehirn nimmt nicht auf, was die Augen ihr vermitteln. Es dauert eine Weile, bis sie versteht, worauf sie schaut.

Danke an den Knaur Verlag für die Veröffentlichungserlaubnis.
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