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Kritisch, kenntnisreich und pointiert – Tilmann Bünz’ Blick auf die Sehnsuchtsregion der Deutschen
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Ende letzten Jahres sorgte ein Artikel Berthold Frankes, Leiter des Stockholmer Goethe-Instituts, im Svenska Dagbladet für Furore (Link). Er spürte
hierin der Frage nach, warum vielen Deutschen Schweden als Sehnsuchtsland
gilt und sprach in diesem Zusammenhang vom „Bullerbü-Syndrom“. Der Beitrag
führte zu einer lebhaften Diskussion in Schweden, und Anfang 2008 hat der
Schwedische Sprachrat das Wort „Bullerbysyndromet“ oder „Bullerbüsyndromet“ (auf Deutsch: „Bullerbü-Syndrom“) als neues
schwedisches Wort deklariert und zum Wort des Monats gekürt (Quelle/Link).
Das „Bullerbü-Syndrom“ nach Franke bezeichnet dabei die „Sehnsucht nach einer verlorenen Kindheit, nach einer unschuldigen Welt, in der Urbanisierung, Industrialisierung und vor allem der Zweite Weltkrieg niemals stattgefunden haben.“ (NORR, Das Skandinavien Magazin, Nr. 20: S.22/Link-PDF)
Jenseits der Bullerbü-Perspektive
Für alle, die sich ein wenig dieser Bullerbü-Perspektive entziehen möchten und dennoch einen ebenso liebevollen wie pointierten und kenntnisreichen Blick auf unsere nördlichen Nachbarn gewinnen möchten, sei Tilmann Bünz’ Buch „Wer die Kälte liebt - Skandinavien für Anfänger“ (btb, 2008) empfohlen. Tilmann Bünz berichtete fünf Jahre als Auslandskorrespondent für die ARD aus Skandinavien und dem Baltikum und wohnte in dieser Zeit mit seiner Familie in Stockholm.
Bei aller Liebe: Bünz wahrt ironisch-lakonische Distanz
Ohne jemals die kritische, journalistische Distanz zu verlieren, beschreibt Bünz in dem Buch das skandinavische Alltagsleben und gewährt dabei Einblicke in die - vor allem schwedische, aber auch norwegische, dänische, finnische, grönländische und isländische - Kultur, Mentalität und Seele. Seine Beobachtungen und Schilderungen sind dabei ebenso von – zuweilen ironisch-lakonischer – Sympathie geprägt wie vom unvoreingenommenen Blick des Fremden von Außen auf diesen Landstrich, der manche skandinavische „Spezialität“ und Eigenheit mit Verwunderung zur Kenntnis nimmt. Vorurteilsfrei - auch gegenüber positiven Vorurteilen und Stereotypen - begibt sich der Autor in das Abenteuer „Skandinavien“ und berichtet von entlegenen Orten wie dem grönländischen Qaanaaq, aber auch mitten aus Stockholm und seinen Schären. Nebenbei erfährt man auf humorvolle Weise vieles über Does and Don’ts für den nächsten (Schweden-)Urlaub, das gesellschaftliche Gefüge und die „skandinavische Mentalität“, die bis in die persönlichen und familiären/freundschaftlichen Strukturen hineinreicht, sowie über Besonderheiten wie eine Frauenquote für norwegische Aufsichtsräte, die schwedische Personenkennziffer oder das Schweigen der finnischen Männer. Kurz: Ein absolutes Muss für alle Schwedenliebhaber und Skandinavienfans, die mehr über Land und Leute erfahren wollen, als alle Astrid-Lindgren-Bücher, Skandinavienkrimis und Inga-Lindström-Filme hergeben.
Vielen Dank an Alexandra Hagenguth| ANZEIGE |
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